Engagement der Flüchtlingshilfe

Rheinbacher helfen Flüchtlingen auf dem Weg zur Eigenständigkeit

Gemeinsames Grillen im Freizeitpark mit Rheinbacher Flüchtlingen und den Mitgliedern des Flüchtlingshelferkreises.

Gemeinsames Grillen im Freizeitpark mit Rheinbacher Flüchtlingen und den Mitgliedern des Flüchtlingshelferkreises.

Rheinbach. 370 Flüchtlinge sind zurzeit in Rheinbach registriert. Die Flüchtlingshilfe Rheinbach engagiert sich dafür, dass die Zugezogenen Teil des Arbeitsmarktes und der Stadt werden.

Ein ganz normaler Montagvormittag im offenen Treff der Flüchtlingshilfe Rheinbach im Live Sankt Martin: Renate Krämer füllt ein grünes Formular aus. Ein syrischer Familienvater hat es zusammen mit anderen Papieren aus einem großen Umschlag gezogen – die Grundschulanmeldung einer Tochter. Krämer schreibt: Name der Mutter. Fragt: Wie wird Hoppsala, der Name des Kindergartens, geschrieben? „Halb drei Jahre“ war die Tochter dort, sagt der Kurde aus Syrien. Welche Sprachen er spricht? Arabisch, Kurdisch, Türkisch und ein wenig Englisch – kaum Deutsch nach drei Jahren Aufenthalt hier. Und dann zückt er auch noch einen bunten Brief von der AOK: Eins der Kinder muss zur U 5-Untersuchung, erläutert Krämer, die von manchen auch „Mama“ oder „Oma“ genannt wird. „Wir ertrinken in Papieren“, seufzt sie.

Sechs bis sieben Betreuer beraten Flüchtlinge im offenen Treff bei Alltagsfragen. An diesem Montag waren 20 Ratsuchende da. Beim Bürokratielotsen Gert Uwe Geerdts nebenan war „die Hölle los“, die Fälle vielfältig: Ausweis verloren, Zahnärztliche Behandlung in die Wege leiten, ein falsches Kindesalter ist bei Schulanmeldung genannt worden und warum mahnt die Behörde eine Stromrechnung an, für die man längst Ratenzahlung vereinbart hatte?

Basis für alles ist die Sprachvermittlung

„Wenn aus Fremden Freunde werden“, zitiert Manfred Mertes das Motto des Helferkreises. Der versteht sich als Bindeglied zur städtischen Verwaltung, die sich auf Asylbewerber konzentriert. Wohnungs- und Arbeitssuche stehen im Mittelpunkt. Arbeitgeberlotse Gernolf Karrer hat schon etwa 150 Probanden weitergeholfen, Praktika, Hospitationen, Ausbildungsplätze, Minijobs oder Jobs vermittelt.

Dabei beobachte er, dass Flüchtlinge aus „sicheren“ Herkunftsländern wie Albanien, dem Kosovo oder Afghanistan sich zum Teil deutlicher um Integration bemühten als politisch Verfolgte. Schwarzafrikaner täten sich schwer damit, sich an die hiesige Arbeitsmentalität zu gewöhnen. Und dass eine Lehre drei Jahre dauert, sähen viele nicht ein. „Das kann ich nach drei Monaten“, irrten sie sich.

Karrer rät potenziellen Arbeitgebern, Kandidaten drei- bis sechswöchige Probezeiten anzubieten, die der Integration Point des Jobcenters kostenlos vermittelt. Dadurch wären nach seiner Erfahrung die meisten Arbeitsverhältnisse zustandegekommen. Karrer und Mertes nennen die Berufsschulen als höchste Hürde. „Es fällt vielen schwer, den Anschluss an die rasante Wissensvermittlung an den Schulen und Berufsschulen zu erreichen. Mancher wird hier scheitern“, warnt Mertes. Laut Karrer sei es einfacher, am Arbeitsplatz einen Begriff zu lernen als abstrakt in der Berufsschule.

Basis für alle Integration bildet die Sprachvermittlung. „Die Mehrheit der in Rheinbach lebenden Flüchtlinge kann sich mittlerweile leidlich verständigen und einfache Behördengänge unter Anleitung von Bürokratielotsen selbst erledigen“, so Mertes.

Von 756 Schülern sind 28 Flüchtlinge

Er hält allerdings die Zuweisung neuer Flüchtlinge durch die Bezirksregierung für problematisch, da die Mehrzahl davon ohne Bleibeperspektiven keine Integrationskurse bekommen werden. Solche Kurse aber sind vor der Arbeitsaufnahme nötig, so der Pressesprecher der Stadt Rheinbach, Norbert Sauren.

Von den Leistungsempfängern nach AsylbLG haben laut Sauren mehr als 50 eine Erwerbstätigkeit aufgenommen, davon 14 in einem Ausbildungsverhältnis. Doch für die dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt hält auch er eine fundierte Qualifizierung für unerlässlich.

Mit den schulpflichtigen Kindern der Flüchtlinge gibt es in der Gesamtschule Rheinbach keine Probleme, die es zwischen anderen Kindern nicht auch gäbe, sagt Schulleiterin Elke Dietrich-Rein auf Nachfrage des GA. „Die Kinder, die wir haben, sind in Regelklassen angedockt“, ergänzt sie. Einige erhielten zusätzlichen Deutschunterricht.

Von den 756 Schülern im kommenden Schuljahr seien 28 Flüchtlinge. Probleme mit Mädchen im Sportunterricht kennt sie keine, ähnlich bei Klassenfahrten. Das Leistungsniveau hänge besonders am Anfang stark vom Sprachvermögen ab.

Einstufung nach Sprachkenntnissen

In der Grundschule Sürster Weg werden die Kinder nach Sprachkenntnissen, nicht nach Herkunft oder Aufenthaltsstatus eingestuft. Derzeit bräuchten 45 Kinder eine spezielle Sprachförderung, berichtet Direktorin Ute Jansen. Optimal sei eine Eingliederung in die Regelklassen mit zwei Stunden zusätzlichem Deutschunterricht. Förderklassen mit einer Mindeststärke von 15 Kindern und vier Stunden Deutsch seien später eingerichtet worden. Konflikte unter den Schülern seien schon allein deswegen ausgeblieben, weil in der Grundschule schon lange 30 Nationen vertreten seien. Wichtig sei: „Sprechen, Sprechen, Sprechen“, so Jansen.

Ein ganz normaler Tag in der Containersiedlung am Schornbusch: Vereinzelt kommen Familien vom Einkaufen. Männer mit Rucksack machen sich auf den Weg in die Stadt. Sicherheitspersonal kontrolliert den Eingang. „Im Moment ist es ruhig“, bestätigt die zuständige Fachbereichsleiterin Susanne Pauk im Rathaus. Neu zugewiesene Flüchtlinge würden in dieser modernen Unterkunft mit Gemeinschaftsküchen und Sanitärräumen untergebracht. Viele Rheinbacher hätten sich an die Zugezogenen gewöhnt und umgekehrt die Flüchtlinge an ihr neues Leben.