„Wasser für Roms Städte“

Römerausstellung zieht von Zülpich nach Rheinbach

Rheinbach/Zülpich. Eine Ausstellung zur eindrucksvollen Ingenieurskunst der Römer in Sachen Wasserversorgung wird bald in Rheinbach zu bewundern sein. Sie bildet das Herzstück des neuen Römerkanal-Infozentrums, das am 27.September eröffnet wird.

Mit hohen Stadtmauern erwehrten sich die Menschen in früheren Zeiten ungebetener Gäste, die sich der Reichtümer ihrer Stadt bemächtigen wollten. „Ein Bürgermeister gibt ungern ab“, sagt auch Ulf Hürtgen, Bürgermeister der Stadt Zülpich. In seiner Stadt sind die mittelalterlichen Stadtmauern noch zu 90 Prozent erhalten, dennoch ließ der Verwaltungschef nicht alle vier ebenfalls erhaltenen Stadttore Zülpichs unverzüglich schließen, als sich jetzt eine Delegation aus Rheinbach anschickte, sich eines Schatzes der Römerstadt zu bemächtigten: der Ausstellung „Wasser für Roms Städte“. Die Schau, die die enorme antike Ingenieurskunst der Römer zur Wasserversorgung auf eindrucksvolle Weise zeigt, ist in wenigen Wochen das Herzstück des Römerkanal-Infozentrums in Rheinbach, das am Freitag, 27. September, offiziell eröffnet wird.

Auf sieben Paletten ist bereits kunstvoll verpackt, was die Besucher der Römerthermen Zülpich, dem Museum für Badekultur, während der Landesgartenschau 2014 bestaunen konnten. Nachdem sich mehr als 20 000 Menschen die von Professor Klaus Grewe, Archäologe, Beisitzer im Verein Freundeskreis Römerkanal und wissenschaftlicher Berater des Vereins, zusammengestellte Ausstellung angesehen haben, zog die Schau ins Römisch-Germanische Museum nach Köln um, wo sie von 70 000 Menschen besucht wurde. Der anschließende Ausstellungszeitraum im LVR-Archäologischen Park/Römermuseum in Xanten musste wegen des großen Interesses verlängert werden, so dass 102 000 Besucher die Exponate studieren konnten.

Nun findet der Besuchermagnet seine dauerhaften Bestimmung im Römerkanal-Infozentrum (siehe Kasten). Dort soll die Schau nicht nur den Wanderern auf dem Römerkanalwanderweg, sondern auch Interessierten aus der Region, Schulklassen und nicht zuletzt den Touristen tiefgreifende Einblicke in die römische Bautechnik vermitteln und zum Erhalt des Wissens um die drittlängste Wasserleitung der Römer beitragen, die mit einer Tagesleistung von 20 Millionen Litern besten Trinkwassers aus der Eifel Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln, versorgte. „Diese Ausstellung findet einen würdigen Platz in Rheinbach“, erklärt Hürtgen, der von 2001 bis 2005 Erster Beigeordneter in Rheinbachs Nachbarkommune Meckenheim war.

Hilfe mehrerer Förderer

In „einem Anflug von Größenwahn“ habe sich die Stadt verpflichtet, die erfolgreiche Schau nach Rheinbach zu holen und sie an einem angemessenen Ort darzustellen, schilderte Raffael Knauber, Erster Beigeordneter. Mit der finanziellen Hilfe mehrerer Fördermittelgeber sei es aber gelungen, die Vision eines Römerkanal-Infozentrums Wirklichkeit werden zu lassen.

Zwar rufe die Architektur des Neubaus am Himmeroder Wall mitunter auch Widersprüche hervor, räumt Knauber ein, „ein Hingucker“ sei der Glaskubus nach seinem Empfinden aber in jedem Fall. „Der sehr modernistische Baukörper sorgt für Diskussionen. Das soll Architektur auch“, sagte Knauber. Dass das Infozentrum der Schau „Wasser für Roms Städte“ eine dauerhafte Heimstatt geben werde, sei ein unbestreitbarer Anziehungspunkt für viele Besucher – insbesondere für Touristen.

Nicht leichten Herzens ließ Museumsleiterin Iris Hofmann-Kastner die erfolgreiche Exponatsammlung ziehen. „Sie hat die Besucher begeistert“, sagte sie. Der Erfolg der Schau sei leicht erklärt: „Es war einfach eine tolle Ausstellung“, so Iris Hofmann Kastner. Dass der Standort des Römerkanal-Infozentrums mit Bedacht ausgewählt und keinem Zufall geschuldet sei, unterstrich auch Frank Scheer, stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbands Naturpark Rheinland.

„Rheinbach liegt exakt auf der Hälfte des Römerkanal-Wanderwegs“, erläuterte Scheer. Hintergrund: Entlang der 95,4 Kilometer langen Wasserleitung von Netterheim nach Köln verläuft der 116 Kilometer lange Römerkanal-Wanderweg, der in sieben Etappen unterteilt ist.

Grewe, der sich 40 Jahre lang intensiv mit Aquädukten und dabei besonders mit der Eifelwasserleitung wissenschaftlich beschäftigt hat, spricht von „einem glücklichen Umstand“, dass „in Zeiten knapper Kassen“ rund eine Million Euro an Fördergeldern für das Infozentrum aufgebracht werden konnte. Dem Archäologieprofessor spricht Lorenz Euskirchen, Vorsitzender des Freundeskreis Römerkanal, seinen Dank für dessen Engagement in Sachen Römerkanal-Infozentrum aus. „Klaus Grewe gibt uns die fachliche Sicherheit bei diesem lange ersehnten Projekt“, schildert Euskirchen.

Einen „neuen Drive“ für das Bürger- und Kulturzentrum Himmeroder Hof erhofft sich Ruth Fabritius, Leiterin des Glasmuseums Rheinbach, von der neuen Trias aus Infozentrum, Glasmuseum und Naturparkzentrum. Und: Der Römerkanal-Wanderweg lohne seine Mühen. „Wir sind ihn jüngst erst komplett erwandert. Er bietet ein vielfältiges Landschafts- und Kulturerlebnis“, so Fabritius.