Interview mit Prinzessin aus Singapur

„Karneval ist ein sehr schönes Get-together“

Begeisterung für den rheinischen Karneval, insbesondere für den Heimerzheimer, hat einen Namen: Prinzessin Fadzlun I. (Sapandi).

Begeisterung für den rheinischen Karneval, insbesondere für den Heimerzheimer, hat einen Namen: Prinzessin Fadzlun I. (Sapandi).

Swisttal-Heimerzheim. Gespräch am Wochenende: Fadzlun Sapandi aus Singapur wird Prinzessin in Heimerzheim. Mit einem „Bützje“ vom Bonner Prinz Holger I. wurde der Karnevalsvirus "übertragen".

Groß ist die Freude bei den Heimerzheimer Jecken: Mit viel Sonnenschein starteten sie in die jecke Session. Denn „Sonnenschein“ lautet übersetzt der Name von Fadzlun Sapandi aus Singapur, die in der kommenden Session als Prinzessin Fadzlun I. in Heimerzheim regieren wird.

Hatten Sie überhaupt eine Vorstellung vom Karneval, bevor Sie nach Deutschland kamen?

Fadzlun Sapandi: Nein, ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon. Zu uns nach Singapur kommen nur Berichte über den Karneval in Brasilien und den Christopher Street Day in Köln, der ja doch etwas anderes ist. So dachte ich, dass der rheinische Karneval ähnlich ist wie der brasilianische.

War denn Ihr erstes hautnahes Karnevalserlebnis nicht so etwas wie ein Kulturschock? Oder ist der Karnevalsfunke gleich übergesprungen?

Sapandi: Ja, es war tatsächlich ein richtiger Schock, aber ein sehr, sehr positiver, eine Faszination. Ich habe es vom ersten Moment an unglaublich geliebt, diese Leichtigkeit, diese Art des gemeinsamen Feierns. Man kann anziehen, was man will und man wird nicht danach beurteilt, wie man sich kleidet oder welches Kostüm man trägt. Man geht einfach zur Party und hat Spaß. Aber es ist nicht einfach nur Party, es hat eine größere Bedeutung. Es bringt Menschen auf eine besondere Art zusammen, die Spaß macht, es ist ein besonderer Spirit, wie man sagt. Mein erster Karneval in Deutschland begann damit, dass in unserem Büro die Frauen den Männern die Schlipse abschnitten. Dann gab es eine große Party. Als ich wusste, dass Prinz Holger I. und seine Bonna Alexandra II. zu uns in den Post-Tower kommen würden, wollte ich unbedingt in der ersten Reihe stehen. Und das habe ich tatsächlich geschafft. Das Beste: Ich bekam mein erstes „Bützje“. Das war einfach wunderbar. Und da war der Funke restlos übergesprungen.

Wie haben Sie denn bisher Karneval gefeiert, seit Sie in Bonn sind, und was gefällt Ihnen besonders am rheinischen Karneval?

Sapandi: Ich habe hier meinen jetzigen Mann Peter kennengelernt, der auf dem Dorf in Heimerzheim lebte. Ich kam aus einer lauten Großstadt und dann in diese wundervolle Ruhe. Ich habe es sofort geliebt, hier auf dem Dorf zu leben. Ein Cousin meines Mannes war schon hier in einer Gruppe, „De Schwaatschnüsse“, die jedes Jahr im Karnevalszug mitging. Als ich gefragt habe, ob wir auch mitgehen können, haben sie gleich Ja gesagt. Seitdem sind wir jedes Jahr auf dem Wagen der „Schwaatschnüsse“ mit dabei, in den jeweiligen Kostümen. Was mir gefällt, ist nicht nur der Zug selbst, es sind besonders auch die Vorbereitungen. Das ist ein sehr schönes Get-together-Event. Es wird über Wochen alles selbst gemacht, es wird gemeinsam am Wagen gepinselt, gemeinsam dekoriert, man kommt zusammen, kommt ins Gespräch und hat Spaß.

Kleine Mädchen wollen ja immer gerne Prinzessin sein. Ist das jetzt Ihr wahr gewordener Prinzessinnen-Traum?

Sapandi: Ein bisschen vielleicht. Aber ich wollte nicht irgendeine Prinzessin sein, sondern es sollte ein Sinn dahinter stehen. Ich sehe meine Rolle als Prinzessin auch als Repräsentantin meines Heimatdorfes Heimerzheim, dem ich so etwas zurückgeben kann, ich würde das nicht an einem anderen Ort machen wollen. Heimerzheim hatte ein paar Jahre keine Tollitäten, das fand ich traurig. Dieses Jahr ist es für uns günstig, weil mein Mann in Elternzeit ist und meine Schwiegereltern uns unterstützen und die Betreuung unserer kleinen Tochter Martina übernehmen. Wir haben überhaupt viele wundervolle Menschen, die uns unterstützen, unsere Adjutanten, die KG, die Ehrengarde, Freunde und Verwandte.

Höflicherweise wird ja immer die Frau vor dem Mann angesprochen. Im Karneval ist das umgekehrt. Stört Sie das nicht als emanzipierte Frau?

Sapandi: Nein, überhaupt nicht. Der Prinz hat im Karneval die zen-trale Rolle. Und hinter jedem charmanten Prinzen steht eine ebenso charmante Prinzessin.

Was hat denn Ihre Familie in Singapur gesagt, als Sie von Ihrem Plan, mit Ihrem Mann Prinzenpaar zu werden, gehört haben?

Sapandi: Die waren überhaupt nicht überrascht. Auch meine Kollegen haben es nicht anders erwartet. Ich hatte sie ja vorher schon angesteckt mit meiner Karnevalsliebe. Jedes Jahr kommen einige meiner Familienangehörigen aus Singapur und Malaysa, um hier mit uns Karneval zu feiern. Und von meinen DHL-Kollegen aus aller Welt waren schon einige mit auf dem Wagen, Kollegen aus Schweden, aus England, aus Australien und aus Irland. Dieses Jahr werden ungefähr 20 Verwandte und Kollegen dabei sein, um mit uns Karneval zu feiern.

Haben Sie schon rheinische Spezialbegriffe für Karneval geübt?

Sapandi: Ja, ein paar kann ich schon: „bütze“, „Dreimal Alaaf!“ Und „Alaaf-Rückhol-Bändchen“.

Hat Ihre kleine Tochter schon verstanden, dass Mama und Papa Prinzenpaar werden?

Sapandi: Nein, dafür ist sie mit ihren erst zwei Jahren noch zu klein. Meine Schwiegereltern werden sie aber mitnehmen zu unserer Vorstellung im Ornat, solange sie durchhält und ihr das Spaß macht, mal sehen, was sie dann sagt.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Sapandi: Zuallererst auf die Kinder im Kindergarten, gleich danach auf die Senioren in der Seniorenresidenz. Und natürlich auf meine Kollegen im Post-Tower. Und auf die vielen fröhlichen Menschen beim Zug und den vielen Veranstaltungen, bei denen wir unser Heimatdorf Heimerzheim repräsentieren werden. Wir werden auch Pflichten haben, aber ich bin Stress durch meinen Beruf gewohnt. Wir werden viele tolle Momente haben. Aber da wäre noch ein Wunsch übrig: eine Einladung nach Berlin zum Prinzenempfang bei Angela Merkel.