Naturschutz in der Region

Auf der Suche nach der Fledermaus

Die Fledermaus fliegt mit den Fingern.

Die Fledermaus fliegt mit den Fingern.

Swisttal-Dünstekoven. Nabu-Experte Olag Stümpel bietet mehrmals im Jahr Fledermaus-Exkursionen an. Am Donnerstag ging es mit einem nächtlichen Ausflug zu den Dünstekovener Tümpeln los. Die fliegenden Säugetiere sind an ihrem Echolot erkennbar.

Sie fliegen mit den Händen, sehen mit den Ohren und schlafen mit dem Kopf nach unten: Fledermäuse gibt es seit 50 Millionen Jahren und sie sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Man möchte sagen: komische Zeitgenossen. Die Populationen der Tiere gehen seit Langem immer mehr zurück. In Deutschland brachen die Bestände schon in den 50er Jahren dramatisch ein. So gibt es weltweit nur noch rund 1000 verschiedene Arten, von denen im Bundesgebiet 24 und in Bonn und der Region rund 17 heimisch sind.

Auf die Suche nach den nachtaktiven Jägern machten sich denn auch am Donnerstag um die elf Naturfreunde unter der Federführung des Bonner Nabu-Kreisverbandes und auf Initiative der Volkshochschule Voreifel. Mit Informationen und Geschichten rund um die Fledermaus startete Nabu-Experte Olaf Stümpel in einen Abend der besonderen Exkursion. „Bonn ist mit den verschiedenen Arten an Fledermäusen gut vertreten. Doch auch hier werden die Lebensbedingungen für die Tiere immer schwieriger. Gut isolierte Häuser mit gedämmten Außenwänden und Rollos bieten den Tieren keine Möglichkeiten mehr, sich zu verstecken“, erklärte Stümpel.

Gefährdet sind die Tiere in ihren Beständen, aber auch durch in der Landwirtschaft verwendete Gifte und die falsche Bewirtschaftung der Wälder, in denen man kaum noch alte Bäume und stehendes Totholz findet. Dabei schwindet auch die Nahrungsgrundlage der Tiere zusehends, da die industrialisiere Landwirtschaft immer weniger Lebensraum bietet und die fliegenden Säugetiere dadurch weniger Beute finden. „Dabei sind Fledermäuse große Insekten- und manchmal auch Schädlingsvernichter“, sagte der 47-Jährige.

Winterschlaf im Herbst

Drei bis vier Mal im Jahr bietet der Bonner gemeinsam mit dem Nabu Fledermaus-Exkursionen an, denn die Tiere gehen im Oktober/November – je nach Kälte – in den Winterschlaf. Manche fliegen Richtung Süden, andere wiederum auch nur bis Mayen, „da es dort Höhlen gibt, in denen sie sich aufhalten können“, erklärte Stümpel.

Jochen Stiewe und seine Frau Ina Berghoff waren mit den neunjährigen Zwillingen Karl und Konrad eigens aus Bonn zur Dünstekovener Naturschutzstation gekommen, um die „Nachtschwärmer“ einmal mit eigenen Augen zu sehen. „Fledermäuse finde ich einfach cool. Besonders die Art zu fliegen. Sie lassen sich erst einmal fallen, bevor sie loslegen“, erzählte Konrad fachmännisch. Ein Spiel verdeutlichte den Teilnehmern, wie Fledermäuse in der stockdunklen Nacht auf Beutefang gehen. Denn ein jagderfahrenes und erfolgreiches Tier kann in einer Nacht – von der Abend- bis zur Morgendämmerung – bis zu 4000 Mücken verspeisen.

Nabu-Initiative für Schutz der Fledermäuse

Die Geräusche bei der Ortung der Beute und zur Orientierung konnten die Teilnehmer mit Hilfe eines Detektors mitverfolgen. Schon nach den ersten Schritten Richtung Dorf wurden die Fledermaus-Detektive fündig. Kleine Silhouetten waren am Himmel zu sehen, dann waren leise Stakkato-Töne zu hören: Es war die mit rund zwölf Zentimetern (sie passen mit eingeklappten Flügeln in eine Streichholzschachtel) kleinste Fledermausart, die sogenannte Zwergfledermaus. Noch erfolgreicher war der Fund am Teich von Gut Capellen. Denn dort befanden sich nicht nur die Wasserfledermäuse in einer Flughöhe von 30 bis 40 Zentimetern über dem Wasser. Beobachtbar waren auch die großen Abendsegler, die sich in Höhe der Baumwipfel ihre Mahlzeit erjagten.

„Die Exkursion war erfolgreicher als ich gedacht habe. Es herrschte eine regelrechte Forscher-Atmosphäre“, freute sich Stümpel. Um gegen den Rückgang der Fledermäuse vorzugehen, hat der Nabu Deutschland 2013 das Projekt „fledermausfreundliches Haus“ ins Leben gerufen. Da können sich Hauseigentümer, die den Tieren „Wohnmöglichkeiten“ bieten und Fledermauskästen aufhängen, vom Naturschutzbund zertifizieren lassen.