Morddrohungen an Flüchtlingsunterkunft

Staatsschutz ermittelt nach Hakenkreuz-Schmierereien in Rheinbach

Rheinbach. Unbekannte haben in Rheinbach mit Sprühfarbe Hakenkreuze, SS-Runen und Morddrohungen an die Wände des neu gebauten Flüchtlingswohnhauses an der Keramikerstraße geschmiert. Der Staatsschutz ermittelt weiter.

Auch am Dienstag haben in Rheinbach Ermittler des Staatsschutzes an dem mit Nazi-Symbolen beschmierten Flüchtlingswohnhaus an der Keramikerstraße nach Spuren der Verursacher der Sprühattacke gesucht. Wie Polizeisprecher Frank Piontek berichtete, setzten die Ermittler ihre am Montag begonnene Arbeit fort.

Nur wenige Tage bevor die ersten Asylsuchenden zwei neue Wohnhäuser an der Keramikerstraße in Rheinbach beziehen sollen, haben Unbekannte in der Nacht zu Sonntag die Außenwände des Gebäudes mit Hakenkreuzen, SS- und Adolf Hitler-Schriftzügen beschmiert. Erst vor wenigen Tagen hatte die Stadt die beiden Wohnhäuser mit 24 Wohnungen, in denen bis zu 50 Menschen leben sollen, mit einer kleinen Feier im Kreise von Anwohnern vorgestellt, zusammen mit dem benachbarten Spielplatz, der – wegen der Bauarbeiten – neu gestaltet wurde.

In der morastigen, vom Regen der vergangenen Tage aufgeweichten Erde der noch nicht bepflanzten Außenanlagen des Wohnkomplexes waren nach der Tat vielfältige Fußspuren auszumachen. Wie Polizeisprecher Frank Piontek auf GA-Anfrage erklärte, hat der Staatsschutz bereits seine Ermittlungen aufgenommen – insbesondere wegen der verfassungsfeindlichen Symbole. Neben den seitenverkehrten Hakenkreuzen – dessen Verwendung nach Strafgesetzbuch genauso verboten ist wie die Originale, da sie ihnen zum Verwechseln ähnlich sind – sowie SS-Runen haben die unbekannten Sprayer den Zahlencode „187“ mehrfach auf die Wände geschmiert. Mit dieser Zahlenkombination informieren sich Polizisten im US-Bundesstaat Kalifornien per Funk, wenn ein Mord geschehen ist.

Vor allem durch Hip-Hop-Musik ist dieser Zahlencode in die Jugendsprache übergegangen. Bekanntheit erlangte dieser Code im Jahr 1997 auch durch den US-Kinofilm „187 – Eine tödliche Zahl“ . Im Jahr 2014 waren in Swisttal-Heimerzheim 20 Häuser mit der Zahl 187 beschmiert worden (siehe Kasten). Auffällig ist auch die häufige Verwendung der Buchstabenkombination ACAB, die für die Beleidigung „All Cops Are Bastards“ („Alle Polizisten sind Bastarde“) steht. „Ich bin entsetzt über diese rechtsradikalen Sprüche und Embleme sowie ausländerfeindlichen Schmierereien“, sagte Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz dem General-Anzeiger. Er nannte die Täter „hirnlose Gestalten“ und zeigte sich geschockt von dieser Art von Schmierereien an dem neu gebauten Gebäudekomplex.

Stadt hat Staatsschutz und 
Polizei eingeschaltet

„In dieser Deutlichkeit und in dieser Großflächigkeit hat es solche Drohungen hier noch nicht gegeben“, sagte der Christdemokrat. Der Verwaltungschef hat nicht nur Polizei und Staatsschutz eingeschaltet, sondern auch Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. „Das ist beileibe kein Dumme-Jungen-Streich.“ Er betont, die Stadt wolle an der Belegung der Häuser in den nächsten Tagen festhalten – vermutlich in der kommenden Woche. „Wir lassen Einschüchterungen nicht zu“, erklärte der Verwaltungschef. „Das ist nicht die Grundhaltung der Rheinbacher, die ich erlebe.“ Die Schmierereien sollen so schnell wie möglich verschwinden, der Auftrag dazu sei bereits am Montag erteilt worden, sagte Raetz.

Erst vor wenigen Tagen war der Wohnkomplex nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt worden. Hintergrund: Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft für den Rhein-Sieg-Kreis (GWG) mit Sitz in Sankt Augustin hatte im Sommer 2015 ihre Bereitschaft signalisiert, auf dem städtischen Grundstück als Projekt zum sozialen Wohnungsbau die beiden Gebäude zu errichten.

Nach deren Fertigstellung mietet die Stadt die Häuser, deren Errichtung 2,5 Millionen Euro gekostet hat. Sollte aber in den nächsten Jahren eine Inanspruchnahme für Asylsuchende nicht mehr erforderlich sein, sollen die jeweils rund 55 Quadratmeter großen Wohnungen durch die GWG vermietet werden, insbesondere an Studenten der nahe gelegenen Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Entsetzt von den nächtlichen Schmierereien zeigte sich auch Gert-Uwe Geerdts, Mitglied der Teamleitung des Rheinbacher Flüchtlingshelferkreises. „Wir lassen uns davon aber nicht beeindrucken“, sagte er. „Bislang haben sich die Rheinbacher erfreulich offen gegenüber den Neubürgern gezeigt. Mit der Empathie, die angemessen ist.“ Er hofft, dass die Schmierereien rasch übermalt werden können.

Die Bonner Polizei sucht unterdessen Zeugen. Wer in der Nacht zu Sonntag an der Keramikerstraße und der angrenzenden Leberstraße etwas beobachtet hat, sollte sich unter 02 28/1 5-0 melden.