Legendäre Landsturm-Sitzungen

Rheinbacher Landstürmer reisen durch die Zeit

RHEINBACH. Die Rheinbacher Variante der Stunksitzung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Zoröck un in Zukunft“. Um es gleich vorweg zu sagen: Alle Sitzungen sind ausverkauft.

Heute geht es „Zoröck un in Zukunft“: Die erste von drei Sitzungen des Rheinbacher Landsturms an drei aufeinanderfolgenden Abenden feiert unter diesem Titel Premiere in der Stadthalle. Um es gleich vorweg zu sagen: Alle Sitzungen sind ausverkauft. Was nicht verwundert. Denn die „Zwölf Söhne Rheinbachs“ sind Garanten für intelligenten Witz, Kabarett, Musik und Klamauk – alles hausgemacht. Und das seit fünf Jahrzehnten.

Sie sind ihre eigenen Ideengeber, Drehbuchautoren, Regisseure, Kulissenbauer, Schauspieler, Musiker, Tänzer, Sänger, Kabarettisten und Akrobaten. Mit Gesang, Sketchen, Dialogen und Tänzen ziehen sie voller Humor durch den Kakao, was an Personen Angriffsflächen bietet, und thematisieren Ereignisse und Themen aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Gewerbe auf allen Ebenen.

Im Hintergrund unterstützt werden die Landstürmer von vielen Helferinnen und Helfern bei Kostümen, Bühnenbild und Kulissenbau, Masken und Technik. Neu im Team der Live-Musiker ist „Gitarrengott“ Felix Rohde, dem seine Mitstreiter die „Gene von Jimi Hendrix“ bescheinigen. Neuer Tontechniker ist Sven Gaudanek, der auch schon bei „Kultur im Hof“ sein Können bewiesen hat.

Den Vorhang wollten die Landstürmer bei der Presseprobe noch nicht aufziehen. „Auf dem Bühnenbild von Manfred Dimon sind einige Gimmicks, die zu viel verraten würden“, erklärte Sprecher Peter Eich. „Wir werden auf jeden Fall in diesem Jahr viel politischer, auf kommunaler und auch auf allgemeiner Ebene. Wir kümmern uns auch um den rechten Rand, denn auch in Rheinbach gibt es ein gewisses Wiedererstarken“, kündigte er an. Einige Inhalte des rund vierstündigen Programms verrät schon der Titel „Zoröck un in Zukunft“. „Wir machen diesmal mit unserem Publikum eine Zeitreise mit einer Zeitmaschine, die das jeweilige Jahr vorgibt“, sagte Eich. So geht es zurück ins Jahr 1964 mit dem „Zeitungsjong früher“, um gleich darauf ins Jahr 2018 mit seinem „Klimawandel“ zurückzukehren. Wer sich noch an alte Fernsehzeiten und den Internationalen Frühschoppen erinnert, in dem Werner Höfer jeden Sonntag mit kettenrauchenden Journalisten aus verschiedenen Ländern bei einem oder auch mehreren Glas Wein politische Themen diskutierte, darf sich auf die Version à la Landsturm freuen: „Fünf Journalisten aus sieben Ländern“.

Ihre eigene Variante bringen die Landstürmer auch von der ersten Mondlandung im Jahr 1969 auf die Bühne. „Wir haben auch den Mauerfall 1989 neu geschrieben“, verriet Eich augenzwinkernd. Mit der Einordnung „Ewig“ thematisieren sie den Lehrermangel, in der Zukunft den Pflegenotstand. Und wie nicht anders zu erwarten: Unter „Aktuelles“ wenden sich die Landstürmer den Dauerquerelen in der Rheinbacher CDU zu mit „Peter Lustig und die CDU“. Einen besonderen emotionalen Schwerpunkt heben sich die „Söhne Rheinbachs“ bis zum Schluss auf: in Bild und Ton gibt es ein Wiedersehen mit allen Landstürmern aus den vergangenen 50 Jahren.

Dann geht es auch wieder zurück ins Jahr 1969: eine kleine Gruppe von Karnevalisten profilierte sich damals bei der internen Karnevalssitzung der Rheinbacher Stadtverwaltung als „freche und teilweise recht unbotmäßige Kommentatoren des städtischen Lebens“, wie Alt-Landstürmer Josef Muhr festgehalten hat, indem sie mit „großem Erfolg kommunale Größen sowie jene, die es sein möchten, unter die Lupe oder auf die Schippe nahmen“.

Der Landsturm war geboren. 1974 luden die Mannen zu ihrer ersten öffentlichen Sitzung in die Stadthalle. Seither haben die Landstürmer mehrerer Generationen in jedem Jahr – mit der einzigen Ausnahme 1985 – unter einem neuen Motto abendfüllende Sitzungen auf die Bühne gebracht, von der „Bure Huhzigg“ 1979 bis zu „Rheembach Royal – von Ritter Spocht bis Lady Gaga“ im Jahr 2018.