120.000 Euro Projekt

Verteidigungsmauer der Rheinbacher Tomburg wird gesichert

Rheinbach. Die Sicherungsarbeiten auf der Tomburg gehen in die entscheidende Phase. In 40 Metern Tiefe soll sich ein Brunnen befinden. Eine Wismarer Firma soll helfen.

Ein Höhepunkt der 120.000 Euro teuren Sicherungsarbeiten auf der Tomburg ist gerade in vollem Gang: Um ein letztes, erhalten gebliebenes Stück der äußeren Verteidigungsmauer zu sichern und erkennbar zu machen, hat Burkhard Stiewe eine Plattform in den Steilhang gebaut. Stiewe ist Geschäftsführer einer Fachfirma aus Wismar (Mecklenburg), die sich auf die Sicherung alter Bauwerke spezialisiert hat.

Die Plattform wird gebraucht, um einer großen Bohrmaschine sicheren Stand zu geben. „Schließlich liegt die Mauer praktisch genau auf der Abrisskante eines Steinbruchs, der 20 Meter in die Tiefe geht“, erklärt Tomburg-Experte Andreas Hermann, der Vorsitzende des erst Anfang Dezember gegründeten Vereins „Freundeskreis Tomburg“. Mittels des Großbohrers werden vier bis zu sechs Meter lange Bodenanker in den Fels getrieben.

Deren Aufgabe ist es, einer in Spritzbetonbauweise neu errichteten Wand Halt zu geben, „um den oberhalb gelegenen Bereich der Burg dauerhaft zu sichern“, erklärt Bauingenieur Josef Axer. Er leitet die Sicherungsmaßnahme im Auftrag der Stadt Rheinbach. Nach den Bohr- und Verankerungsarbeiten werden laut Axer die bislang erstellten Wandbereiche mit Armiereisen und einer bis zu 40 Zentimeter dicken Betonschicht verstärkt. „Danach wird die Stahlbetonwand hinter einer Mauerwerksschale, die aus vorhandenen Basaltbruchsteinen gebaut wird, verschwinden“, erklärt Axer. Diese zum Teil rekonstruierte Mauwerksschale orientiere sich am Verlauf der ehemaligen Mauer.

Abschnitt lässt sich noch rekonstruieren

Für Andreas Herrmann sind gerade diese Arbeiten besonders wichtig, „weil es der bislang einzige Abschnitt der bis zu zwei Meter breiten Außenmauer der Burg ist, der sich noch rekonstruieren lässt“. Was ihn besonders freut: Möglicherweise lässt sich das Bonner THW während der laut Axer noch bis Frühjahr dauernden Arbeiten für eine spektakuläre Sicherungsmaßnahme im Brunnen der Burg gewinnen.

Das neue Jahr begann für Herrmann bestens. Denn der neue Vorsitzende des Vereins „Freundeskreis Tomburg“ bekam am 2. Januar einen höchst wichtigen Bescheid vom Finanzamt, in dem die Förderung des Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutzes an der Tomburg als „gemeinnützig“ anerkannt wird. Herrmann fällt damit ein Riesenstein vom Herzen: „Jetzt müssen wir nur noch den formalen Akt umsetzen, und uns beim Amtsgericht ins Vereinsregister eintragen lassen.“ Ist das geschehen, kann der Verein Spenden sammeln, mittels derer Pflege und Erforschung der Tomburg-Ruine gefördert werden. Am 1. Dezember hatten zwölf Bürger um Bürgermeister Stefan Raetz den Förderverein aus der Taufe gehoben.

Wie berichtet, finden seit Herbst Sicherungsarbeiten in der Wehranlage aus dem 10. Jahrhundert statt. Doch Herrmann sagt: Viele Bereiche der Burg, die im 11. Jahrhundert regional von exponierter historischer Bedeutung war, liegen noch im Dunkeln.

Seit wenigen Tagen gehen die Arbeiten im Schatten des Bergfrieds, die im Herbst begonnen haben, weiter. Stiewe und seine Mitarbeiter konzentrierten sich weiterhin auf einen kleinen Teil am Rand der Burg, wo die Mauern ehemaliger Wirtschaftsgebäude mit einem haltbaren Trass-Kalk-Mörtel gesichert und teils aufgemauert werden. Damit soll Mauerwerk, das sich bislang am Boden befand, „sichtbar und vor der Vernichtung geschützt werden“ , erklärt Fachmann Herrmann.

Historische Quellen berichten von einem 40 Meter tiefen Schacht

Aber auch nach dem Abschluss der Sicherungsarbeiten im Bereich der Wirtschaftsgebäude bleibt noch viel zu tun. Denn nicht nur der genaue Verlauf der einst mächtigen Außenmauer ist nicht bekannt, sagt Hermann. Auch die Lage von anderen Bauteilen der Burg wie einer Zugbrücke, deren Existenz quellenmäßig gesichert ist, bleibt im Nebel. Gebäude, die in mittelalterlichen Urkunden genannt werden, könnten allerdings nur durch eine archäologische Fachfirma erkundet werden.

Kurzfristig genauer unter die Lupe nehmen würde Herrmann gerne den Brunnen, der weitgehend mit Schutt und Müll zugeschüttet ist. Historische Quellen berichten von einem Durchbruch in dem einst rund 40 Meter tiefen Schacht in eine Kammer, die über einen Gang mit tiefer gelegenen Gebäuden der Burg verbunden war. Sichern könnte man den Brunnen nun mit Hilfe der Spezialfirma aus Wismar, solange deren Mitarbeiter noch auf der Tomburg zu tun haben.

„Dies ist ein günstiger Umstand, weil vieles von dem, was benötigt wird, bereits vor Ort ist.“, so Herrmann. Allerdings bräuchte er fachkundige, aber ehrenamtliche Hilfe beim Leerräumen des Brunnens: „Infrage kämen Experten des Bonner THW, die in dem Brunnen eine Übung abhalten könnten“, glaubt Herrmann. Eine entsprechende Anfrage hat er bereits beim THW gestartet. Axel Müller-Storp, Vorsitzender des Bonner THW-Ortsverbandes, erklärte: „Ich werde mich mit Herrn Herrmann einmal auf der Burg treffen, um mir dort anzusehen, ob der Ort für eine Übung infrage kommt.“

Der Freundeskreis informiert im Internet unter www.freundeskreis-tomburg.de.