"Der Abschied" in Verdun

Pater Ludwig segnete am deutschen Soldatenfriedhof seine Skulptur

RHEINBACH/VERDUN. Die Bronzeskulptur "Der Abschied" (Les Adieux) des Rheinbacher Künstlers und Pallottiner-Paters Franz-Josef Ludwig hat jetzt ihren festen Platz am deutschen Soldatenfriedhof im Fort de Douaumont. Pater Ludwig selbst segnete dort in einer Andacht die Skulptur, die er im Auftrag von Initiator und Stifter Erich Scharrenbroich geschaffen hat.

Dies war der Höhepunkt eines besonderen Festaktes unter Beteiligung von offiziellen Repräsentanten auf französischer und deutscher Seite sowie Ehrenformationen der französischen Armee und der Bundeswehr, an der Spitze der Kommandant des militärischen Bereichs von Verdun, Colonel Alain Artisson, und Brigadegeneral Wolfgang E. Renner, Standortältester der Tomburg Kaserne und Kommandeur des dortigen "Betriebszentrums IT-System" der Bundeswehr.

Mehr als 250 Rheinbacher waren in Bussen und Privatwagen zur Zeremonie nach Verdun gefahren, darunter 79 Schüler der weiterführenden Schulen sowie die Vorsitzenden der Partnerschaftsvereinigung Rheinbach-Villeneuve-lez-Avignon, Hedwig Schmitt-Wojcik und Christian Martin. An der Gedenkstätte im Fort de Douaumont legten französische und deutsche Repräsentanten Kränze nieder, unter anderem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken und Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz.

Sehr emotional war die Zeremonie insbesondere für Pater Ludwig und die Projektverantwortlichen aus Rheinbach, Initiator Erich Scharrenbroich und Stabshauptmann a.D. Peter Baus, die in vielen Gesprächen die Weichen für die Realisierung gestellt hatten.

Bewusst war das Jahr des 50. Jubiläums des Vertrages von Elysée für die feierliche Übergabe gewählt worden, mit dem der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer am 23. Januar 1963 im Pariser Elysée-Palast die deutsch-französische Freundschaft besiegelt hatten - ein Neuanfang zwischen den beiden Nationen, die sich zuvor in mehreren Kriegen feindlich gegenüber gestanden hatten.

Wie viele Soldaten im Ersten Weltkrieg um Verdun ihr Leben lassen mussten, ist nicht genau belegt, die meisten Schätzungen gehen von rund 364.000 Franzosen und 338.000 deutschen Soldaten aus. Zu den Gefallenen zählen auch Familienangehörige von Scharrenbroich; einer fiel bei Ripont, einer am Fort Vaux nahe Verdun. "So, wie es der Familie Scharrenbroich 1914 erging, so erging es auch Millionen von anderen Familien, zuerst in Europa und dann auf der ganzen Welt", sagte Scharrenbroich. "Nun stehen wir hier gemeinsam und trauern um die Gefallenen.

Aber wir stehen auch hier und feiern die deutsch-französische Freundschaft, die uns seit 68 Jahren Frieden in Europa beschert." Für Bürgermeister Raetz ist das Projekt "Les Adieux" ein "weiterer Stein, aus dem das Haus der deutsch-französischen Freundschaft gebaut ist." Symbolisch wurden über dem Fort gemeinsam von deutschen und französischen Soldaten die französische und die deutsche Fahne gehisst sowie die Europa-Fahne gemeinsam von einer Rheinbacher Schülerin und einem französischen Jugendlichen.

Zuvor waren auf dem Nationalfriedhof Fleury mit Blick auf das Beinhaus, in dem die Gebeine von mehr als 130 000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten ruhen, ebenfalls unter Beteiligung von französischem und deutschem Militär sowie öffentlichen Repräsentanten Kränze niedergelegt worden. Dort sagte Brigadegeneral Renner: "Der Ort und der Name Verdun stehen heute für die freundschaftliche Handreichung und die Versöhnung zweier großer Kulturvölker in Europa und deren Willen, so etwas wie die Schlacht von Verdun nie wieder geschehen zu lassen."

Eine Reihe von Hindernissen
Eine Häufung von Pannen wird den Teilnehmern der Fahrt nach Verdun im Gedächtnis bleiben. Zuerst war da die Verspätung eines der vier Bürger-Busse bei der Abfahrt. Der gleiche Bus mit der Gruppe von Bürgern und Schülern, die in Verdun übernachten wollten, blieb mit einem Defekt an einer Raststätte liegen. Der Fahrer eines zweiten Busses hatte das falsche Verdun angesteuert, nicht das an der Maas.

Während dieser Bus es mit "leichter" Verspätung von zwei Stunden ins richtige Verdun schaffte, traf der Ersatz-Bus für den Pannen-Bus erst kurz nach Beginn der Zeremonie am Fort de Douaumont ein. Da der Ersatz-Bus aber gleich wieder weg musste, stand für die Übernachtungsgruppe nur noch ein kurzfristig beschaffter 25-Personen-Bus bereit, so dass die Hälfte der Fahrgäste auf die anderen Busse verteilt werden und ohne Übernachtung wieder mit zurück nach Rheinbach fahren musste.

Auf französischer Seite war die Übersetzerin nicht erschienen, und eine Dame vom Besuchereingang des Fort de Douaumont übernahm spontan die Übersetzung. Allerdings begann die Zeremonie erst mit dreiviertelstündiger Verspätung, weil Regierungspräsidentin Gisela Walsken stau-bedingt verspätet eintraf. Da machte es dann auch nichts mehr, dass sie zunächst als Düsseldorfer statt als Kölner Regierungspräsidentin vorgestellt wurde.