Fünfte Auflage in Swistal

Burgenfahrt in Swisttal mit tradionellen Kutschgespannen

Auch Burg Morenhoven ist ein Ziel der Gespanne.

SWISTTAL. Stolz wie ein Spanier lief der siebenjährige "Klitzekleine Onkel" in den Innenhof des Schlosses Miel in Swisttal. Den Applaus genoss das kleine Shetland-Pony, ein Tigerschecke, in vollen Zügen.

Der "Klitzekleine Onkel" zog einen Governess Cart, ein zweirädriges Fuhrwerk mit Heckeinstieg, hinter sich her. Ein Fahrzeug, das im vergangenen Jahrhundert ein Kinderfräulein für Fahrten mit seinen Schützlingen benutzte. Gekleidet wie eine britische Nanny dirigierte Susanne Schütterle aus Alfter ihr Shetty, vor sich im Blick ihre Töchter Carlotta und Henriette. Sie nahmen teil an der fünften Burgenfahrt des Fahrsport-Clubs Hubertushof Euskirchen.

Zum 20-jährigen Bestehen des Vereins hatten sich die Mitglieder um den ersten Vorsitzenden Heinz-Otto Althausen etwas Besonderes einfallen lassen. Denn statt nur an einem Tag trafen sich die Besitzer stilechter Traditionsgespanne zwei Tage lang in Swisttal, um zeit- und stilecht durch die Region zu kutschieren. Start für ihre Ein-, Zwei- oder Vierspänner war stets das Gut Hohn. Ging es am Samstag mit 13 Teilnehmern noch in kleiner Runde zu einer Picknicktour à la 19. Jahrhundert nach Gut Capellen, so fuhren am Sonntag 25 Kutschen, Landauer, Phaetons, Waggonnetten oder Dos à Dos in einem Radius von 25 Kilometern bei Burg Morenhoven, Schloss Miel und Gut Capelllen vor.

Manche der Kalt- oder Warmblüter irritierte der Applaus der zahlreichen Zuschauer bei der Präsentation in Schloss Miel. Aber Claudia Grund aus Alfter hatte ihren Haflinger Anton im Griff. Sie fuhr eine Waggonette, einen vierrädrigen Wagen ohne Verdeck mit zwei Sitzbänken in Längsrichtung. Sie liebe das Kutschieren und habe Anton selbst zum Reit- und Fahrpferd ausgebildet, sagte sie.

Begeistert zeigte sich auch der Swisttaler Michael Rheindorf. Ihm gehören gleich sieben Kutschen. Mit dem Stanhope Phaeton, die die Freiberger Axel und Selina zogen, war er in Miel dabei. "Ich wollte heute einmal englisch fahren", schmunzelte Rheindorf, der wie Beifahrerin Susanne Haiminger entsprechend gekleidet war. Sein Wagentyp ist ein klassischer Selbstfahrer. Die Vordersitze sind komfortabel und mit einem Verdeck ausgestattet, die für die Bediensteten bestimmten Rücksitze sind viel einfacher gehalten. Ihm gefalle das Kutschieren viel besser als das Reiten: "Als Kutscher fühlt man sich mit dem Tier eher als Team."

Welcher Wagentyp in welchem historischen Zusammenhang zu sehen ist, das erläuterte Fachmann Heinrich-Hermann Hansmeier. Er restauriert und verkauft selbst antike Kutschen und erstellt Expertisen. Mit Liebe zum Detail erläuterte Hansmeier die Nuancen und die der Sicherheit geschuldeten Veränderungen wie Bremsen und Beleuchtung an den verschiedenen Gespannen. Die Teilnehmer, die meistens aus der näheren Umgebung von Bonn, Köln, Zülpich kamen, waren durchwegs mit der Fahrstrecke hochzufrieden. "Beide Tage haben mir die Wege und die Beschriftungen bestens gefallen", meinte Roland Schupp aus Wissen/Sieg. "In diesem Jahr hatten wir auch mehr Zuschauer", so Althausen.