Flüchtlingsunterbringung in Rheinbach

Raetz: Sporthallen bleiben tabu

Rund 400 Bürger waren zur Informationsveranstaltung in die Stadthalle gekommen.

Rund 400 Bürger waren zur Informationsveranstaltung in die Stadthalle gekommen.

21.01.2016 Rheinbach. Rheinbachs Bürgermeister stellt vor 400 Zuhörern in der Stadthalle die Pläne für neue Flüchtlingsunterkünfte vor. Auf der Fläche am Schornbuschweg hinter den Tennishallen, an der Straße Richtung Palmersheim gelegen, sollen Containerunterkünfte für mehrere Hundert Asylsuchende entstehen.

Dem Vorwurf, in der Flüchtlingssituation etwas beschönigen zu wollen, wollte sich Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) gar nicht erst aussetzen. „Wenn die Dynamik der Zuweisung so anhält, dann schaffen wir das nicht“, erklärte der Verwaltungschef während der Bürgerinformation zur Unterbringung von Asylsuchenden vor rund 400 Zuhörern in der Stadthalle.

„Europa hat in dieser Frage versagt“, sagte Raetz. Ausbaden müssten dies die Kommunen, die schließlich ganz am Ende der Verteilungskette stünden. Dennoch, so der Christdemokrat, habe auch die Glasstadt ihre Hausaufgaben zu machen, um die Flüchtlinge unterzubringen.

„Die menschenwürdige Unterbringung ist der erste Schritt zur Integration“, meinte auch der Erste Beigeordnete Raffael Knauber, bei dem im Rathaus die Fäden zu allen Flüchtlingsfragen zusammenlaufen. Schnell muss es gehen: Auf der Fläche am Schornbuschweg hinter den Tennishallen, an der Straße Richtung Palmersheim gelegen, sollen Containerunterkünfte für im ersten Schritt 250 Asylsuchende entstehen (der GA berichtete). Im Mai sollen drei zweistöckige Containermodule am Rand der Kernstadt bezugsfertig sein. „Wir müssen in die große Lösung gehen. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und drücken die Wand durch“, so Knauber.

Warum ausgerechnet dieses Areal unweit des Wohngebiets Rodderfeld ausgesucht worden sei, wollte ein Zuhörer wissen? „Weil wir dort auf einer städtischen Fläche bauen dürfen“, erklärte Raetz. „Mitten auf einem Acker, weit weg von allem, geht das nicht.“

Bevor am Schornbuschweg ein zweiter Bauabschnitt für noch einmal 250 Menschen realisiert wird, sucht die Stadt nach einem alternativen Containerstandort – beispielsweise den alten Sportplatz der Pallottiner am Weilerfeld. Und: Trotz der umfangreichen Bauarbeiten – weitere Projekte sind noch an der Brahmsstraße und am Pallotti-Kolleg geplant – wird es laut Raetz 2016 keine Steuererhöhungen wegen der Flüchtlingsaufgabe geben.

Raetz: „Die Integration über den Sport ist sehr wichtig.“

Raetz betonte die Absicht, weiterhin keine Turnhallen zur Unterbringung der Asylsuchenden in Beschlag zu nehmen. „Die Aussage ist mutig. Aber wenn ich die erste Sporthalle in Beschlag nehme, werden auch die nächsten und die übernächsten genutzt werden“, befürchtet er. Nicht nur für sporttreibenden Bürger und die örtlichen Vereine seien die Sporthallen elementar wichtig, sondern auch um den Flüchtlingsansturm zu bewältigen. „Die Integration über den Sport ist sehr wichtig.“

In unterschiedlichen Fragestellungen gaben einige Zuhörer ihrer Sorge nach der Sicherheit Ausdruck, wenn bis zu 500 Flüchtlinge am Schornbuschweg auf engstem Raum für längere Zeit zusammenleben. Bislang, so schilderte Karl-Heinz Hennigs, Chef der Rheinbacher Polizeiwache, sei es in der Glasstadt in den vergangenen Monaten zu keinem signifikanten Anstieg der Kriminalität gekommen, ebenso gebe es keine Schwerpunkte für Verbrechen in Rheinbach.

Andreas Piatkowski, Leiter der Polizeiinspektion 2, die zuständig ist für die Bonner Stadtteile und den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis , unterstrich: „Wir fahren die Unterkünfte regelmäßig an.“ Und dies geschehe aus mehreren Gründen – einerseits um die Flüchtlinge vor Übergriffen zu schützen, andererseits um zu sehen, dass es innerhalb des Heimes oder im Umfeld keine Konflikte gebe. Für die „tollen Tage“ kündigte der Polizeichef an: „Wir stellen uns stark auf im Karneval – stärker als normal. Und wir werden konsequent durchgreifen.“ Auf Nachfrage berichtete er, „notfalls Beamte aus anderen Bereichen zu holen“, wie Euskirchen oder Köln. Wie viele Beamte in Rheinbach ständig eingesetzt sind, wollte Piatkowski „aus taktischen Gründen“ nicht sagen.

Eine Mutter von zwei Kindern wollte wissen, ob die Flüchtlingskinder mit ihren um die begehrten Kindergartenplätze konkurrierten? „Nein, der Anspruch auf einen Kita-Platz gibt es für Flüchtlinge nicht – für Sie ja“, so Raetz. Ein Besucher warb für noch mehr ehrenamtliches Engagement in Sachen Integration: Wenn 28 000 Rheinbacher jeweils nur eine Stunde in der Woche Integrationsarbeit leisteten, wäre das Problem wohl gelöst. „Damit aus Fremden Freunde werden“, sagte er. Ein Schlusswort, welches die Zuhörer mit Beifall belohnten. (Mario Quadt)