50 Jahre Offene Tür in Rheinbach

Rheinbacher Band Tiebreaker beendet Karriere im Jugendzentrum

Rheinbach. Die Rheinbacher Band startete in dem Jugendzentrum ihre Karriere – und beendet sie nun auch dort mit einem Konzert. BAP-Chef Wolfgang Niedecken verbrachte als Jugendlicher viel Zeit in der Einrichtung.

Verdamp lang her ist es, dass sich vier junge Rheinbacher im Partykeller der Familie Schumacher trafen und beschlossen, eine Band zu gründen. Das war im Herbst 1972. Jetzt soll Schluss sein. Am Samstag, 5. Mai, geben die Tiebreaker nach etwa 250 Auftritten in 46 Jahren ab 19 Uhr ihr letztes Konzert. Und zwar dort, wo alles angefangen hatte: in der Offenen Tür in Rheinbach. „So schließt sich der Kreis“, sagt Sänger Bernd Schumacher.

Das genaue Datum der Gründung lässt sich nicht mehr ermitteln. Es waren Bernd und Arno Schumacher, Hein Pelzer und Wilfried Hennig, die sich zunächst nur die Finger wund probten. 1974 stand das erste private Konzert für die Tennisspieler des TC Rot-Weiß Rheinbach in deren Clubhaus an.

Anfang Mai 1975 wagten sie dann ihr erstes öffentliches Konzert: und zwar in der Offenen Tür in Rheinbach. Gemessen an der Besucherzahl war es ein Reinfall. Doch die acht Leute, die da waren, hatten ihren Spaß, darunter auch ihr alter Kumpel Wolfgang Niedecken, der seine Internatszeit in den 1960er Jahren in Rheinbach verbracht hatte und 1976 BAP gründen sollte.

„Wir wollten an alte OT-Zeiten anknüpfen und wieder Live-Musik bieten, doch die Jugendlichen standen wohl eher auf aufgelegte Hits vom Plattenteller“, erinnert sich Sänger Bernd Schumacher, der damals dem jungen Mick Jagger recht ähnlich sah. So spielte die noch namenlose Band denn auch in der Tradition von The Troop und wegen ihrer Vorliebe für die britische Band viele Songs der Rolling Stones wie etwa „Jumpin' Jack Flash“ und „Brown Sugar“.

Auftritt an Weiberfastnacht 1977

Wolfgang Niedeckens The Troop war sozusagen die Vorgängerband der späteren Tiebreaker. Bassist Hein Pelzer und Drummer Wilfried Hennig hatten schon bei The Troop gespielt, ehe sie mit den Schumacher-Brüdern die neue Gruppe gründeten. Niedecken hatte Anfang der 1970er Jahre Rheinbach verlassen, um in Köln Kunst zu studieren. Außerdem tingelte er mit Gitarre und Dylan-Songs im Gepäck durch die Kölner Kneipen-Szene, was ihm schnell den Beinamen „Südstadt-Dylan“ einbrachte.

Nach dem gescheiterten Experiment in der Offenen Tür gab es zunächst mal keine weiteren Konzerte. Doch die Jungs, seit 1974 ergänzt um den Solo-Gitarristen Walter Jansen, ließen sich nicht entmutigen. Weiberfastnacht 1977 traten sie erstmals in der Gaststätte Lurheck auf, was zur Tradition werden sollte. Im Juni 1978 hatte die Band dann endlich einen Namen. Für ein Konzert in Bad Münstereifel mussten Plakate gedruckt werden. Und da in diesem Jahr im Tennis der Tiebreak eingeführt wurde, schlug Hein Pelzer den Namen „Tiebreaker“ vor. Dabei blieb es, und dieser Name sollte sich zu einer Marke für Rock und Blues in der Rheinbacher Region entwickeln.

Ab 1984 konzentrierte sich die Band nur noch auf Rock und Blues. Das deshalb, weil die Auftritte bei Tanzveranstaltungen, wo sie „nur“ die Hintergrundmusik lieferten, die Musiker zunehmend frustriert hatten. 1985 folgte der erste Auftritt beim Rheinbacher Stadtfest im Hof der Bäckerei Henrich. 1987 musste sich Drummer Wilfried Hennig einer Nierentransplantation unterziehen.

Konzerte mit Wolfgang Niedecken

Im März 1990 folgte dann ein erster Höhepunkt in der Bandgeschichte: Beim Konzert in der Stadthalle verstärkten Wolfgang Niedecken sowie Schmal Böker und Effendi Büchel von BAP die Tiebreaker. 1996 und 2001 folgten zwei weitere Konzerte mit Niedecken. 1992 ersetzte Adi Hambach Klaus Wache am Keyboard. 2001 stellte die Band ihre CD „Die andere Sick“ mit eigenen Songs in der Schützenhalle vor. 2004 übernahm die Band die Patenschaft über das Projekt „Schule ohne Rassismus“ des Sankt-Joseph-Gymnasiums. Zum 50-jährigen Bestehen der Stones spielten die Tiebreaker 2011 im „Ahorn“ ein Konzert mit lauter Stones-Songs. Beim BAP-Konzert in Rheinbach 2012 spielten die Tiebreaker mit Niedecken „Sympathy for the Devil“. 2014 ersetzte Johnny Brauweiler den Gitarristen Walter Jansen. Im August 2016 starb Drummer Wilfried Hennig im Alter von 66 Jahren.

Nun folgt das letzte Konzert mit Songs der Stones, von BAP und Jimi Hendrix. „Aber man soll ja nie nie sagen“, hält sich Bernd Schumacher ein Hintertürchen offen. Die Band habe so lange Bestand gehabt, weil sie immer moderat geprobt und sich nie zu hohe Ziele gesetzt habe: „Wir sind keine Profis, haben alle unseren Beruf gehabt, und es hat uns immer Spaß gemacht. Die Musik hat uns uns sehr viel gegeben.“

Abschiedskonzert Tiebreaker: Samstag, 5. Mai, ab 19 Uhr im Jugendzentrum Offene Tür in Rheinbach, Hauptstraße. Unkostenbeitrag zehn Euro. Überschuss kommt der Offenen Tür zugute. Karten im Vorverkauf bei Fliesen Gruber und Kosmetik Graja in Rheinbach und an der Abendkasse.