Afrika-Hilfe Rheinbach

Rheinbacher Verein zu Besuch in Togo

Rheinbach. Eine Delegation des Rheinbacher Vereins Togo-Hilfe reiste in das westafrikanische Land. Dort besuchten die Gruppe das vom Verein geförderte Ausbildungszentrum Agerto in Kpalimé sowie jene in Akpakpakpe und Kemeni.

Die einen lieben es, stets aufs Neue an das immer gleiche Reiseziel zu fahren, für andere ist dies schier undenkbar. Michael Firmenich aus Rheinbach ist so einer, der immer wieder der selben Destination entgegenstrebt: Den Rheinbacher Optikermeister zieht es dann aber nicht zwecks Urlaub auf eine lieb gewonnene Baleareninsel oder in ein bestimmtes Bergmassiv. Zum 19. Mal nimmt der Vorsitzende und Gründer der Rheinbacher Togohilfe eine Distanz von rund 5000 Flugkilometern auf sich, um in dem westafrikanischen Land Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Während der jüngsten Expedition einer Delegation des Vereins nach Togo, das nach wie vor an zehntletzter Stelle der UN-Liste durchschnittlicher Jahreseinkommen steht, geht es den Helfern vor allem darum, die laufenden Hilfsprojekte auf Nachhaltigkeit hin zu überprüfen. So besucht die kleine Gruppe aus der Glasstadt beispielsweise das vom Verein geförderte Ausbildungszentrum Agerto in Kpalimé sowie jene in Akpakpakpe und Kemeni. Die Gäste aus Deutschland schauen auch in die Bilanzbücher der Einrichtung, wie Firmenich berichtet – des nachhaltigen Wirtschaftens wegen.

Zur Nachhaltigkeit zählt auch, in allen geförderten Ausbildungszentren Dachrinnen anzubringen, um schlicht die Haltbarkeit des Mauerwerks zu erhöhen. Und: Um das aufgefangene Regenwasser zu nutzen, hilft der Verein beim Bau von Zisternen. In Akpakpakpe und Kemeni entstehen Toilettenanlagen. „Zur Verbesserung der Hygiene ist dies besonders wichtig“, betont der Vereinsgründer.

Zudem besuchen die Rheinbacher jedes über Sozialpatenschaften geförderte Kind in Lomé und Kpalimé. Während der Gespräche mit den Familien geht es um die Entwicklung der Heranwachsenden, um Schulerfolge, Lernbedingungen und die Hygiene zu Hause. Die Reisen von Ort zu Ort sind beschwerlich, wie Stefan Raetz, Gründungsmitglied des Vereins und Rheinbacher Bürgermeister, berichtet. Die Straßen haben nicht selten tiefe Rinnen „Bei uns würde man auf solchen Wegen nicht mal wandern“, sagt er und fügt hinzu: „Aber es tut gut, alle Patenkinder zu besuchen und den Paten berichten zu können, dass die Unterstützung 1:1 ankommt und in die Bildung und Gesundheit des Kindes investiert wird.“

Am Straßenrand entdecken die Besucher aus Rheinbach viele Lehmhütten und lediglich mit Palmwedeln bedeckte Holzgeflechte. „Die Mehrzahl der Behausungen wäre für uns unbewohnbar. Meine Bauaufsicht würde ganze Städte stilllegen“, schildert der Verwaltungschef. Beeindruckend seien die Autos, die auf den Straßen führen.

Zu Herzen geht den Besuchern der Togohilfe die Stippvisite bei einer taubstummen Frau, die in einem der vom Verein unterstützten Ausbildungszentren einen Abschluss geschafft hat. Sie ist 32 Jahre alt, ihre Eltern sind verstorben. Darum lebt sie bei der 72 Jahre alten Großmutter. „Nur durch Zusehen mit einem speziellen Taubstummenlehrer hat sie die Ausbildung zur Näherin geschafft. Ein Moment, den man nicht vergisst“, findet Raetz. „Diese junge Frau hätte ohne die Unterstützung, ohne Eltern in Togo, nie eine Chance gehabt.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Wichtig sei, dass der Verein aus Rheinbach immer Hilfe zur Selbsthilfe leiste, findet das Gründungsmitglied. „Bei Schulbauten, Kindergärten, Brunnen, Krankenstationen, Ausbildungszentren, EDV-Räumen und vielem mehr bringen unsere Partner vor Ort immer einen – wenn auch kleinen – Eigenanteil“, erklärt Raetz. Zum fünften Mal ist er ins westafrikanische Land gereist. Von der Reise selbst ist ihm besonders die Zwischenlandung in Niamey, der Hauptstadt des Niger, in Erinnerung – einer „Landebahn im Nichts“, wie er beschreibt.

Eine prägende Begegnung und erneut ein Beweis dafür, wie klein die Welt doch ist, ist die Zusammenkunft mit Pater Prosper Jean Agbagnon. Als Pater der Steyler Missionare lebte er bis vor Kurzem in Sankt Augustin. 2015 half er am Togohilfe-Stand auf dem Rheinbacher Weihnachtsmarkt mit. Er stammt aus dem Ort, in dem auch Aimé Dogo wohnt, der für den Rheinbacher Verein die Hilfe im Land koordiniert. Dogo lebt in Legbassito-Madjiktom, wo die Togohilfe aus Spendengeldern ein Schulgebäude, einen Kindergarten und einen Brunnen finanziert.

Gemeinsam fahren Pater Jean und Firmenich nach Madjikpeto, wo sie die Augen der Mädchen und Jungen an der dortigen Grundschule prüfen. Den begeisterten Jubel der mehreren Hundert Kinder hält der Optikermeister auf Video fest. „Es ist immer wieder ergreifend“, findet er. „Das ist ein spannendes Erlebnis, denn die Kinder in Togo sind so erzogen, dass sie den Erwachsenen nicht in die Augen sehen dürfen“, berichtet Firmenich. Sie seien in Gegenwart von Erwachsenen sehr zurückhaltend, ja eingeschüchtert und antworteten beim Sehtest auf Fragen sehr zögerlich und sehr leise.

Mehr Informationen zum Verein gibt es auf www.togohilfe.com. Ein gutes Werk leistet etwa der Fotokalender des Vereins. Er kostet 18 Euro – jedes einzelne Exemplar finanziert die Schulkleidung für ein Kind in Togo.