Historisches Gebäude "Untere Erft"

Alter Getreidespeicher mit Zukunft

Tag des offenen Denkmals Untere Erft: Viele Gäste nutzten die gelengenheit das Lagerhaus der Genossenschaft Untere Erft zu besichtigen...

Tag des offenen Denkmals Untere Erft: Viele Gäste nutzten die gelengenheit das Lagerhaus der Genossenschaft Untere Erft zu besichtigen...

Swisttal-Heimerzheim. Das Gebäude „Untere Erft“ in Heimerzheim dokumentiert einen Teil der örtlichen Geschichte. Der Förderverein „Haus der Swisttaler Geschichte“ gründete sich mit dem Ziel, das Gebäude und die verbliebenen Gerätschaften als historische Überreste zu bewahren.

Eine alte Arbeiterschürze hängt noch im Eingangsbereich, Transportrohre, eine Saatgut-Beize und kleine Silos: Der alte Getreidespeicher „Untere Erft“ an der Kölner Straße in Heimerzheim soll wieder hergerichtet werden. Mancher Heimerzheimer kennt den Betrieb des Landhandelsgebäudes noch aus seiner Kindheit. 1900 von Gerhard Wirtz erbaut, gelangte das Gebäude nach einer wechselvollen Geschichte 1987 in den Besitz der Gemeinde Swisttal.

Die Kommune baute das Betriebsgelände zurück und erneuerte das Dach, das Gebäude blieb jedoch bis 2016 weitgehend ungenutzt. Im März dieses Jahres gründete sich schließlich der Förderverein „Haus der Swisttaler Geschichte“ mit dem Ziel, das Gebäude und die verbliebenen Gerätschaften als historische Überreste zu bewahren. Zur Erarbeitung eines Nutzungskonzepts hat die Gemeinde Swisttal für 2016 und 2017 insgesamt 40 000 Euro als Haushaltsmittel bereitgestellt. „Das ist immer noch wenig, denn wir müssen auch Gutachter beauftragen, die zum Beispiel die Bautechnik überprüfen“, erklärt Georg Schmidberger, Schatzmeister des Fördervereins.

Auch wenn es im Außenbereich keine der erst in den 50er Jahren gebauten Getreidesilos mehr zu sehen gibt, verschiedene Fördereinrichtungen und die Außenrampe durch die Gemeinde abmontiert wurden – im zweistöckigen Gebäude befindet sich noch jede Menge originaler Technik. Der Getreidehandel bildete das Kerngeschäft der Firma Wirtz und ihrer Nachfolger. Zum Vertriebsgeschäft gehörten zudem auch Saatgut, Düngemittel und Brennstoffe. Den meisten Umsatz brachte jedoch der Getreidehandel. Bis heute sind im Lagergebäude mehrere eingebaute Holzsilos sowie Getreideförderanlangen, sogenannte „Elevatoren“, ähnlich einem Becher-Schöpfwerk, zu sehen.

Bei Gerhard Wirtz, dem auch die nebenan liegende Gastwirtschaft, die heutigen Klosterstuben gehörten, lieferten die Bauern aus Heimerzheim und den umliegenden Dörfern Gerste, Weizen und Roggen ab. Direkt bei der Anlieferung kam das Getreide in „Eingangssilos“, die unterhalb des Kellers noch unverändert zu sehen sind. Dann wurde das Korn in „Chargensilos“ geschüttet, von dort gelangte es per Förderschnecke in Metallsilos im Außenbereich.

Eine Beize, die das Saatgut gegen Schädlinge und Pilze behandelte, steht im ersten Stock. Ein bestimmter Teil der Ernte wurde nämlich als Saatgut im kommenden Jahr verwendet und wurde deshalb vorher „gebeizt“, also von Fremdkörpern gereinigt. „Damit das Getreide dann erkennbar war und nicht als Lebensmittel Verwendung fand, wurde es dann noch mit einem Rotton eingefärbt“, erklärt Schmidberger. Die Lieferung ihres Getreides war für die Bauern stets mit einer Wartezeit verbunden. „Der eine oder andere nahm dann auch schon einmal nebenan flüssige Nahrung zu sich“, erzählt Schmidberger schmunzelnd.

Das Unternehmen an der Kölner Straße lag bis zum Jahr 1954 in den Händen der Familie Wirtz. Nach mehreren Besitzerwechseln pachtete von 1965 bis 1987 die Landwarengenossenschaft „Untere Erft“ den Heimerzheimer Landwarenhandel vom damaligen Besitzer Adolf Hambach. Trotz Rückzug der Bliesheimer Genossenschaft aus dem Swisttaler Ortsteil ist der Name „Untere Erft“ mit dem Gebäude eng verbunden.

Schmidberger und seine Mitstreiter im Förderverein wollen mit dem „Haus der Swisttaler Geschichte“ das kulturelle und materielle Erbe der Gemeinde ortsnah bewahren. Wie das Innere des Gebäudes umgestaltet werden kann, steht noch nicht fest. Der Förderverein möchte in Kooperation mit der Gemeinde einen Architektenwettbewerb ausschreiben, an dem sich Studenten mehrerer Universitäten, zum Beispiel auch die der Alanus Hochschule, beteiligen sollen.

„Die Innengestaltung soll im Jahr 2019 abgeschlossen sein. Dann wird die Gemeinde 50 Jahre alt“, hofft der Schatzmeister des Fördervereins.