Konzert in Odendorf

Die Klais-Orgel ist 110 Jahre alt

Das Vocalensemble Swisttal singt beim Konzert zum 110-jährigen Bestehen der Klais-Orgel.

Das Vocalensemble Swisttal singt beim Konzert zum 110-jährigen Bestehen der Klais-Orgel.

SWISTTAL-ODENDORF. Ein Konzert mit Organist Wolfgang Bretschneider und dem Vocalensemble Swisttal erklang in der Kirche Sankt Petrus und Paulus in Odendorf. Die Odendorfer feierten so ihr "Geburtstagskind": die 110 Jahre alte Klais-Orgel.

110 Jahre alt ist die Klais-Orgel in der Odendorfer Pfarrkirche Sankt Petrus und Paulus und noch original erhalten. Das wussten die Odendorfer zu feiern, für ihr Geburtstagskind hatten sie den mehrfach ausgezeichneten Musikdozenten und Leiter der Bonner Münster-Schola, Monsignore Professor Wolfgang Bretschneider, als Organisten eingeladen. Er spielte beim gemeinsamen Jubiläumskonzert mit dem genau zehn Jahre alten Vocalensemble Swisttal.

Die Odendorfer Orgel ist für Bretschneider keine Unbekannte. Schon zur Einweihung nach der letzten großen Restaurierung 1997 war er in Sankt Petrus und Paulus zu Gast, danach gab er vor Ort weitere Konzerte. Er schätzt die Klangästhetik des Instruments, die man nur noch selten finde. Zu viele Orgeln jener Zeit seien abgerissen worden, weil der Geschmack sich verändert habe. Doch Bretschneider betont: „Seit 30, 40 Jahren fängt man wieder an, diese Orgeln zu schätzen.“

Schließlich kann Orgelmusik sehr vielseitig sein, gerade wenn man mit einem Programm von Mariengesängen in den meisten Stücken ein ähnliches Thema hat. Im „Pière à Notre-Dame“ von Léon Boelmann war die Orgel sanft und leicht, bei Clemens Ingenhovens Variationen über „Maria zu lieben“ stimmgewaltig und klangvoll. Eine Orchestersuite von Johann Sebastian Bach schaffte sie in einer Orgelbearbeitung ganz allein, konnte sich aber beim „Ave Maria“ von Girolamo Frescobaldi dem Sologesang von Silke Eschweiler auch unterordnen.

Minutenlange Ovationen

Ähnlich überraschend abwechslungsreich waren die Chorstücke, durch die Nicole Prinz und Benjamin Bosbach ihre versierten Sängerinnen und Sänger leiteten. Gleich drei „Ave Maria“ standen auf dem Programm, zwischen dem ältesten von Tomás Luis de Victoria und dem jüngsten von Franz Xaver Biebl liegen rund 500 Jahre. Eindrucksvoll auch, wie der Chor am Ende von Henryk Górekis „Totus Tuus“ den Namen Maria im sonst absolut stillen Kirchenraum schweben ließ.

Die minutenlangen stehenden Ovationen hatten sich die Musiker damit verdient. Bretschneider dankte seinerseits mit dem „Beethoven Rag“ von Andreas Willscher als Zugabe. Ein so beschwingtes, fröhliches Orgelwerk über Beethovens bekannteste Themen, dass einige Zuhörer zu lachen anfingen. Und noch ein schöner Hinweis darauf, wie jung eine Orgel aus dem Jahr 1908 im Herzen noch sein kann.