Kunst aus Swisttal-Odendorf

Über das ewige Streben

Ute Brockhausen hatte schon als Kind künstlerische Ambitionen, aber zu ihrer Passion fand sie erst spät im Erwachsenenalter. Hier zeigt sie ein Werk, das eine Waldstimmung thematisiert.

Ute Brockhausen hatte schon als Kind künstlerische Ambitionen, aber zu ihrer Passion fand sie erst spät im Erwachsenenalter. Hier zeigt sie ein Werk, das eine Waldstimmung thematisiert.

SWISTTAL-ODENDORF. Seit Kinderzeiten schlummerte die Passion fürs Malen in Ute Brockhausen. Doch es dauerte Jahrzehnte, bis sie sich dieser Kunstform hingab und sich damit einen langen Traum erfüllte.

Einem Samen gleich, der langsam in der Erde treibt, hat es bei Ute Brockhausen eine Weile gedauert, bis ihre Leidenschaft für das Malen erste Früchte trug. Eine Affinität sei immer da gewesen, sagt sie, doch es dauerte Jahrzehnte bis sie Zeit und finanzielle Sicherheit hatte, um sich professionell dem kreativen Schaffen hinzugeben. Heute ist die 77-Jährige ein gefragte Malerin, die auch über die Region hinaus ihre Bilder ausstellt. Aktuell kann man einige ihrer Werke im Pfarrzen-trum Odendorf besichtigen. Dort läuft zur Zeit die Ausstellung „NaturArt“, die sie gemeinsam mit Naturfotograf Paul Kornacker konzipiert hat. Ab dem 31. März ist die Ausstellung der Malerin und des Fotokünstlers im „Augustinum“, Römerstraße 118 in Bonn zu sehen.

Ute Brockhausen kam 1939 im Schatten des drohenden Zweiten Weltkrieges in Potsdam-Rehbrücke zur Welt. Ganz im Süden der ehemaligen Residenzstadt gelegen ist der kleine Ort Rehbrücke fast vollständig von Natur umgeben. Vielleicht war dies ein Grund für die enge Verbindung der Malerin zu naturverwobenen Themen und Motiven.

Im starken Kontrast zur friedlichen Idylle der Wald-, Seen- und Heidelandschaft brach Krieg im Geburtsjahr von Brockhausen aus. Sie wurde früh zur Vollwaisen und floh als 15-Jährige ins Rheinland nach Rodenkirchen. Es folgten Anstellung bei der Post, Familiengründung und ein gewagter Schritt: 1977 wanderte sie mit ihrem Mann und den zwei Söhnen nach Kanada aus.

Das Land mit seiner ursprünglichen Natur fasziniert sie noch heute. Während diese Verbindung Bestand hat, gab sie eine andere auf: Zusammen mit ihren Kindern kehrte sie schon nach einem Vierteljahr wieder nach Deutschland zurück. Der Bruch bedeutete vor allem aber einen Neuanfang. Sie entschied sich gegen ein Studium der Malerei und schrieb sich statt dessen zum Eurythmie-Studium an der Alanus Schule in Alfter ein. Mit etwas Glück, wie sie sagt, bekam sie fünf Jahre später, direkt nach Abschluss ihres Studiums, eine Stelle an einer nahen Waldorfschule. Dort ist die von ihr studierte Bewegungskunst ein Unterrichtsfach. Die kreative und künstlerische Ausrichtung der Waldorfschule förderte und verstärkte ihren Drang zum Malen. „Ich begreife das Leben als stetige Weiterentwicklung, dass man nie auslernt“, beschreibt Brockhausen ihr Lebensprinzip.

Im Jahr 1998 begann sie bei der Rheinbacherin Ronny Klinz in der Abendschule Aquarellmalerei zu lernen. Diese weiche und ästhetische Art der Malerei passte gut zum naturbegeisterten Malstil der damaligen Lehrerin. Nach vielen besuchten Ausstellungen und der ersten Vernissage der eigenen Bilder wollte die damals 60-Jährige ihr Spektrum weiter verbreitern. Eher zufällig lernte sie 2002 Gisela Dauster kennen, die sie zum Malen ins Kloster Schweinheim einlud.

Ute Brockhausen ist ein Mensch, der nichts erzwingen muss. Möglichkeiten ergeben sich ihr und erscheinen im Verlauf ihrer aktiven Entwicklung. Mit dem Beginn der Acrylmalerei im Kloster lernte sie dort nicht nur ein wesentliches Zentrum und inspirierenden Ort ihres Malerdaseins kennen, sie trat auch in einen Künstlerzirkel ein, der Weiterbildung, Inspiration und viele Möglichkeiten für sie bereit hält.

Seitdem Brockhausen 2003 nach 21 Jahren an der Waldorfschule in den Ruhestand ging, verbrachte sie viel Zeit mit der Malerei. Sie vollzog Sprünge in ihrer künstlerischen Entwicklung und wurde in den inneren Zirkel der Künstlergruppe „Atelier Kloster Schweinheim“ aufgenommen. Seit 2006 sind ihre Werke in vielen, verschiedensten Einzel-, gemeinschaftlichen und Dauerausstellungen zu sehen. Dabei bestechen ihre Bilder besonders durch ihre weiche, harmonische Komposition, die meist ohne harte Linien auskommt. Zarte Farben, die sie aus Acryl- oder Ölfarben mischt, trägt sie dünn bis transparent auf und schafft es so, ein Durchscheinen und „Übereinander“ in ihren Werken zu kreieren. Motive sind dabei überwiegend Naturbilder, die jedoch nicht kopiert abgebildet werden, sondern Emotionen widerspiegeln und Ausschnitte darstellen. So überträgt sie, lasierend und durch sehr dünnes Auftragen von verdünnter Farben, Stimmungen aus der Natur auf ihre Leinwände.

Informationen zur Person und Ausstellungen: www.ute-brockhausen.de