Energiewende

Bürger fordern mehr Abstand

05.12.2012 SWISTTAL. Windkraftanlagen in Swisttal: Gruppierungen sorgen sich um Auswirkungen von Infraschall

Kann der Schutz des "Roten Milan" wichtiger sein als der Schutz des Menschen? Kann es deshalb richtig sein, bei der Planung von Windkraftanlagen Siedlungsgebieten des "Roten Milan" einen Mindestabstand von 1500 Metern zuzugestehen, Wohnsiedlungen von Menschen aber nur 900 Meter, Einzelgehöften gar nur 500 Meter?

Diese und ähnliche Fragen zu den so genannten Suchräumen für die Ansiedlung von Windkraftanlagen in Swisttal haben jetzt Bürger aus Dünstekoven und Heimerzheim veranlasst, sich zusammenzutun. Am Dienstagabend trafen sie sich zudem mit Vertretern der Bürgerinitiative "Lebenswertes Swisttal".

Beide Gruppierungen setzen nicht auf Konfrontation, sondern auf Kooperation und Information. "Wir wollen konstruktiv mitarbeiten und unseren guten Wissensstand dem Rat und der Verwaltung mitgeben", sagte Joachim Güttes von "Lebenswertes Swisttal". Der Initiative von Dünstekovener und Heimerzheimer Bürgern gehe es auch nicht um eine Aktion gegen Windkraft oder "Windkraft ja, aber nicht vor meiner Haustür".

"Es geht uns darum, Standorte für die Anlagen zu finden, die in vernünftigem Abstand zu den Wohnbereichen liegen", erklärte Andreas König aus Dünstekoven. Wie berichtet, haben die Planer entlang der A 61 drei Zonen für Suchräume mit Priorität 1 gekennzeichnet, die näher untersucht werden sollen. Weitere Suchräume der geringeren Priorität 2 schließen jeweils daran an.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage des Mindestabstands von Windkraftanlagen. Bei den jetzigen Suchräumen sei der von Fachleuten empfohlene Mindestabstand von 2000 Metern nicht gegeben, zu Dünstekoven seien es nur 900 Meter, bei einzelnen Höfen weniger als 500 Meter.

Wie Jürgen Funke, Fachgebietsleiter Gemeindeentwicklung, auf Anfrage bestätigte, sei bei den Untersuchungen ein Radius von 900 Metern über Ortslagen und von 500 Metern über Einzelgehöfte gelegt worden. Kurt Messer von "Lebenswertes Swisttal" hat dazu eine ganz klare Position: "Der 900-Meter-Abstand ist weder rechtlich haltbar noch moralisch vertretbar. Die Hauptgefahr ist der Infraschall, den man gar nicht hört. Man kann sich nicht davor schützen, nicht durch Mauern und nicht durch Dreifach-Verglasung. Nur mit höherem Abstand."

Messer führte Studien an, nach denen Infraschall zu Abgeschlagenheit, Leistungsverlust, Kopfschmerzen, Depressionen oder Mikrorissen im Gehirn führen könne. Empfohlen werde ein Mindestabstand von zehn Mal so viel wie der Höhe der Anlagen, bei 200 Metern Höhe also mindestens 2000 Meter. Diese Grenze gebe es in NRW nicht, und in Swisttal sei sie nicht einzuhalten.

Die Bürgergruppen wollen ein schriftliches Gutachten zum Infraschall verlangen. Laut Funke wird im Nachgang zur Info-Veranstaltung in Heimerzheim am 9. Dezember ein Fachgutachter von der Gemeinde damit beauftragt.

Dünstekovens Ortsvorsteher Jakob Zimmer will alle Fragen der Bürger in die politischen Beratungen einbeziehen. Allerdings warnte er: "Es ist ein schmaler Grat zwischen bestehenden Gesetzen und Verhinderungspolitik. Um das Heft des Handelns in der Hand zu halten, müssen Flächen ausgewiesen werden." Die Initiativen wollen bis zur Frist 18. Dezember bei der Offenlage ihre Argumente bei der Gemeinde einreichen. (Gerda Saxler-Schmidt)