Friedwald in Swisttal-Heimerzheim

BUND mahnt vor Gefahr für Greifvögel

Die Bestattung in einem Friedwald wie hier in Heiligenberg, Baden-Württemberg, könnte in Zukunft auch in Heimerzheim möglich werden.

SWISTTAL-HEIMERZHEIM. Ob und - wenn ja - wann ein Friedwald im Park von Burg Heimerzheim realisiert werden kann, ist offen. Wie Katja Eschmann, Pressesprecherin des Rhein-Sieg-Kreises, auf Anfrage mitteilte, seien zwischen den Verfahrensbeteiligten noch Gespräche zur Abstimmung vorgesehen.

Zudem stünden noch einige Stellungnahmen aus, zu denen das Ordnungsamt des Kreises als Genehmigungsbehörde alle am Verfahren zu beteiligenden Stellen aufgefordert habe.

Wie berichtet, ist in dem Park von Burg Heimerzheim ein kommunaler Beerdigungswald, ein sogenannter Friedwald, geplant, in Trägerschaft der Gemeinde Swisttal in Kooperation mit der Verwaltung Freiherr von Boeselager und betrieben von der Firma Friedwald GmbH. Bei dem Gelände handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Gesamtensemble aus historischer Burganlage samt Wassergraben mit einem rund 40 Hektar großen, historisch entwickelten Landschaftspark.

Nicht nur die Untere Landschaftsbehörde und der Landschaftsbeirat stehen dem Projekt Friedwald im Burgpark positiv gegenüber, sondern auch die Swisttaler Ratsfraktionen und Bürgermeister Eckhard Maack (der GA berichtete). Naturschutzverbände wie der Swisttaler Naturschutzverein "Rettet Bäume & Biotope" und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hingegen nicht.

Achim Baumgartner, Kreisgruppensprecher des BUND Rhein-Sieg, argumentiert unter anderem mit einem Widerspruch zwischen der Nutzung des Parks als Friedwald und dem Naturschutzgebiet mit den Schutzschwerpunkten Fledermäuse und Altholz sowie Greifvögel. "Greifvögel sind extrem störanfällig an ihren Horstplätzen. Die müssten gesichert werden." Baumgartner sieht ein Problem darin, dass die Bestattungen nicht an Bäumen entlang der Wege, sondern "an Bäumen in der Fläche" vorgenommen werden sollen. Es sei kein Konflikt, an den Wegen Totholz zu entfernen, aber: "Es geht nicht, dass künstlich ein Gefährdungspotenzial auf das ganze Gebiet ausgedehnt wird."

Die Fläche ist im Landschaftsplan 4 "Rheinbach, Meckenheim, Swisttal" des Kreises als Landschafts- und Naturschutzgebiet sowie teilweise als flächenhafter Landschaftsbestandteil festgesetzt. Deshalb hänge die Genehmigungsfähigkeit entscheidend von naturschutzfachlichen Aspekten ab, so Kreis-Sprecherin Eschmann. "Der Fall ist ein wenig exotisch, da das Gelände einerseits Naturschutzgebiet ist, auf der anderen Seite aber auch ein Parkgelände mit Pflegebedarf", erläutert sie.

Die Untere Landschaftsbehörde des Kreises stehe dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber, weil in einem Friedwald zum Beispiel der Schutz der alten Bäume gut gewährleistet werden könne. Allerdings sei noch eine umfassende Prüfung notwendig, auf welche Weise sich dies "rechtlich optimal" realisieren lasse. Denkbar wäre einerseits eine Ausnahmegenehmigung für das Naturschutzgebiet, andererseits aber auch eine Anpassung der Schutzkategorie an die Bedürfnisse des Parkes.

Für Eigentümer Paul von Boeselager und Senior Antonius von Boeselager steht fest: Wenn das Projekt "nicht konstruktiv vorangebracht" werden könne, müsse entweder der Park für die Öffentlichkeit gesperrt oder eine große Zahl von Bäumen, von denen eine Gefährdung ausgehe, gefällt werden. "Dann wäre es sicher auch kein Park mehr", so die Eigentümer. Nach über Jahre hinweg "unterlassener Pflege", wie Paul von Boeselager sagte, hätten sich alte Bäume zu einem Sicherheitsrisiko entwickelt. "Das Risiko können wir als Eigentümer nicht tragen", so Paul von Boeselager.

Mit der Idee, dort einen Friedwald einzurichten, solle ein Angebot an die Allgemeinheit gemacht werden, indem die bisherige forstliche Nutzung eingestellt und stattdessen der Park für hundert Jahre durch die Eigentümer gepflegt werde. In einem mit "Gutachtern nach erfolgter Bestandsaufnahme von Flora und Fauna erstellten Konzept sei detailliert festgelegt, was im Park passieren und wie die Bäume gepflegt werden sollen. Dabei werde besonders auf den Schutz von gefährdeten Tierarten geachtet. "Die Nutzung als Friedwald wird die gefährdeten Arten nicht beeinträchtigen", bekräftigen Paul und Antonius von Boeselager.