AKW in der belgischen Nachbarschaft

Strahlenrisiko aus dem nahen Tihange und Doel

Hans-Christian Markert (l.) und Oliver Krischer informierten in Rheinbach über die störanfälligen belgischen Atomkraftwerke.

Hans-Christian Markert (l.) und Oliver Krischer informierten in Rheinbach über die störanfälligen belgischen Atomkraftwerke.

Rheinbach. Grünenpolitiker Oliver Krischer und Hans-Christian Markert warnen in Rheinbach vor den Gefahren belgischer Atomkraftwerke. Nur 120 Kilometer trennen Meckenheim und Rheinbach von den maroden Anlagen.

Nur 120 Kilometer entfernt von Meckenheim und Rheinbach liegt das belgische Atomkraftwerk Tihange. Zu einer Informationsveranstaltung über mögliche Auswirkungen eines atomaren Unfalls hatten die Ortsverbände Rheinbach und Meckenheim von Bündnis 90/Die Grünen in den Himmeroder Hof geladen. Als Experten erläuterten der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer und der Landtagsabgeordnete Hans-Christian Markert die aktuelle Situation und die Konsequenzen von Störfällen. Gleich zu Anfang wies Markert darauf hin, dass Jodtabletten nur bedingt hilfreich seien – die Abschirmung gegen den radioaktiven Fallout sei daher das beste Gegenmittel. An erster Stelle sollte aber die Prävention stehen: „Wie können wir den Atomausstieg, den wir in Deutschland in die Wege geleitet haben, auch in der EU real werden lassen?“, ist für Markert die Kernfrage. Da in Belgien neben den Bestrebungen, AKWs weiter am Netz zu lassen, auch neue Formen atomarer Kraftwerke installiert werden sollen – Blockheizkraftwerke auf Atombasis – plädiert er dafür, von Deutschland über Netzwerke meinungsbildend auf die Entscheider einzuwirken.

Belgien hatte 2003 entschieden, bis spätestens 2025 Atomkraftwerke, die über 40 Jahre alt sind, vom Netz zu nehmen. Die neue Regierung hat diesen Beschluss jedoch aufgeweicht: Trotz vielfältiger Risse, vermehrt auftretender Störfälle, häufiger Unfälle und sogar Bränden wurde eine Verlängerung der Laufzeit beschlossen. Dem widersetzt sich vor allem die Städteregion Aachen mit ihrer Klage. Mittlerweile haben sich 80 Kommunen und Landkreise der Klage angeschlossen – auch Rheinbach und die Landesregierung von NRW. Ansatzpunkt ist eine fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung, die grenzüberschreitende Relevanz hat. Da solche juristischen Verfahren Jahre dauern können, soll parallel auf der politischen Ebene Druck ausgeübt werden, um ein Umdenken in der Atompolitik zu bewirken.

Oliver Krischer ging auf die Sicherheitsaspekte ein: Neben dem fehlenden Schutz vor Hochwasser und Flugzeugabstürzen ist die belgische Sicherheitskultur ein Problem – Mitarbeiter hielten sich nicht an Sicherheitsbestimmungen, ein Sympathisant des IS war lange Zeit angestellt und es gab sogar einen Sabotageakt, dessen Verursacher nie ermittelt wurde. Die im Wochenrhythmus anfallenden automatischen Notabschaltungen verdeutlichen den technisch schlechten Zustand: „Wenn die Abschaltung einmal nicht funktioniert, kommt es zur Katastrophe“, betont Krischer. Besonders problematisch seien die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3, in denen schon seit Fertigstellung Tausende Risse existierten.

Die sieben AKW in Tihange und Doel liefern zusammen 50 Prozent des belgischen Strombedarfs. Krischer wies darauf hin, dass im deutschen Grenzgebiet zu Belgien zahlreiche Kraftwerke existieren, die teilweise nicht in Betrieb sind, aber den notwendigen Strom liefern könnten.