Kunstforum in Rheinbach

Pallotti-Immobilie wird zum „Haus der Kunst“

Befürworten das Vorhaben, die Pallotti-Immobilie an der Koblenzer Straße 2 für ein „Haus der Kunst“ zu nutzen: Stefan Raetz, Prof. Gerd Wiendieck, Michael Althausen und Karsten Logemann (v. l.).

Befürworten das Vorhaben, die Pallotti-Immobilie an der Koblenzer Straße 2 für ein „Haus der Kunst“ zu nutzen: Stefan Raetz, Prof. Gerd Wiendieck, Michael Althausen und Karsten Logemann (v. l.).

RHEINBACH. Das Rheinbacher Kunstforum möchte an der Koblenzer Straße 2 Ausstellungen, Lesungen, Musik und Theater etablieren. Pallottiner stehen dem Projekt positiv gegenüber.

Um das Relief und den Schriftzug „Sanctus Josephus“ auf der Fassade über dem Eingang des Gebäudes Koblenzer Straße 2 zu sehen, muss man schon direkt davor stehen und nach oben schauen. Und entdeckt dabei im Erdgeschoss ein Auto. Das den Pallottinern gehörende Gebäude steht vollständig unter Denkmalschutz, außen und innen. Seit Jahren steht es leer.

Der Teil des Hauses, in dem das alte Auto steht, nutzen die Patres als eine Art Garage. Der Rheinbacher Kunstverein Kunstforum’99 möchte die Immobilie zu neuem Leben erwecken: als „Haus der Kunst“. Dabei reichen die Pläne weit über reine Ausstellungs- und Atelierräume für Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Objekte hinaus, wie Kunstforums-Vorsitzende Gerd Wiendieck und Pressesprecher Michael Althausen im Gespräch mit dem GA erläuterten.

Als „lebendiges Haus der Kunst“ soll es auch Vereinen und Einrichtungen offen stehen zum Beispiel für Lesungen, Musik- und Theateraufführungen, Kabarett und Kleinkunst oder Kunstunterricht. Das Projekt passe gut in ein Konzept zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt, das die Stadt Rheinbach zurzeit erarbeite, so die Initiatoren. Mit den Pallottinern als Eigentümer ist der Kunstverein darüber seit zwei Jahren im Gespräch, wie Wiendieck und Althausen erklärten. Denn sie sind überzeugt, dass „ein Haus der Kunst gut in das humane Bildungsverständnis der Pallottiner hineinpasst“, wie sie im Exposé zu ihrem Konzept ausführen.

„Bildung der Persönlichkeit ist weit mehr als der Erwerb von Wissen und beruflicher Kompetenz.“ Die örtlichen Pallottiner stehen dem Projekt positiv gegenüber, wie sie erläuterten. Die Provinzleitung der Pallottinergemeinschaft in Friedberg/Bayern verweise darauf, dass sie nicht ein einzelnes Gebäude herauslösen könnten, sondern den Gesamtentwicklungsplan der Stadt abwarten müssten für das Areal im Eigentum der Gemeinschaft der Pallottiner. Bürgermeister Stefan Raetz und der Vorsitzende des Ausschusses für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur der Stadt Rheinbach, Karsten Logemann, unterstützen die Pläne.

„Es ist schön, dass sich ehrenamtliche Enthusiasten so sehr für das Projekt einsetzen. Unsere Aufgabe als Stadt ist, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen. Und das machen wir gerne“, sagte Raetz. Logemann denkt an eine Verknüpfung des „Haus der Kunst“ mit der alten Idee eines Geschichtsskulpturenpfades aus dem Jahr 2014, die wieder aufgegriffen werden könnte: „Schön wäre es, wenn in einem ,Haus der Kunst‘ Kunst entstehen würde, die hier in Rheinbach bleiben kann. Jetzt geht es erst einmal darum, Flagge zu zeigen.“ Und nicht zuletzt auch darum, die Finanzierung darzustellen.

Denn die Kosten für die Sanierung und den Umbau des zweistöckigen denkmalgeschützten Gebäudes werden von Fachleuten auf rund 150.000 Euro geschätzt. Das kann der gemeinnützige Kunstverein allein nicht stemmen, ist den Akteuren klar. Auch die Stadt könne nicht finanziell, sondern nur ideell unterstützen. Aber sie haben bereits Kontakte geknüpft und Gespräche geführt mit Einrichtungen, die Fördergelder zur Verfügung stellen könnten, so Wiendieck und Althausen: zur NRW-Stiftung Natur, Heimat und Kultur, zum Landschaftsverband, zum Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sowie den Kulturstiftungen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Bei der Sponsorengewinnung will das Kunstforum’99 „sehr aktiv einsteigen“, sobald sich über die bisherigen Vorgespräche hinaus der Abschluss einer Vereinbarung mit den Pallottinern abzeichne. Da sich die Kostenschätzung nur auf die reinen Baukosten beziehen und nicht auf Ausstattung wie Beleuchtung, Bestuhlung oder laufende Kosten, sei auch ein Nutzungs-, Marketing- und Finanzierungsplan angelegt.