Verdun in Erinnerung behalten

Rheinbach plant mit Douaumont "Partnerschaft des Friedens"

Douaumont/Rheinbach. Rheinbach und die bei Verdun gelegenen Gemeinden Douaumont und Vaux-devant-Damloup wollen eine Partnerschaft schließen. Geplant ist die Gründung einer „Partnerschaft des Friedens“.

Die Hölle von Verdun steht stellvertretend für die Schrecken des Ersten Weltkrieges. Militärhistoriker schätzen, dass in der Schlacht, die vom 21. Februar bis zum 19. Dezember 1916 dauerte, mindestens 350.000 Soldaten starben. Seit mehreren Jahren pflegen der Gemeindeverbund Douaumont und Vaux-devant-Damloup, zwei der villages détruits (zerstörte Dörfer) aus dem Ersten Weltkrieg nahe Verdun, die sich demnächst zu einer einzigen Gemeinde zusammenschließen, und die Stadt Rheinbach freundschaftliche Verbindungen.

Da sich das Kriegsende in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, planen die Bürgermeister Olivier Gérard (Douaumont) und Stefan Raetz (Rheinbach) auf Anregung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die in Verdun Politische Bildung und Forschungsprojekte umsetzt, ihre Beziehungen zu intensivieren.

Nach entsprechenden Beschlüssen im November in den Gemeinderäten von Douaumont und Vaux-devant-Damloup, die sich 2019 zu einer einzigen Gemeinde zusammenschließen werden, obliegt es nun dem Stadtrat von Rheinbach, ebenfalls der Gründung einer „Partnerschaft des Friedens“ zuzustimmen. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag finden die Politiker in den Unterlagen für die nächste Ratssitzung am Montag, 17. Dezember.

Geschichte des Krieges den Schülern vermitteln

Olivier Gérard, der auch Direktor des Gebeinhauses von Douaumont ist, in dem die Überreste von 130.000 nicht identifizierten Opfern des Ersten Weltkrieges bestattet sind, und Stefan Raetz trafen sich kürzlich in Rheinbach mit Vertretern aller im Rat der Stadt Rheinbach vertretenen Fraktionen, dem Leiter der Kommunalakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Philipp Lerch, und den Militärhistorikern Markus Klauer (Lille, Frankreich) und Peter Baus (Rheinbach).

Sie besprachen die Modalitäten und mögliche Aktivitäten einer symbolischen Partnerschaft. Die Zusammenkunft, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, soll im symbolträchtigen Jahr 2018 eine dauerhafte, von Interesse und Freundschaft geprägte Partnerschaft begründen. Darin waren sich alle Beteiligten einig.

Bürgermeister Raetz sagte: „Schwerpunkt der Partnerschaft soll sein, Schüler aus Rheinbach vor Ort über die dramatischen Folgen des Ersten Weltkrieges mit mehr als 17 Millionen Toten zu unterrichten. Die schweren Zeiten der Soldaten, ihrer Familien und der Zivilbevölkerung dürfen nicht in Vergessenheit geraten.“

Bürgermeister Gérard aus Douaumont: „Es ist wichtig, dass wir die Erinnerungen an diese Zeit gemeinsam, als deutsche und französische Europäer, an die nächste Generation übergeben. Dafür wollen wir Begegnungen zwischen den Bürgern unserer Kommunen schaffen und gemeinsam den Frieden in Europa fördern.“

Alle 40 Sekunden wurde ein Mensch verletzt oder getötet

Philipp Lerch, Leiter der Kommunalakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung: „Die Schlacht von Verdun beendete oder verstümmelte über 300 Tage lang alle 40 Sekunden ein Menschenleben. Sie mahnt Deutschland und Frankreich, in Freundschaft zu leben und Verantwortung für Europa zu übernehmen.“ 1914 bestand Douaumont aus 52 Häusern. Erst Anfang 1916 ließen die französischen Militärbehörden das Dorf räumen. Die deutschen Angriffe standen dort kurz bevor: Am 21. Februar 1916 begann die Schlacht von Verdun. Sie sollte als apokalyptisches Inferno in das kollektive Gedächtnis der Franzosen und Deutschen eingehen. Zeitgenossen haben das Martyrium als „Glutofen“, „Knochenmühle“ und „Blutpumpe“ beschrieben – oder aber, oft lebenslang, dazu geschwiegen.

Am Morgen des 21. Februar 1916 lag der Ort noch mehr als sechs Kilometer hinter den vorderen französischen Linien. Doch bereits am 25. Februar 1916 stürmten deutsche Truppen gegen das stark befestigte Dorf an. In den Nachmittagsstunden eroberten die Deutschen das nur gut 500 Meter von Douaumont entfernte Fort Douaumont. In den folgenden Tagen konzentrierten sich die deutschen Angriffe vor allem auf das Dorf Douaumont. Am 4. März eroberten die Deutschen nach schwerem Granatbeschuss und verlustreichen Kämpfen die Ortschaft. Dabei geriet auch ein französischer Hauptmann verwundet in Gefangenschaft: Charles de Gaulle.

Bis zum Juli 1916 richteten sich die weiteren deutschen Angriffe auf die benachbarte Kleinstadt Verdun. Am 24. Oktober 1916 startete die französische Seite eine groß angelegte Offensive, um das im ersten Halbjahr 1916 verloren gegangene Gelände wiederzugewinnen. Noch am selben Tag wurde Douaumont zurückerobert. Das ununterbrochene Artilleriefeuer hatte den Ort inzwischen nahezu komplett ausgelöscht.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, der in Frankreich als „Grande Guerre“ gilt und untrennbar mit der Stadt Verdun und dem Dorf Douaumont verbunden ist, richteten die französischen Behörden am ehemaligen Schlachtfeld eine „Rote Zone“ ein. Dort sollten wegen vieler bis heute nicht geborgener und bestatteter Gefallener, wegen der totalen Zerstörung der Häuser, wegen unzähliger Blindgänger und Kampfstoffe, vor allem Giftgas, jegliche Bautätigkeiten auf Jahre unterbleiben. Douaumont teilt dieses Schicksal mit acht weiteren „villages détruits“ in seiner Umgebung, die nicht wieder aufgebaut werden konnten.