Der Stadtpressesprecher von Rheinbach ist ab heute Ruheständler

Peter Feuser ist dann mal weg

Letzter Arbeitstag: Peter Feuser verpackt den letzten Karton.

Letzter Arbeitstag: Peter Feuser verpackt den letzten Karton.

02.01.2016 Rheinbach. Klein fängt jeder mal an. Bei Peter Feuser sind es 113 Mark brutto, die der Verwaltungslehrling ab August 1967 monatlich zur Vergütung seiner Tätigkeit bei der Stadt Rheinbach erhält. Aber: Groß ist bereits der Schreibtisch an dem der 14-Jährige im ehrwürdigen Haus des früheren Landratsamtes an der Schweigelstraße Platz nimmt.

In Zeiten, da Computer noch als Science-Fiction gelten, müssen Schreibtische groß sein. "Die Blätter für Gehaltsbuchungen waren halb so groß wie dieser Konferenztisch", berichtet der scheidende Stadtpressesprecher im Gespräch mit dem GA. Der heutige 2. Januar ist für den Neu-Pensionär der erste Nichtarbeitstag nach 48 Jahren in kommunalen Diensten.

Über 20 Jahre ist Feuser das Sprachrohr der Stadt. Seit 2008 leitet er ferner den wichtigen Fachbereich Rat, Stadtmarketing, Ordnung und Soziales. Heißt: Es gibt nichts, was nicht über seinen Schreibtisch geht. Der steht übrigens im gleichen Büro wie während seiner kommunalen Pionierzeit. Wer ihm im Rathaus ohne korrekt gebundene, modische Krawatte um den Hals entdeckt, muss an seiner Sehfähigkeit Zweifel nehmen. "Eine Krawatte ist hier im Haus keine Pflichtkleidung", sagt er. "Ich habe sie gern im Dienst getragen, ungern in der Freizeit."

Im Bruchteil einer Nanosekunde hat Peter Feuser die Antwort auf die Frage parat, wie viele Bürgermeister er hat kommen und gehen sehen in fast fünf Jahrzehnten Glasstadtverwaltung: "Es waren drei: Heinz Büttgenbach, Hans Schellenberger und Stefan Raetz." Aber nicht die jeweils neuen Mächtigen auf dem Chefsessel bringen die größten Veränderungen im Arbeitsalltag. Kollege Computer stellt allerlei Tätigkeiten auf den Kopf. "Die Einführung der PCs war ein enormer Schritt", erinnert sich der 63-Jährige. Beispiel: Ohne Prozessorenhilfe stapeln sich zur Erstellung des nicht weniger als 500 Seiten starken Haushaltsplans Papierberge auf Tischen im großen Sitzungssaal.

"Die mussten alle per Hand zusammengelegt werden. Tagelang haben wir nichts anderes getan." Heute ist der Etatplan, meist auf zwei Jahre ausgelegt und mit der Finanzplanung für die nächsten Jahre im Blick, immer noch so dick wie das Telefonbuch von London. Allerdings sind viele Rechen- und Drucklegungsschritte automatisiert. Aber: Bei aller Technisierung, die Einzug gehalten hat, vertraut Feuser immer noch auf einen Plan B. "Ich habe eine Terminplanung über den PC, das hält mich nicht davon ab, Termin zusätzlich per Hand zu notieren."

Mammutaufgabe auf den Schreibtisch

Kurz vor Ende seiner Laufbahn bekommt der Chef des "Super-Fachbereichs" für Rat, Stadtmarketing, Ordnung und Soziales noch eine Mammutaufgabe auf den Schreibtisch: die Unterbringung von Flüchtlingen. "Das gehörte schon immer zu meinen Aufgaben, aber nicht in diesem Ausmaß." Nahezu täglich kommt in den vergangenen Monaten die Arbeitsgruppe der Rheinbacher Verwaltung zusammen, die mit Bedacht nicht als Krisenstab benannt ist. Als die städtischen Objekte zur dezentralen Unterbringung der Asylsuchenden ausgehen, setzen Feuser und sein Team auf kurze Wege. "Wir haben uns Abrissverfügungen hier im Haus angeschaut und die Eigentümer gefragt, ob sie mit dem Abriss nicht ein wenig warten könnten."

Ob ungenutzte Kita-Container aus Flerzheim oder die Suche nach Betten - Lösungen müssen so schnell her, wie Probleme auftauchen. "Mir kam zugute, dass ich viele Leute kenne" Dass nun Mehrzweckhallen zur Unterbringung genutzt werden müssen, bedauert er. "Aber wegen der Vielzahl an Zuweisungen sehen wir keine Alternative", so Feuser.  Das prägendste Erlebnis in fast fünf Jahrzehnten sei aber nicht die Flüchtlingswelle gewesen, sondern die Entschärfung einer Weltkriegsbombe 2001 - unweit des Gefängnisses. Nicht nur das muss am 21. November 2001 aufwendig evakuiert werden, auch Teile der Stadt werden geräumt - ein Stadtsprecher im Dauerinterview.  

Außerhalb des Büros sucht Feuser die Nähe zur Natur. Wie die selbst geschossenen Fotos rund um seinen Schreibtisch beweisen, treibt es den Spitzenbeamten gern auf Gipfel. Er sucht die Nähe von Montblanc oder Kilimandscharo, um Kraft zu schöpfen. Im März zieht es den Vater von zwei Söhnen und Großvater von zwei drei und einem Jahr alten Enkelsöhnen in die Dolomiten. Im Ruhestand hofft Feuser auf mehr Zeit mit seiner Frau, den Enkeln, Haus und Garten und den Wanderschuhen: "Ich möchte den kompletten Jakobsweg gehen", berichtet er. Also die rund 700 Kilometer von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostella. Wer ihn kennt, weiß, dass ihm gelingt, was er sich vornimmt. (Mario Quadt)