Morenhovener Kleinkunstpreis

Bernhard Hoëcker bekommt die Lupe

Bernhard Hoëcker ist Schauspieler, Moderator und Komiker. Bekannt wurde er durch die Fernsehsendung „Switch“.

Bernhard Hoëcker ist Schauspieler, Moderator und Komiker. Bekannt wurde er durch die Fernsehsendung „Switch“.

SWISTTAL-MORENHOVEN. Der Bonner Comedian Bernhard Hoëcker wird am 18. November mit der 29. Morenhovener Lupe ausgezeichnet. Er folgt auf Jürgen Beckers (Jürgen B. Hausmann).

Mal angenommen, Bernhard Hoëcker wäre eine Figur in einem Comic – dann müsste man für die Sprechblasen wohl ein paar Seiten ringsum drankleben, um auch nur ansatzweise wiederzugeben, was sich da hinter dieser Stirn so alles tut. Der Bonner Comedian genießt eben den Ruf, alles wissen zu wollen. Und was er selbst noch nicht so ganz verstanden hat, das erklärt er zumindest schon mal. Vielleicht fällt ihm währenddessen eine Lösung ein? Möglich wär's. Unterhaltsam ist es in jedem Fall. Wovon sich die Zuschauer im Morenhovener Kreaforum am Freitag, 18. November, selbst überzeugen können. Denn an diesem Abend wird Hoëcker mit der 29. Morenhovener Lupe ausgezeichnet und bei dieser Gelegenheit beantworten, wonach wir eigentlich schon immer fragen wollten.

Wobei es auch über ihn einiges zu wissen gibt. Zum Beispiel, dass die beiden Punkte in seinem Familiennamen weniger einer französischen, wallonischen oder sonstwo verorteten Herkunft zuzuschreiben sind, sondern ganz pragmatisch gesetzt wurden, um bei der Aussprache o und e zu trennen. Dass Bernhard Hoëcker am 20. März 1970 in Neustadt an der Weinstraße geboren und in Frankfurt aufgewachsen ist, bevor seine Familie in Bonn Wurzeln schlug. Dort, wo er auch heute lebt – inzwischen mit Frau und zwei Töchtern.

Interessant könnte zum Beispiel auch sein, dass er 1996 nach dem Vordiplom in Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn den Blick schweifen ließ, um schließlich eine ganz andere Richtung einzuschlagen: bestärkt von den ersten Bühnenerfahrungen, die er bereits während des Studiums und zusammen mit den Freunden Bastian Pastewka, Keirut Wenzel und Oliver Bröker – alias „The Comedy Crocodiles“ – gesammelt hat. Von 2001 bis 2003 gehörte er zum Ensemble des Springmaus Improvisationstheaters – wahrlich nicht die schlechteste Schule, um Witz, Einfallsreichtum und Schlagfertigkeit auszubauen und gleich 1:1 auf der Bühne in Endenich am Zuschauer zu testen.

Das hat Hoëcker übrigens mit Michael Müller gemeinsam – einem seiner Team-Kollegen des Fernsehformats „Switch“, das ebenso treffsicher und gnadenlos alles durch den Kakao zieht, was in den vergangenen Jahren über bundesdeutsche Mattscheiben geflimmert ist. Ob als Gottschalk-Parodie (Servus … ja mei, Servus) oder nächtliche Heimsuchung in „Paranormal Activity“, ob als Aiman Abdallah aus dem Wissenschaftsmagazin „Galileo“, ob in „Leschs Kosmos“ oder als Moderator Ralph Caspers von „Wissen macht Ah“: Hoëcker ist der Vielseitige, der Wandelbare und der Neunmalkluge aus lauter Lust und Laune. Wofür man sich eben auch entscheiden kann, wenn das Gehirn ständig nach Futter verlangt und eine Körpergröße von 1,59 Meter eine Karriere als strahlender Prince Charming oder Furcht einflößender Schwertkämpfer à la „Game of Thrones“ eher ausschließt.

Macht nichts: Eloquenz, Intelligenz und (Selbst)Ironie punkten auch so. Gelegentlich neigt Herr Hoëcker zwar zu destruktivem Verhalten, wie er in dem ZDF-Sommerprogramm „Nicht nachmachen“ 2012 und 2013 gemeinsam mit Comedy-Kollege Wigald Boning bewies. Wobei nach dem von Hoëcker bevorzugten Hardrock im Vorspann (Live And Let Die, Guns N' Roses) Konservendosen auf der Herdplatte explodieren, ein Badezimmer komplett geflutet oder ein Außenbordmotor als Küchenrührgerät zweckentfremdet wurde.

Doch inzwischen lässt er es in der Quizshow „Wer weiß denn sowas?“ deutlich ruhiger angehen. Das heißt, wenn er nicht selbst gerade live und in Farbe auf der Bühne steht – um ein Soloprogramm wie „WikiHoëcker!“ (2012) zu spielen oder aus seinen „Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers“ (2007) zu lesen. Wobei das Wort Lesen in seinem Fall einer groben Untertreibung gleichkommt.

Eines aber braucht er sich am 18. November in Morenhoven nicht sagen zu lassen: „Hoëcker, Sie sind raus!“ Das galt vielleicht noch zu Zeiten von Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen und war mit dickem Augenzwinkern auch der Titel seines ersten Bühnensolos 2005. Nunmehr elf Jahre später sollte man sich schon gut überlegen, ob man den Mann mit den imaginären Sprechblasen überm Kopf zum Rateduell herausfordert. Obwohl . . . auf einen Versuch käme es an.

So verspricht die Verleihung der Lupe ein interessanter und lehrreicher Abend zu werden. Zweifelsohne der Höhepunkt der Saison, die mit einigen guten „Bekannten“ wie Uli Masuth, Matthias Brodowy, Knacki Deuser, Nepo Fitz und Axel Pätz aufwartet. Mit Chansons der Piaf, mit jeder Menge „Emfatih“ und zwei Blödelbarden, die alle noch kennen dürften, die im den 70er Jahren jung (genug) waren. Nicht zu vergessen natürlich den fulminanten Schlusspunkt des Jahres 2016, den das „Schlachtplattenensemble“ mit Robert Griess und Jens Neutag, dem Duo Onkel Fisch und Maria Grund-Scholer am 8. Januar setzt.

Das Programm: Übersicht der Termine vom 14. Oktober bis 8. Januar 2017 unter www.morenhovener-kabarett-tage.de. Der Online-Kartenvorverkauf beginnt dort am 1. September.