Die erste Gerste wird geerntet

Der Weltmarkt verdirbt die Preise

SWISTTAL. Die Gersten-Ernte hat begonnen. Landwirt Johannes Schmitz steuert seinen 14 Tonnen schweren Mähdrescher per Daumen. Gut 25 Tonnen wird er am Ende des Tages auf dem drei Hektar großen Feld zwischen der B 56 und dem Weiler Hohn geerntet haben.

Mit Schwung nehme ich die fünf Stufen hoch zum Cockpit, öffne die Tür und nehme neben Johannes Schmitz Platz. Man sitzt bequem im Polstersitz und hat einen guten Überblick über das gelbe Getreidemeer zwischen der B 56 und dem Weiler Hohn. Der 48-jährige Landwirt aus Buschhoven steuert den 14 Tonnen schweren Mähdrescher Marke Claas Lexion 750 überwiegend mit seinem Daumen durch die Wintergerste. Sie heißt so, weil sie bereits im vorigen Winter gesät wurde. In diesen Tagen hat die Ernte begonnen.

Schmitz hat mit seinen Kollegen Heinz-Peter Köllen (63) aus Buschhoven und Peter Kreuder (42) aus Miel eine Betriebsgemeinschaft gegründet. Das deshalb, um Betriebsabläufe zu optimieren und Kosten zu senken. Zum Beispiel bei der Anschaffung von Maschinen. Frisch aus dem Werk hätte der Claas 340.000 Euro gekostet. Köllen, Kreuder und Schmitz entschieden sich aber für ein zwei Jahre altes Modell, das entsprechend günstiger zu haben war.

Über den Joystick steuert Schmitz alle wichtigen Funktionen des Mähdreschers: die Höhe der Haspel und des Schneidwerks, die Geschwindigkeit und den Körnerausstoß über das Auslaufrohr. Lenken muss er während der Fahrt nicht, das übernimmt eine kleine Kamera an der Seite des Mähdreschers, die die Kante des noch zu mähenden Getreides im Blick hat: der Laserpilot. „So kann ich mich auf den Bordcomputer konzentrieren“, erklärt Schmitz während der 3,8 Stundenkilometer langsamen Fahrt. Der Bildschirm zeigt ihm die Auslastung des 10.000 Liter fassenden Korntanks an. In diesen Tank passen etwa 6,5 Tonnen Gerste.

Das 7,50 Meter breite, sich hin und her bewegende Schneidwerk trennt die Halme etwa zehn Zentimeter über der Ackerkruste ab. Die rotierende Schnecke transportiert das Stroh in den Einzugskanal in der Mitte des Mähdreschers, quasi dessen „Maul“. Mit Hilfe von drei Trommeln im Dreschwerk werden die Körner aus der Ähre gelöst. Das Stroh wird gehäckselt, fällt aus der Maschine und verbleibt am Boden, um später als Dünger dessen Struktur zu verbessern. Unterdessen fallen die Körner auf den Siebkasten und werden mit einem Elevator dem Tank zugeführt.

25 Tonnen Gerste sind der Ertrag des Tages

Wenn der voll ist, zeigt der Bordcomputer dies an, worauf Schmitz die auf dem Feldweg abgestellten Wagen ansteuert und diese über das Auslaufrohr mit den Gerstenkörnern befüllt. Gut 25 Tonnen wird er am Ende des Tages auf dem drei Hektar großen Feld geerntet haben. Die Wagenladungen werden zur Genossenschaft der Raiffeisenbank nach Stotzheim gefahren. Die Genossenschaft verkauft die Gerste weiter als Futtermittel. Zurzeit liegt der Preis bei etwa elf Euro für den Doppelzentner. „Das ist hart an der Schmerzgrenze“, sagt Kreuder.

Der Preis wird vom Weltmarkt bestimmt und an der Börse festgesetzt. Zurzeit existiert ein „Getreideberg“, die Preise gehen in den Keller. Sollten sie weiter fallen, würde sich der Einsatz kaum noch lohnen, sind die drei Landwirte überzeugt. Der Ertrag bei der Wintergerste liegt mit acht bis neun Tonnen pro Hektar im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Wobei das nasse Frühjahr und der regenreiche Juni bessere Erträge und eine bessere Qualität verhindert haben. Da Gerste nur als Futtermittel verarbeitet wird, ist die Qualitätsfrage nicht so entscheidend.

Wohl aber beim Winterweizen, der in den nächsten Wochen geerntet und zu Backmehl verarbeitet wird. Ein Feuchtigkeitsgrad von 14,5 Prozent ist für ihn optimal. Für Werte darüber gibt es weniger Geld für die Bauern. Wie Köllen erläutert, werden von jeder Wagenladung Proben entnommen. Durch diese strengen Kontrollen werde auch sichergestellt, dass keine Pflanzenschutzmittel ins Brot gelangten.

In eineinhalb Stunden hat Schmitz die drei Hektar geschafft. Insgesamt bearbeitet die Betriebsgemeinschaft 90 Hektar Gerste, 120 Hektar Weizen, zehn Hektar Raps und fünf Hektar Roggen. Das Steuern des Mähdreschers ist für Schmitz nicht nur Arbeit: „Es macht auch Spaß, immer mit der neuesten Technik zu arbeiten.“ Musik hört er im Cockpit nicht, denn: „Ich muss das Geräusch der Maschine hören, um Störungen oder Fremdkörper feststellen zu können.“

Einer dieser Fremdkörper hatte vor einigen Jahren die Gestalt eines Wildschweins, das vor ihm gemütlich im Getreide lag. Es ließ sich vom riesigen Mähdrescher nicht beeindrucken und verließ sein Bett im Kornfeld erst, nachdem Schmitz es mit der Haspel sanft angeschubst hatte.