Restaurierungsarbeiten in Rheinbach

Tomburg gibt immer mehr Mauerreste frei

Die Sicherung der Tomburg macht Fortschritte. Unter diesem Erdwall verbergen sich noch weitere Mauerreste, die Josef Axer (l) und Andreas Herrmann noch freilegen und sichern wollen.

Die Sicherung der Tomburg macht Fortschritte. Unter diesem Erdwall verbergen sich noch weitere Mauerreste, die Josef Axer (l) und Andreas Herrmann noch freilegen und sichern wollen.

Rheinbach. Die Sicherung der Mauern der Tomburg in Rheinbach macht Fortschritte. Bisher ist die Anlage archäologisch weitgehend unerforscht. Die bisher einzige wissenschaftliche Grabung fand 1968 statt.

Andreas Herrmann ging ein wenig das Herz auf, als er Ende Oktober die laufenden Sicherungsarbeiten auf der Tomburg besuchte. Das hat zum einen damit zu tun, dass der Diplom-Geograpg, der sich bestens mit der Geschichte der mittelalterlichen Wehranlage auskennt, schon im Studium einen Schwerpunkt auf archäologische Themen setzte. Vor allem aber ist Herrmann angetan „von den großen Fortschritten und der Qualität der Arbeiten“, die sich auf ein Areal am Bergfried konzentrieren.

Dort hat Burkhard Stiewe, Geschäftsführer einer Fachfirma aus Wismar, die sich auf die statische Sicherung alter Bauwerke spezialisiert hat, bereits zahlreiche Mauern ehemaliger Wirtschaftsgebäude nicht nur fachmännisch ausgebessert. „Man kann sich die Ausmaße der Burg, so wie sie ursprünglich mal ausgesehen haben muss, jetzt wieder viel besser vorstellen“, lobt Herrmann das Projekt. Für ihn ist das ein wichtiger Schritt, da die spärlichen Quellen über Abmessungen und Gestalt der Burg wenig hergeben. „Wir wissen eigentlich nicht viel über die Architektur der Tomburg“, so Andreas Hermann weiter. Zu tun bleibt allerdings noch einiges. Auch steht bereits fest: Das Projekt wird länger dauern, als geplant.

Die Sicherungsarbeiten auf der Wehranlage eröffnen damit möglicherweise nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Vor allem ist die Maßnahme bauphysikalisch dringend geboten. Denn ein Teil der Mauern, die nach der bislang einzigen wissenschaftlichen Ausgrabung 1968 am Bergfried saniert worden waren, drohten bereits wieder zu zerbröckeln, erklärt Fachmann Herrmann, der die Maßnahme sozusagen wissenschaftlich sachkundig begleitet.

Sichtbarmachung einiger Teile der Burgruine

Ungeeigneter Zement, den man damals verwendet hatte, war Schuld, ergänzt der Rheinbacher Bauingenieur Josef Axer, der für den Eigentümer der Burganlage, die Stadt Rheinbach, die Maßnahme betreut. Axers Büro ist ebenfalls auf die Sanierung sehr alter Bausubstanz spezialisiert. Daher verwendet Stiewe für die Ausbesserungsarbeiten nun einen wesentlich witterungsbeständigeren Trass-Kalk-Mörtel, der, um einen besseren Halt zu gewährleisten, mittels eines Hochdruckverfahrens aufgespritzt wird.

Zudem ist Andreas Herrmann noch ein zweiter Aspekt der Maßnahme ganz wichtig: Die Sicherung und Sichtbarmachung bislang weitgehend unbeachteter Teile der Burgruine. So gehört es ausdrücklich auch zu Stiewes Aufgaben, eine Reihe von Mauern wieder freizulegen.

Denn bei der Grabung 1968 waren Funde unmittelbar am Bergfried entdeckt worden, die man damals eher unbeachtet hatte liegenlassen. Dazu gehörten Teile von Innenmauern und Fundamente von weiteren Wirtschaftsgebäuden, inklusive eines ringförmigen Ofens. Alles lag lange unscheinbar und zugewuchert am äußeren Rand des Burgareals, dort wo einer ehemaliger Steinbruch Dutzende Meter in die Tiefe abfällt.

Eingefasst waren die Wirtschaftsgebäude einst von der äußeren Burgmauer, die an dieser Stelle längst abgetragen oder in den Steinbruch gestürzt war. Da sich unmittelbar an der Abbruchkante noch ihre Fundamente finden, sollen auch die jetzt gesichert gemacht werden. Ob des schwierigen Terrains keine leichte Aufgabe für Stiewe.

Trümmerreste dienen als Materiallager

Ums Sichern und Erkennbarmachen, geht es vor allem bei weiteren Mauerresten ehemaliger Wirtschaftsgebäude. Zum Beispiel lugen die nur ein kleines Stück aus einem Trampelpfad hervor, der zum Bergfried führt, beziehungsweise liegen noch komplett verborgen unter einem Erdhügel. Hier besteht laut Andreas Herrmann die akute Gefahr, dass weiterhin Besucher über die kaum mehr sichtbaren Mauerreste stiefeln und diese so authentische Bausubstanz aus dem Spätmittelalter allmählich unwiederbringlich zerstören.

Um das zu verhindern, wird Stiewe diese Mauerreste nicht nur freilegen, sondern auch etwa 40 Zentimeter hoch aufmauern. Alte Trümmerreste des Bergfrieds, die noch überall auf der Tomburg liegen, dienen als originales Materiallager. Dabei zeigte sich: „Der vor rund 1000 Jahren beim Bau der Burg verwendete Mörtel war schon unglaublich widerstandsfähig“, so Fachmann Axer. Dennoch: anlässlich einer Fehde hatten Truppen des Herzogs von Jülich-Berg 1473 die Burg nahezu vollständig zerstört.

Anders als geplant, können aber alle Maßnahmen nicht mehr bis Ende des Jahres abgeschlossen werden, so Axer. „Die Arbeiten waren doch umfangreicher, als erwartet.“ Hinzu kommt: Damit der Trass-Kalk-Mörtel vernünftig abbinden kann, sind laut Axer mehrere frostfreie Tage hintereinander von Nöten.

Archäologischer Nachweis steht aus

Eine Voraussetzung, die Anfang November nicht mehr sicherzustellen sei. So soll nun im Frühjahr weiter gearbeitet werden. In wie weit dadurch die Kosten für das Projekt steigen werden, ist noch nicht klar: „Wir sind noch in Verhandlung mit Stiewe und seiner Firma“, betont Josef Axer. Bislang stehen rund 120 000 Euro zur Verfügung. Was aber bereits erledigt ist, sind Auflagen aus Sicht des Naturschutzes: An einer Mauer, die gesichert werden muss, wuchs ein höchst seltener Farn, den ein eigens beauftragter Biologe nach Maßgabe der Siegburger Kreisverwaltung umgepflanzt hat.

Auf jeden Fall erhofft sich Herrmann nach dem Abschluss der Maßnahme eine Art Initialzündung in Sachen Tomburg-Forschung und -sicherung. „Archäologisch erforscht und dokumentiert ist lediglich die Fläche der Ausgrabung von 1968.“ Daher bleibt noch viel zu tun, besser gesagt wissenschaftlich zu untersuchen. So ist weder der genaue Grundriss der Burg erforscht, noch all ihre Bestandteile, wie etwa die genaue Position der Zugbrücke oder die Beschaffenheit des Brunnens. Auch ein archäologischer Nachweis aus der Zeit der Ezzonen um das Jahr 1000 steht bisher aus, denn die dokumentierten Bauten und Bauteile stammen aus der Zeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert.

„Daher wären weitere Grabungen durch eine professionelle archäologische Firma hilfreich und sehr wünschenswert“, betont Andreas Herrmann. Nach der Anschubförderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gelte es nun, denkmalpflegerische Einzelmaßnahmen und Initiativen in einem nachhaltigen Engagement zur Pflege, Instandhaltung und Erforschung der Tomburg zu bündeln. Natürlich koste das Geld: „Für die Finanzierung will ich mich einsetzen.“