Scheunencafé in Rheinbach-Hilberath

Sampels Café bietet selbstgemachte Köstlichkeiten

Scheunencafé Sampels, Hilberath Vom Landwirt zum Bäcker, Heinz und Angelika Sampels mit ihrem beliebtesten Kuchen: Himmelstorte.

Scheunencafé Sampels, Hilberath Vom Landwirt zum Bäcker, Heinz und Angelika Sampels mit ihrem beliebtesten Kuchen: Himmelstorte.

Rheinbach-Hilberath. Früher war er in erster Linie Landwirt. Mit seinem Hofladen und Scheunencafé ergänzt Heinz Sampels aus Hilberath erfolgreich den landwirtschaftlichen Betrieb. Und rührt dabei gerne selbst den Teig.

Am Tor zur Eifel, inmitten von Hilberath, findet sich ein Kleinod, das der Ortschaft einen geselligen Mittelpunkt verschafft: Das Café in der alten Scheune bietet an sechs Tagen in der Woche selbst gemachte Köstlichkeiten – beim Frühstück, am reichhaltigen Kuchenbuffet und bei der regionalen Brotzeit. Nebenan zählen zu dem ganzjährigen Angebot des Hofladens Sampels nicht nur hauseigene Back- und Fleischwaren, sondern auch diverse Produkte landwirtschaftlicher Betriebe aus der Region. Betritt man das gemütliche Café und erhascht einen Blick auf die gut gefüllte Theke voller selbst kreierter Torten, ist kaum vorstellbar, dass dies einmal ein kleiner Milchviehbetrieb mit drei Kühen war.

Das Erfolgsrezept für dieses Unternehmen ist schnell benannt. „Das Zugpferd war das Steinofenbrot“, erklärt Heinz Sampels. Für den gelernten Landwirtschaftsmeister, der sich verschiedene Standbeine aufgebaut hat, ging es wirtschaftlich nicht immer nur bergauf. „Meine Mutter fuhr noch mit dem Fahrrad auf die Weide, um die drei Kühe zu melken“, berichtet Sampels über den großelterlichen Betrieb, der in den 60er Jahren stetig vergrößert wurde. Nach der Übernahme im Jahr 1979 expandierte Sampels weiter und suchte, als der Stall zu klein wurde, nach Viehrassen, die ganzjährig draußen gehalten werden können. So investierte er in Galloways und baute die Fleischvermarktung auf. Die BSE-Krise im Jahr 1994 brachte ihm den Ruin, da das Fleisch von heute auf morgen wertlos war. Gezwungen umzudenken, rettete ihn eine Ferienaktion des Senders SWR 4: Für ein großes Hoffest nahm er den Steinofen, der vor allem in den 50er Jahren genutzt wurde, wieder in Betrieb.

Mit selbst gebackenem Brot eröffnete er im August 1996 den Hofladen, dessen Angebot er gemeinsam mit seiner Frau Angelika stetig vergrößerte. Der Viehbestand wurde schließlich auf Mutterkuhhaltung umgestellt und die rund 90 Piemonteser Rinder, deren Fleisch Sampels im Laden anbietet, stehen heute mit ihren Kälbern auf den Wiesen rund um Hilberath. Vor über 15 Jahren eröffnete dann ein zweites Unternehmen unter dem Scheunendach: Das Hofcafé, das heute rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. „Schon Mitte der 90er Jahre habe ich mit dem ortseigenen Bäckermeister Franz Wolber gebacken und mir viele Tricks abgeschaut – die Konditorei ist dann aber doch noch etwas anderes“, erinnert sich der Landwirt, der sich dieses süße Handwerk in Eigenregie angeeignet hat. Der Ehrgeiz habe ihn gepackt, als seine Frau behauptete, Männer könnten keine Biskuitteige backen, erzählt Sampels schmunzelnd. Und er hat Freude am Umgang mit Marzipan, Obst, Sahne und Gewürzen. Das Rezept für die Himmelstorte, die über 40 Prozent des Umsatzes im Café ausmache, habe aber seine Frau eingebracht.

Fingerspitzengefühl am Steinofen

Obwohl Sampels seit Mitte des vergangenen Jahres offiziell im Ruhestand ist und die Landwirtschaft und den Hofladen mit den zehn Mitarbeitern in die Hände seines Stiefsohns Markus Lenders gelegt hat, unterstützt er seine Frau im Cafébetrieb und greift gerne für beide Unternehmen in die Teigschüssel. „Für die beiden Bäcker, die bei uns arbeiten, ist es nicht leicht, denn in der Ausbildung lernt man nur die hoch technisierten Öfen kennen“, erklärt Angelika Sampels die Kunst des richtigen Umgangs mit dem Steinofen. „Hier braucht man Fingerspitzengefühl.“ Der Ofen wird mit Holz geheizt und habe ein Eigenleben, wobei die Wärme variiere, je nachdem, ob der Betrieb am Tag zuvor Ruhetag hatte oder gebacken wurde.

Dass die Kundschaft die Leidenschaft der Sampels spürt, zeigt sich an der großen Resonanz: An Sonntagen bewirten sie rund 500 Besucher, die der süßen Versuchung der über 30 verschiedenen Torten nicht widerstehen können. Das Publikum ist vielfältig und reicht vom zufällig vorbeikommenden Wanderer über solche, die nach einer Tour mit Hilberather Lamas für eine Brotzeit vorbeischauen.

Auch mit anderen Huftieren ist man im Scheunencafé willkommen. Lilo Breuer vom Islandpferdehof „Kraadepol“ reitet regelmäßig aus Altendorf herauf: „Wir kommen schon immer gerne auf einen Kaffee oder im Sommer für den Grillabend vorbei.“ Die Pferde können auf die Koppel oder in den Stall gestellt werden. Oder die Tiere werden einfach am Gebäude angebunden. „Einmal waren wir eine zu große Gruppe, da hat Sampels kurzerhand einen weiteren Haken in die Wand gehauen“, erklärt Breuer lachend und freut sich über die Flexibilität des backbegeisterten Landwirts.