120.000 Euro-Sanierung

Videoüberwachung soll Vandalismus in der Tomburg verhindern

Bauingenieur Josef Axer zeigt am Bergfried den charakteristischen Aufbau der Mauern mit einer Innen- und Außenmauer, die von Unbekannten mit minderwertigen Material verfüllt wurde. FOTO: AXEL VOGEL

Bauingenieur Josef Axer zeigt am Bergfried den charakteristischen Aufbau der Mauern mit einer Innen- und Außenmauer, die von Unbekannten mit minderwertigen Material verfüllt wurde. FOTO: AXEL VOGEL

Rheinbach. Für 120 000 Euro wird die Tomburg in den nächsten Monaten saniert. Um Vandalismus in Zukunft zu verhindern, denkt Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz über neue Sicherungsmaßnahmen nach.

Wie berichtet, startet Anfang September ein vergleichsweise groß angelegtes Sicherungsprojekt an der Ruine der Tomburg: Für rund 120 000 Euro, von denen 50 Prozent die Deutsche Denkmalstiftung übernimmt, sollen im Bereich des Bergfrieds alte Mauern gesichert beziehungsweise erstmals ein Stück weit neu aufgemauert werden.

Die Frage ist nur: Lohnt die aufwendige Arbeit einer Spezialfirma aus Wismar unter Leitung des Rheinbacher Bauingenieurs Josef Axer überhaupt? Denn seit Langem schon registriert etwa Bürgermeister Stefan Raetz „eine Vielzahl von Vandlismusakten“ auf der Burg. Hinzu kommt, was Tomburg-Fachmann Andreas Herrmann das Treiben einer Art „Subzene“ nennt: Selbst ernannte „Burgexperten“ betrachten die mittelalterliche Wehranlage als eine Art persönlichen Abenteuerspielplatz und Forschungsobjekt. Angesichts des Treibens denkt Bürgermeister Raetz daher über eine Videoüberwachung nach.

Graffiti, Müllablagerung und blanke Zerstörungswut

Die Liste der Verfehlungen und Verwüstungen, die ungebetene Besucher in der Vergangenheit regelmäßig auf der Tomburg anrichteten, ist lang. Sie reicht von Graffiti-Schmierereinen an den alten Mauern über jede Menge Müll, der etwa in den historischen Brunnen geworfen wird, bis hin zu blanker Zerstörungswut.

So beklagt der Bürgermeister das Hangabsicherungen ebenso sinnlos zerstört würden, wie Bänke: „Das ist ein Riesenproblem“, betont Raetz. Das bekomme die Stadt vor allem deshalb geschultert, weil die Neuen Pfade des Georgsrings ein ums andere Mal Bänke und Absicherungen ehrenamtlich erneuern. Ein ein weiteres Ärgernis: „Unbekannte klauben Holz zusammen und machen Feuerchen“, so Raetz. „Und das mitten im Naturschutzgebiet.“

Doch damit nicht genug: Bei einer Vorerkundung der Burgruine im Zuge der anstehenden Sicherungsarbeiten hat Bauingenieur Axer ein merkwürdiges Treiben entdeckt. So fiel ihm eine Trockenmauer aus alten Mauerresten unterhalb des Bergfrieds auf, die Unbekannte quasi in einer Art archäologischem Selbstversuch errichtet hatten. Natürlich ohne jede Abstimmung mit den Behörden. „Das ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht“, beklagt der Bürgermeister. Zudem fiel Axer auf: Unbekannte hatten hoch oben in der Ruine des Bergfried alte Gerüstlöcher dazu genutzt, Kanthölzer in das Mauerwerk einzufügen. Möglicherweise um zu simulieren, wie die Handwerker vor rund tausend Jahren beim Bau der Burg vorgegangen waren.

Für Absperrungen ist dasGelände zu groß

Für Raetz und die Stadt Rheinbach als Eigentümer des Geländes ist das aber alles andere als hinnehmbar: „Die Feuerwehr musste erst im vergangenen Jahr einen jungen Kletterer retten, der hoch oben Bergfried festsaß.“ Das sei teils eine lebensgefährliche Aktion gewesen.

Darum denkt Stefan Raetz jetzt auch über neue Sicherungsmaßnahmen nach. Da Absperrungen der Burgruine angesichts der Größe des Geländes wenig erfolgversprechend scheinen, bringt Rheinbachs Bürgermeister eine Videoüberwachung ins Spiel. Das Thema will er zuvor allerdings mit der Politik und den Aufsichtsbehörden abstimmen, „um in Sachen Datenschutz nicht eine Bauchlandung zu erleben“, so Raetz: „Leider können sich Störenfriede und Straftäter immer hinter dem Datenschutz verstecken.“