Morenhovener Forst

Das lange Warten auf den Baustart

Natalia Kaspers vor ihrer Bauparzelle auf dem ehemaligen Sportplatzgelände in Morenhoven. FOTO: AXEL VOGEL

Natalia Kaspers vor ihrer Bauparzelle auf dem ehemaligen Sportplatzgelände in Morenhoven.

SWISTTAL. Natalia Kaspers ist sauer. Noch wohnt die 37-jährige Informatikerin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Meckenheim zur Miete. Nun will die Familie bauen.

Das Grundstück im neuen Baugebiet Morenhovener Forst auf dem alten Sportplatzgelände hat sie schon gekauft. Doch den Bauantrag wurde sie bei der Gemeinde Swisttal nicht los - seit Monaten. Jetzt wird sie den Antrag beim Rhein-Sieg-Kreis einreichen.

Doch der Zeitverlust ist nicht alles. Natalia Kaspers befürchtet, dass sich der finanzielle Schaden an Bereitstellungszinsen für den noch nicht abgerufenen Kredit und für die parallel zu zahlende Miete im ungünstigsten Fall auf etwa 15 000 Euro summieren könnte. Sie erwägt, dieses Geld einzuklagen.

Die Gemeinde begründet die Verzögerung damit, dass der Morenhovener Bebauungsplan sich nicht aus einem rechtskräftigen Flächennutzungsplan entwickele, da dieser sich noch in der Aufstellung befinde. Daher müsse der B-Plan ein Genehmigungsverfahren durchlaufen, so Gemeindesprecher Bernd Kreuer.

Es handle sich um umfängliche Unterlagen, die eine komplexe Prüfung durch die Bezirksregierung erforderten. Das habe man dem Ehepaar Kaspers mehrfach mitgeteilt. Kreuer: "Die Bezirksregierung hat einen Weg zur Lösung der von ihr als offen erkannten Verfahrensfragen aufgezeigt. Dabei handelt es sich insbesondere um Einwendungen der frühzeitigen Beteiligung, die in die Abwägung des Rates einfließen."

Am 28. Juli 2014 hatte das Ehepaar Kaspers ein Gespräch mit der G & S Wohnbau GmbH aus Euskirchen, die das Baugebiet entwickelt. Es wurde zugesichert, dass ein Baubeginn im Herbst möglich sei. Darauf reservierte das Ehepaar ein Grundstück und kaufte es am 1. September.

Ende September teilte G & S per Mail mit, Mitte November könne mit dem Bau begonnen werden. Am 6. Oktober wollte das Ehepaar den Bauantrag bei der Gemeinde einreichen. Doch laut Natalia Kaspers nahm das Bauamt den Antrag nicht an: Die Erschließung sei noch nicht abgeschlossen. Die dauerte laut G & S-Geschäftsführer Hartmut Lackner bis Ende November.

Bei einem Gespräch im Rathaus in Ludendorf am 8. Dezember teilte die Gemeinde dem Ehepaar auf die Frage, warum der Bauantrag nicht angenommen werde, obwohl die Erschließung abgeschlossen sei, mit, der Flächennutzungsplan müsse noch von der Bezirksregierung geprüft werden.

Am 9. Januar reichte das Ehepaar den Antrag ein. Er sei unter Vorbehalt angenommen worden. Eine Zusage, ihn in vier Wochen zu genehmigen, habe es nicht gegeben. Am 19. Januar fragte Natalia Kaspers bei der Bezirksregierung in Köln nach. Dort sagte man ihr, man habe drei Monate Zeit, um den Flächennutzungsplan zu überprüfen. Deshalb könne sie im Januar nicht mit der Genehmigung ihres Bauantrags rechnen.

Am 18. Februar sprachen Bürgermeister Eckhard Maack und Beigeordnete Petra Kalkbrenner mit Vertretern der Bezirksregierung. Ergebnis: Der B-Plan wird nach der Einarbeitung von Änderungen und Ergänzungen im April dem Planungsausschuss und dem Rat zur Beschlussfassung und dann der Bezirksregierung nochmals zur Genehmigung vorgelegt.

Eine erneute Offenlage ist nicht erforderlich. Ungeachtet dessen hat die Bezirksregierung in Abstimmung mit dem Rhein-Sieg-Kreis aber schon "Planreife" festgestellt, so dass die Bauwilligen ab sofort ihre Bauanträge stellen können. Von der Einreichung des Antrags bis zur Genehmigung vergehen laut Auskunft des Kreises im Schnitt zehn Wochen.

"Diese Verzögerung ärgert uns", sagt G & S-Geschäftsführer Lackner. Weil die Bauwilligen an der Situation schuldlos seien, habe man auch noch keine Rechnungen geschickt. Dies werde in den nächsten Wochen geschehen. 19 der 24 Grundstücke sind verkauft, fünf reserviert.

Das Fazit von Natalia Kaspers: "Wären wir rechtzeitig transparent über die Sachlage informiert worden, hätten wir spätestens im Dezember unseren Antrag in Siegburg einreichen können. So gingen uns mindestens drei bis vier Monate verloren."

Im ungünstigsten Fall geht Kaspers von einer zehnmonatigen Verzögerung aus: "Hätten wir uns nicht auf die Aussage verlassen, dass der Baubeginn schon in Herbst möglich ist, hätten wir niemals alle Kredite unterschrieben. Da wir im Falle des Bauanfangs im September 2015 eventuell eine Teilsumme des Kredits schon abrufen können, wird eine dreifache Belastung auf uns zukommen: Miete, Abzahlung des Kredits für eine abgerufene Teilsumme und die Bereitstellungszinsen für die noch nicht abgerufene Kreditsumme."