Altes Mauerwerk

Restauratoren beginnen bald an der Tomburg

Bauingenieur Josef Axer zeigt Mauern der ehemaligen Wirtschaftsgebäude, die ebenfalls stabilisiert werden müssen. Das Problem: Die Mauern liegen unmittelbar an einem steil abfallenden Hang.

Bauingenieur Josef Axer zeigt Mauern der ehemaligen Wirtschaftsgebäude, die ebenfalls stabilisiert werden müssen. Das Problem: Die Mauern liegen unmittelbar an einem steil abfallenden Hang.

Rheinbach-Wormersdorf. Nicht mehr lange, dann beginnen die Sanierungsarbeiten an den alten Mauern der Ruine Tomburg. Und die wollen sorgsam geplant sein. Ein Überblick.

Anlässlich der Sicherung der Ruine der Tomburg hat ein Fachmann von der Stadt Rheinbach den Zuschlag bekommen, der sich mit mittelalterlichen Gemäuern auskennt. Bauingenieur Josef Axer hat sich in dem Metier bereits bei einer Reihe anderer Projekte einen Namen gemacht. Etwa anlässlich umfangreicher Sanierungsarbeiten auf der Burg Blankenberg bei Hennef, im Akademischen Kunstmuseum in Bonn sowie bei ähnlichen Aufträgen an den Burgen Hemmerich, Heimerzheim, Lüftelberg und der Burg Adendorf.

Altes Mauerwerk wiederherzustellen und zu erhalten, ist sozusagen eine Spezialität von Axers Team. Genau darum geht es auch bei dem geplanten Projekt auf der Tomburg, das noch Ende des Jahres abgeschlossen werden soll. Das Ganze ist durchaus ambitioniert, wie Axer bei einer Ortsbesichtigung aufzeigte.

Bereits die Einrichtung eines Baustellenlagers in dem kleinen Waldstück am Fuße der Burg wird im Wortsinne zu einem Kraftakt für alle Beteiligten. Das liegt schon daran, „dass es weder Strom noch Wasser auf der Burg gibt“, so der Bauingenieur. Beides wird aber gebraucht, weil Mörtel angerührt und dann teilweise mittels eines sogenannten Trockenspritzverfahrens mit acht bis zehn Bar auf das alte Mauerwerk aufgebracht werden muss. „Die Flankenhaftung des Mörtels ist dann besser“, so fallen die Erfahrungen des Experten aus.

Dass die Baustelleneinrichtung im schwer einzusehenden Waldstück angelegt werden muss, und nicht auf einem Stück Wiese davor, scheiterte laut Axer am Veto des Amtes für Umwelt- und Naturschutz des Rhein-Sieg-Kreises. Dort befürchtete man schwerste Schäden für Flora und Fauna, weil ein etwa zwölf Quadratmeter großer Mahd-Streifen hierfür vorübergehend in Anspruch genommen werde. Axer wiederum hat nun die Sorge vor Diebstahl und Vandalismus, der immer wieder an der Tomburg vorkommt. Was die Lage der Tomburg ebenfalls mit sich bringt: Alles Material muss mühselig hoch auf den Berg geschleppt werden, was allein rund 25 000 Euro Kosten für den Transport verursacht. Der Rhein-Sieg-Kreis weist die Kritik zurück: „Der Mahd-Streifen liegt in einem Naturschutzgebiet“, so Sprecherin Rita Lorenz. „Da konnten wir gar keine Ausnahme genehmigen.“

Dann zeigt Axer jenen Teil der Burg, auf den sich die Arbeiten konzentrieren werden: Es geht um das etwa 40 Quadratmeter große Areal, das unmittelbar zwischen Bergfried und dem etwa 40 Meter tief abfallenden Hang eines Steinbruchs liegt. „Da, wo jetzt die Abrisskante des Steinbruchs ist, stand im Mittelalter in Teilen noch die Burgmauer, die dann in den Steinbruch gestürzt ist“, so Axer.

Was ihn interessiert, aber derzeit noch wegen der üblichen jahreszeitlichen Vegetation nur schwer zu erkennen ist: Unmittelbar an die ehemalige Burgmauer schloss sich ein Trakt aus Wirtschaftsgebäuden an, deren Mauern teils noch mehr oder weniger gut erhalten sind, und die zum Teil in den 70er Jahren aufgemauert wurden. Nur: Die vor rund 40 Jahren eingebrachten Zementfugenmörtel haben nicht gehalten, so Axer, „weil sie nicht über die erforderliche Fugentiefe und Flankenhaftung verfügen und zu hart für die verwendeten Steine sind“.

Die alten Fugen müssen nun in mühevoller Kleinarbeit weggestemmt und ersetzt werden. Die Abdeckungen der Aufmauerungen werden mit Trasskalkmörtel erfolgen. „Der ist widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse als der früher verwendete Kalkmörtel“, betont Experte Axer.

Auch gehört es zu seiner Aufgabe, jene bislang noch weitgehend im Erdreich verborgenen Mauern, die nur ein paar Zentimeter aus dem Boden lugen, zu sichern und um rund 40 Zentimeter aufzumauern. „Damit sollen die erhaltenen historischen Mauerwerkteile gesichert und sichtbar gemacht werden“, sagt er.

Bevor allerdings die Mitarbeiter einer Fachfirma aus Wismar ihr Werk beginnen können, muss der Bewuchs entfernt werden. Dazu gehören vor allem jene Büsche, Sträucher und Bäume, die zwischen den Fundamenten wachsen. Das übernehmen teilweise Helfer der Neuen Pfade, erklärt Axer. Zur Wiederherstellung der Außenschale an der Außenwand der Burg zum Steinbruch hin, die durch starken Wurzeleinwuchs abgesprengt wurde, muss zudem eine aufwendige Arbeitsplattform erstellt werden, um die nötige Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Kosten: rund 7000 Euro.