Apfelplantagen in der Voreifel

Obstbauern fürchten nach Frost um die Ernte

Meckenheim/Rheinbach. Frost bedroht die Obstblüte auch am Freitagmorgen. Schon in der Nacht zu Donnerstag wurden die Plantagen in der Voreifel möglicherweise stark geschädigt. Obstbauern fürchten um ihre Ernte, doch wissen sich auch zu helfen.

Hinter Obstbauer Lothar Krämer aus Meckenheim liegt eine schlaflose Nacht: Temperaturen von bis zu minus 5,5 Grad Celsius, in einem Meter Höhe gemessen, haben, so schätzt der Landwirt, die bereits geöffneten Apfelblüten schwer geschädigt.

„Bis etwa null Grad Celsius halten sie aus, fallen die Temperaturen deutlich darunter, sieht es schlecht aus“, so Krämer. Dabei sei die Frostnacht zu Donnerstag nicht in diesem Ausmaß vorhersehbar gewesen, so Krämer zum General-Anzeiger. „Wir haben April, da können die Nächte durchaus noch kalt sein, die Wetterdienste haben diese tiefen Temperaturen aber nicht vorhergesagt. Vor allem nicht, dass sie so früh – etwa gegen 23 Uhr – auftreten.“

Sein Kollege Dirk Schwichtenberg aus Rheinbach-Flerzheim teilt die Sorgen: „Das war übel. Inwieweit wir Ernteausfälle zu befürchten haben und wie groß diese dann sein werden, können wir aber erst sagen, wenn die Blüten komplett aufgetaut sind. Das ist in etwa ein- bis zwei Tagen der Fall. Wir erkennen das daran, ob sich die Blüte in ihrem Inneren bräunlich bis schwarz verfärbt hat. Dann wächst daraus in dieser Saison keine Frucht. Ist sie grün, haben wir Glück gehabt.“

Schutz der Blüten durch Windmaschinen

Dem „Glück“ helfen die Obstbetriebe in der Region indes mit Technik nach. In Meckenheim und Rheinbach-Flerzheim kommen Windmaschinen zum Einsatz, die wärmere Luft aus höheren Schichten ansaugen und in den Plantagen verteilen. So versucht man, die Temperaturen auf gar keinen Fall unter den Gefrierpunkt absinken zu lassen und damit die empfindlichen Blüten – die sich aufgrund des warmen Wetters Anfang April fast alle schon geöffnet haben – zu schützen. Dieses Verfahren, das allerdings nur funktioniert, wenn die höheren Luftschichten auch wirklich warm genug sind, stammt ursprünglich aus den USA und ist, nicht gerade zur Freude der Anwohner, geräuschintensiv. „Wenn wir die Windräder nachts einschalten müssen wie in den letzten beiden Nächten, hört sich das an wie ein entfernt vorbeifliegender Hubschrauber. Das ist nicht schön, muss aber leider sein“, erklärt Dirk Schwichtenberg und wirbt zugleich um Verständnis.

Die Alternative, mit Beregnungsanlagen zu arbeiten, die die Plantage mit etwa zehn Grad warmem Wasser besprühen, das dann auf den Pflanzen gefriert und diese mit einem schützenden Eispanzer umhüllt, der sie – klingt paradox, funktioniert aber – vor Frost schützt, kann im Raum Meckenheim nur begrenzt eingesetzt werden. Grund ist der hohe Wasserbedarf. Dazu Lothar Krämer: „Alleine wir würden in einer Nacht rund 450 Kubikmeter Wasser pro Hektar benötigen. Nun gibt es in Meckenheim und Rheinbach aber zahlreiche Obstbaubetriebe. So viel Wasser, wie alle zusammen brauchen, gibt es hier schlicht und ergreifend nicht.“

Hoffen auf ein milderes Wetter

Von daher müsse man auf die Windmaschinen setzen, ergreife aber etwa mit Feldheizungen auch noch weitere Maßnahmen. Insgesamt hoffen Krämer und Schwichtenberg, dass sich die Wetterlage zunächst beruhigt und weder Windmaschinen noch Bewässerungssysteme eingesetzt werden müssen. „Für die nächsten Nächte sieht das ja gut aus“, hofft auch Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer in Bonn. „Noch haben wir hier keine Rückmeldungen aus den Betrieben, wie hoch die Schäden durch den Frost zu beziffern sind“, erläutert Muß, „aber die Kollegen werden jetzt wohl erst einmal Schlaf nachholen.“

Was die Apfelernte anbetrifft, sei es für einen „Vollertrag“ aus der Pflanze auch nicht unbedingt erforderlich, dass wirklich alle Blüten Früchte entwickeln. Insofern dürfe man zumindest hoffen, dass es keine Totalausfälle gebe.