Antikes Bauwerk

Römerkanal bekommt ein Museum in Rheinbach

Rheinbach. Es soll ein zentraler Anlaufpunkt rund um den Römerkanal, die Wasserleitung der Römer, die auch heute, 2000 Jahre nach ihrem Bau, noch als technische Meisterleistung gilt werden: Mit dem symbolischen Spatenstich beginnen die Arbeiten zum Römerkanal-Infozentrum.

Dichterfürst Schiller ist es, der Ruth Fabritius während einer dienstlichen Besprechung mit Raffael Knauber, Erster Beigeordneter der Stadt Rheinbach, plötzlich in den Sinn kommt. Die Chefin des Rheinbacher Glasmuseums und Leiterin des Fachbereichs Kultur-Museen, wählt Worte aus Schillers „Bürgschaft“: „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der dritte.“ Auf diese gereimt vorgetragene Weise drückt die Hüterin der Rheinbacher Glasschätze ihre Zustimmung dafür aus, dass das geplante Römerkanal-Infozentrum ein Teil des Kultur- und Veranstaltungszentrums Himmeroder Wall werden soll. Vier Jahre nach diesem Dialog, so erinnert sich Fabritius, wird das Museum zu Ehren des antiken Bauwerks Wirklichkeit. Mit dem symbolhaften Spatenstich nimmt das eine Million Euro teure Projekt erkennbar Fahrt auf.

Der barrierefreie Bau am Himmeroder Wall mit rund 140 Quadratmetern Ausstellungsfläche schließt sich an den Himmeroder Hof an und wird sowohl das dort beheimatete Glasmuseum als auch das Naturparkzentrum des Naturparks Rheinland ergänzen. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als sinnvolle Ergänzung zueinander“, sagt Fabritius. „Gemeinsam wollen wir neue Zielgruppen erschließen.“

Wasserleitung wurde vor rund 2000 Jahren gebaut

Weitaus länger als die poetisch untermalte Dienstbesprechung vor vier Jahren liegt das erste Treffen des Vereins „Freundeskreis Römerkanal“ zurück, der die Spuren der antiken, 95,4 Kilometer langen Wasserverbindung von Nettersheim in der Eifel bis nach Köln in einem Museum sicht- und erlebbar machen möchte – zehn Jahre nämlich. „Schon in der Einladung zu unserem ersten Treffen 2008 stand das Römerkanal-Infozentrum auf der Tagesordnung“, berichtet Lorenz Euskirchen, Vorsitzender des Freundeskreises Römerkanal. Emsig setzen sich die 240 Mitglieder des Vereins seitdem dafür ein, dass an der Wegstrecke des Römerkanals und des neuen Römerkanal-Wanderwegs ein Infozentrum zur Geschichte und zur Technik des beeindruckenden Aquädukts entstehen kann – mit Erfolg.

Hintergrund: Der Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim nach Köln folgt der vor rund 2000 Jahren gebauten Wasserleitung der Römer, die das römische Köln Tag für Tag mit großen Mengen frischem Wasser aus der Eifel versorgte. Im Jahr 2012 wurde der bereits 1988 eröffnete Wanderweg als Gemeinschaftsprojekt der Naturparke Rheinland und Nordeifel, des Eifelvereins, des Landschaftsverbands Rheinland, der Tourismusorganisationen Köln Tourismus, Rhein-Erft Tourismus, Rhein-Voreifel Touristik und Nordeifel Tourismus GmbH, des Freundeskreises Römerkanal sowie der zwölf beteiligten Städte und Gemeinden modernisiert (der GA berichtete). Mit dem Römerkanal-Informationszentrum soll nun ein neuer Anlaufpunkt geschaffen werden, der Interessierte in die Region lockt.

Ein Symbol für die Region

So ist das „Leuchtturmprojekt“, so Euskirchen, eines, das Strahlkraft bis weit über die Region hinaus besitzt, findet Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz. „Es ist ein regionales Projekt, das alle Kommunen entlang der Wegstrecke des Römerkanals und darüber hinaus anspricht“, so Raetz, der allen Geldgebern, Institutionen und Unternehmen für ihren Beitrag zur Rheinbacher Herzensangelegenheit dankt. Unter anderem fließen Gelder aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, um das Glasgebäude zu ermöglichen. „Das hätten wir als Stadt in der Haushaltssicherung gar nicht stemmen können“, so der Verwaltungschef. Laufen alle Bauarbeiten nach Plan soll das Römerkanal-Infozentrum Ende Oktober nächsten Jahres seine Pforten öffnen können.

Als Basis für die erste Ausstellung dient die von Professor Klaus Grewe kuratierte Ausstellung „Wasser für Roms Städte“, die in den Jahren 2014 bis 2017 in Köln rund 70 000 Besucher anlockte, in Xanten 102 000 und in Zülpich 40 000 Interessierte. Der Archäologe, zugleich Beisitzer des Freundeskreisvorstands und wissenschaftlicher Berater des Vereins, nahm den symbolhaften Spatenstich sichtbar erfreut zur Kenntnis: „Schön, dass die Bauarbeiten endlich beginnen – ein großer Tag.“