Gespräch am Wochenende

Spendensammler in Uniform in Rheinbach unterwegs

Stabsfeldwebel Guido Schumacher ist als Spendensammler für den Volksbund die Kriegsgräberfürsorge unterwegs.

Stabsfeldwebel Guido Schumacher ist als Spendensammler für den Volksbund die Kriegsgräberfürsorge unterwegs.

Rheinbach. In unserem "Gespräch am Wochenende" sprechen wir mit Guido Schumacher, der in diesen Tagen mit seiner Sammelbüchse unterwegs ist. Der in Rheinbach tätige Stabsfeldwebel sammelt für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Seit Anfang November wird in Rheinbach für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gesammelt. Noch bis Montag, 19. November, klingeln Soldaten der Tomburg-Kaserne an den Haustüren. Mit der Haus- und Straßensammlung werden die Bürger um Spenden für Bau, Instandsetzung und die Pflege von Kriegsgräbern gebeten. Der Volksbund betreut mittlerweile in 46 Staaten 833 Kriegsgräberstätten mit 2,7 Millionen Kriegstoten. Die Sammelaktion findet im Vorfeld des Volkstrauertages statt, der – vom Volksbund 1919 ins Leben gerufen – seit 1952 stets zwei Sonntage vor dem ersten Advent stattfindet. So wird an diesem Sonntag in zahlreichen Städten und Gemeinden feierlich der Toten beider Weltkriege und der Opfer von Gewalt und Terrorismus aller Nationen gedacht. Über die Gründe der Bundeswehr für die Unterstützung des Volksbundes sprach Susanne Träupmann mit Stabsfeldwebel Guido Schumacher aus dem IT-Betriebszentrum der Bundeswehr in Rheinbach.

Seit Januar sind Sie in Rheinbach stationiert. Sie organisieren zum ersten Mal die Sammelaktion Ihrer Soldaten. War es schwierig, Leute zum Mitmachen zu bewegen?

Guido Schumacher: Überhaupt nicht. Bei uns sind 20 Soldaten – darunter eine Soldatin – in der Kernstadt unterwegs. Die jungen Leute sind meist zwischen 20 und 25 Jahre alt und machen das ausgesprochen gerne. Wer da mitmachen möchte, macht es freiwillig. Allerdings darf dadurch der laufende Betrieb nicht gestört werden. Die Aufgaben, die erledigt werden müssen, haben Vorrang. Daher ist der eine oder andere auch in der Freizeit unterwegs.

Ist es eher eine Haus- oder eine Straßensammlung?

Schumacher: Die Soldaten gehen tagsüber von Haus zu Haus in der Innenstadt. Man kann aber feststellen, dass das Sammeln heutzutage schon schwieriger geworden ist, weil weniger Leute tagsüber zu Hause sind.

Spenden die Menschen gerne?

Schumacher: Eigentlich schon. Die Generation, die Angehörige im Krieg verloren hat und daher einen Bezug zu Kriegsgräbern hat, stirbt langsam aus. Spenden kommen auch von jüngeren Leuten, die zum Krieg und den damit verbundenen Gefallenen nur noch einen historischen Bezug haben. Deren Argumentation ist allerdings eine andere: Sie geben Geld, damit die Gräuel von damals nicht vergessen werden und aus Dankbarkeit, weil es ihnen heutzutage gut geht.

Wie schätzen Sie die Großzügigkeit der Rheinbacher ein?

Schumacher: Sehr positiv. Allein bei der Auftaktveranstaltung am 2. November mit Bürgermeister Stefan Raetz in der Fußgängerzone kamen 450 Euro zusammen. 2017 wurden in den drei Wochen 2200 Euro gesammelt. Das war ein sehr schönes Ergebnis.

Tragen die Soldaten Zivilkleidung?

Schumacher: Nein, sie sind an der Ausgehuniform zu erkennen. Dazu tragen sie einen langen Mantel, der ausschließlich zu feierlichen Anlässen angelegt wird. Mit ihren Sammelausweisen können sie sich – sie gehen immer zu zweit – an den Haustüren ausweisen.

Seit 1960 unterstützen die Bundeswehr und ihre Reservistenverbände die Aktion des Volksbundes. Entspricht es dem Wesen der Bundeswehr, sich gerade für die Pflege von Kriegsgräbern zu engagieren?

Schumacher: Auf jeden Fall. Wir sind Bürger in Uniform. Wir unterstützen nicht nur die Sammelaktion, sondern engagieren uns auch in der Pflege der Kriegsgräber. So waren junge Soldaten aus Rheinbach, die dafür sogar einen Teil ihres Urlaubs geopfert haben, zehn Tage in der Normandie, um bei Marigny die Gräber von 11 000 deutschen Soldaten in Ordnung zu bringen. Die Pflege von Kriegsgräbern dient auch als Mahnung für den Frieden. Daher auch die Inschrift „für mehr Frieden“ auf unseren Sammeldosen. Aufgrund dieser Zielsetzung hoffen wir auch auf ein gutes Sammelergebnis.

Sie sind auch persönlich von der Sammlung überzeugt.

Schumacher: Ich selbst war mit der Dose in den Städten, in denen ich stationiert war – Koblenz, Mayen, Mechernich, Gerolstein – unterwegs. Ich halte es für eine gute Sache. Damit setzt sich die Bundeswehr mit den Opfern beider Weltkriege auseinander und grenzt sich in der Zielsetzung deutlich von der Wehrmacht der Nationalsozialisten ab. Außerdem kann man sich mit einem anderen Profil in der Öffentlichkeit zeigen.

Der Name Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wirkt altmodisch. Meinen Sie, dass eine begriffliche Modernisierung mehr junge Menschen ansprechen würde?

Schumacher: Ich persönlich glaube das schon. Dabei ist die Homepage des Volksbundes schon sehr modern aufgezogen. Und der Volksbund ist in der Jugendarbeit sehr aktiv. So werden friedenspädagogische Camps angeboten, bei denen Jugendliche aus mehreren Ländern zusammenkommen und sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen.

Halten Sie den Volksbund in seiner Ausrichtung noch für zeitgemäß?

Schumacher: Ja. Denn ich finde – und das sage ich gerade als Angehöriger der Bundeswehr – die Erinnerung an die beiden Kriege ausgesprochen wichtig. Und sie wird umso wichtiger, je weniger Menschen noch leben, die Krieg und Zerstörung erlebt haben. Denn nur durch die Erinnerung können wir solche Tragödien in der Zukunft vermeiden. Daher bietet der Volksbund auch in Schulen Projekte an und die Bundeswehr führt Aktionen wie die Kriegsgräberpflege in der Normandie durch.

Wie soll die Gedenkkultur der Zukunft aussehen?

Schumacher: Für die Zukunft wünsche ich mir eine Erinnerungskultur, die nicht nur die Opfer beider Kriege einschließt, sondern auch unsere gefallenen Kameraden der Bundeswehr.

Guido Schumacher (50), verheiratet, drei Kinder, wohnhaft in Mendig, ist seit zehn Monaten in Rheinbach stationiert. Geboren und aufgewachsen in Mayen absolvierte Schumacher nach Abschluss der Realschule eine Lehre als Außenhandelskaufmann in Koblenz.1990 wurde er als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr eingezogen und danach Berufssoldat. Zunächst war Schumacher im Bereich der Logistik tätig, wechselte 1995 zur Fernmeldetruppe und ist seit Januar 2018 in der Tomburg-Kaserne tätig. Dort unterstützt Schumacher als Stabsfeldwebel den Kommandeur des IT-Betriebszentrums, Brigadegeneral Ralf Hoffmann, in der Zusammenarbeit mit zivilen Organisationen. Dazu gehören unter anderem die Verbindung zum Katastrophenschutz und die Tätigkeit für den Volksbund.