Projekt in Rheinbach

Zentrales Infozentrum für den gesamten Römerkanal geplant

RHEINBACH. Die technischen Bauten wie Brücken oder Aquädukte waren für die Römer auch ein Machtfaktor, auch auf diese Weise verschafften sie sich in den besetzten Ländern Respekt.

Denn gegen eine Macht, die in zehn Tagen eine Brücke über den Rhein bauen kann, begehrt man besser nicht auf. Das sagt Professor Klaus Grewe. Der Archäogole aus Swisttal-Morenhoven ist der Römerkanal-Experte schlechthin. Seit den 70er Jahren hat er jeden Meter der 95 Kilometer langen Wasserleitung, die von Nettersheim in der Eifel bis Köln führte, erforscht.

Die Essenz seiner Forschungen präsentiert er zurzeit in der Ausstellung "Wasser für Roms Städte" im Museum Römerthermen in Zülpich. Gerade jetzt, während der Landesgartenschau in der alten Römerstadt, besuchen viele Gäste der Stadt die Ausstellung.

Sie ist noch bis zum 12. Oktober in Zülpich zu sehen, 2015 im Römisch-Germanischen Museum in Köln und könnte ab 2016 als Dauerausstellung den Kern eines neuen Infozentrums Römerkanal bilden, das die Stadt im oder als Anbau am Himmeroder Hof einrichten will.

"Ein solches Infozentrum wäre eine weitere tolle Einrichtung für die Kulturstadt Rheinbach", sagt Bürgermeister Stefan Raetz. Die Stadt stehe hinter dieser "Erinnerung an den Römerkanal als größtem technischen Bauwerk der Römer nördlich der Alpen". Sein Ziel sei es, noch in diesem Jahr die Finanzplanung abzuschließen.

In dieser Frage sei er "in guten Gesprächen" mit dem Landschaftsverband Rheinland, der NRW-Stiftung und weiteren Stiftungen, denn die Stadt könne ein solches Projekt nicht bezahlen. Raetz hofft, dass 2015 die Grundsatzentscheidung für das Infozentrum gefällt werden kann, dann könne man 2016 an die Realisierung des Projekts gehen.

Der Bürgermeister sieht zwei räumliche Möglichkeiten für das Infozentrum: Einmal könnte es in einem Raum über dem Haus der Natur im Himmeroder Hof eingerichtet werden, die andere Variante wäre ein gläserner Anbau an den Hof, "wie ein Wintergarten", sagt Raetz, "städtebaulich reizvoller und finanziell günstiger". Über die Höhe der Gesamtkosten mochte der Bürgermeister noch keine Schätzung abgeben. Dazu sei es noch zu früh.

Die Idee, Rheinbach als Standort des Infozentrums zu wählen, stammt aus den Reihen des Freundeskreises Römerkanal. Die Stadt liegt auf halber Strecke der antiken Wasserleitung, die Köln ab dem Jahr 90 nach Christus mit 20 Millionen Litern Eifelwasser pro Tag zehn Mal mehr Trinkwasser pro Einwohner lieferte als den Kölnern heute zur Verfügung steht.

Grewe hat fünf Jahre an der Konzeption der Ausstellung gearbeitet. "Die Ästhetik der Aquädukte beeindruckt auch nach zwei Jahrtausenden noch", sagt er. "Die antiken Baumeister haben sie so kühn konstruiert, als wollten sie die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzen."

In der Ausstellung gibt er einen Einblick in die antike Bautechnik. Grewe stieß bei einer Ausgrabung in der Türkei auf einem Sarkophag auf die Darstellung einer mit Wasserkraft angetriebenen Doppelsteinsäge zum Zersägen vom Marmorblöcken. Diese Darstellung zeigt die erste Maschine in der Technikgeschichte, die eine rotierende Kraft in eine Hin-und-Her-Bewegung umwandelt.

Nach dieser Darstellung ließ Grewe ein Holzmodell bauen, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Um Unheil von der Quelle bei Nettersheim abzuhalten und dafür zu sorgen, dass sie nie versiegt, schmückten die Römer die Einfassung mit einem steinernen Medusenhaupt.

Auch dieses 1900 Jahre alte Kunstwerk wird in der Ausstellung gezeigt. Weiter präsentiert Grewe die Verwendung des Kalksinters aus dem Römerkanal auf Grabplatten oder in Sakralbauten wie in der Kathedrale von Canterbury.