Kommentar zum Stauproblem

Schlüsselstelle im Zentrum

Das Hotel an der Löherstraße auf der gegenüberliegenden Ecke soll abgrissen werden.

Das Hotel an der Löherstraße auf der gegenüberliegenden Ecke soll abgrissen werden.

Rheinbach. Der Bau eines neuen Wohn- und Geschäftshauses im Rheinbacher Zentrum könnte zum Glücksfall für den Verkehr werden. Das ist ein Anstoß, die Verkehrssituation im Zentrum neu zu denken, findet GA-Redakteur Mario Quadt.

Die Zeiten, da sich der Verkehr inmitten des Rheinbacher Zentrums massiv staut, sind längst nicht mehr auf den morgendlichen oder abendlichen Berufsverkehr beschränkt. Insbesondere durch die Straßen Vor dem Voigtstor und Vor dem Dreeser Tor quälen sich die Blechlawinen in die Kernstadt. Und genau zwischen diesen beiden Verkehrswegen verläuft die einspurige Hauptstraße, die Einkaufs- und Gastronomiemeile von Rheinbach.

Wer bislang die Frage aufwarf, ob diese Hauptstraße nicht eher als Fußgängerzone denn als Verkehrsader mit stets stockendem Abfluss geeignet wäre, bekam bis dato immer ein Nein zu hören, dass mit dem daraus fehlenden Verkehrsabfluss zwischen Grabenstraße und Vor dem Voigtstor begründet wurde. Mit dem Bau eines neuen Wohn- und Geschäftshauses an der Ecke Löherstraße/Vor dem Voigtstor können nun auch die Karten in dieser Frage neu gemischt werden. Denn: Wenn der Neubau nämlich außerdem im Wortsinne neue Räume für den Verkehr an diesem bislang einspurigen Nadelöhr an der Löherstraße schafft, und der Verkehr nun zweispurig durch das Zentrum fließen kann, ist das im Sinne des Verkehrsflusses in der Innenstadt eine gute Nachricht.

Die positive Perspektive für diese Schlüsselstelle in der Kernstadt könnte demzufolge auch Auswirkungen auf die Frequentierung anderer Verkehrsbereiche in der Innenstadt haben. Zu diskutieren wäre jetzt, ob die zweispurige Löherstraße nicht eine Perspektive für eine Rheinbacher Fußgängerzone schaffen kann. Selbst Millionenstädte wie Madrid haben in jüngster Zeit mit einer konsequenten Verbannung des Individualverkehrs aus dem Zentrum sehr gute Erfahrungen gemacht. Und der Einzelhandel leide darunter auch nicht.

Aus der Rheinbacher Geschäftswelt war in Sachen Fußgängerzone bislang sowohl Pro als auch Kontra zu vernehmen. Manche befürchten schlicht, dass sie die Autofahrer als Kunden verlieren, wenn diese nicht mehr wie bisher die Hauptstraße passieren dürfen. Darum sind sie gegen eine Fußgängerzone. Andere hingegen sehen die Abwesenheit der Autos als klare Aufwertung des Einkaufserlebnisses. Eine Löherstraße, die Begegnungsverkehr ermöglicht, ist somit auch eine große Chance, Verkehrsprobleme an anderer Stelle zu beheben oder die Frage einer Fußgängerzone lohnend zu diskutieren.