Geschichte wird lebendig

Richtfest des Römerkanal-Infozentrums in Rheinbach

Rheinbach. Das Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach feiert Richtfest. Der rund eine Million Euro teure barrierefreie Gebäudekubus mit rund 125 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll am Freitag, 27. September, planmäßig eröffnet werden.

Der italienische Mathematiker, Astronom und Physiker Galileo Galilei war 1633 felsenfest davon überzeugt, dass die Erde zweifelsfrei in der Lage ist, sich um die Sonne zu drehen. „Und sie bewegt sich doch!“, entfuhr es der Überlieferung nach dem Universalgenie, nachdem ihn der Vatikan dazu zwang, seinen eigenen Forschungen abzuschwören. „Und es geht doch“, rief Raffael Knauber, Erster Beigeordneter der Stadt Rheinbach, am Dienstagmorgen während des Richtfestes am Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach gleich zweimal aus.

Seine Botschaft: Es lässt sich mit öffentlichen und privaten Geldern bauen, ohne den Kosten- oder den Zeitrahmen zu überschreiten. Der rund eine Million Euro teure barrierefreie Gebäudekubus mit rund 125 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll am Freitag, 27. September, planmäßig eröffnet werden.

Als „reife Leistung“ bezeichnete Knauber insbesondere die Einhaltung der veranschlagten Baukosten. Denn: In Zeiten voller Auftragsbücher sei es alles andere als leicht, Handwerker zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt zu ergattern. „Wir haben Ausschreibungen für bestimmte Gewerke gestoppt, weil wir bei den eingereichten Angeboten gedacht haben: Da läuft was aus dem Ruder“, berichtete Knauber.

Das Infozentrum, baulich angebunden an den Himmeroder Hof, bilde nunmehr eine stattliche Trias zusammen mit dem im Himmeroder Hof untergebrachten Glasmuseum und dem Naturparkzentrum. Der transparente Museumsbau, in dem viel Glas verbaut ist, stellt aber aus Knaubers Sicht keinen Selbstzweck dar. „Wir möchten mit dem Römerkanal-Infozentrum ganz klar Wirtschaftsförderung betreiben“, stellte Knauber klar. Es soll nicht nur die Besucher über römische Ingenieurskunst und die Zeit der Antike informieren, sondern dank seiner Lage am Römerkanalwanderweg (siehe Kasten) auch „Umsätze und Jobs in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel geschaffen werden“.

Ausdrücklich lobte Knauber den entstehenden Glaskubus als „Hingucker“. Architektur polarisiere seine Betrachter mitunter: „Manche sagen, wie scheußlich, andere sagen, wie schön sie das Gebäude finden“, erklärte der Erste Beigeordnete und verglich es mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao, welches ebenfalls zu kontroversen Meinungen Anlass gebe.

„Wenn ich heute die vielen Menschen hier sehe, bin ich guter Hoffnung, auf ein reges Interesse, wenn das Haus in Gebrauch ist“, meinte Klaus Grewe. Der Archäologe, Beisitzer im Verein Freundeskreis Römerkanal und wissenschaftliche Berater des Vereins, liefert die Basis der ersten Ausstellung im Römerkanal-Infozentrum. Grundlage ist dabei die von Grewe kuratierte Ausstellung „Wasser für Roms Städte – wie das Wasser laufen lernte“, die in den Jahren 2014 bis 2017 in Köln rund 70 000 Besucher anlockte, in Xanten 102 000 und in Zülpich 40 000 Interessierte.

Für Architekt Wolfgang Beyß ist das Infozentrum „ein kleines Schatzkästchen“ geworden. Häuser, die der Ausstellung dienen, seien bewusst reduziert. „Das Gebäude muss sich in den Hintergrund stellen, aber auf die Ausstellung aufmerksam machen“, so Beyß. „Das Haus soll neugierig machen auf das, was in ihm zu sehen ist. Es verzichtet darauf, sich wichtig zu machen.“