Pallotti-Areal

Neues Viertel ohne Straßen und Autos für Rheinbach

Rheinbach. Die Planungen für das Rheinbacher Pallotti-Areal nehmen Gestalt an. Gewünscht ist ein Wohngebiet ohne Autos. Anwohner könnten dann in einer unterirdischen Tiefgarage parken.

Ein neues Wohngebiet ganz ohne Autos und ganz ohne Straßen? In Rheinbach könnte diese futuristisch klingende Vision schon bald Wirklichkeit werden – allerdings mit einem Trick. Die Autos der künftigen Bewohner des früheren Pallotti-Areals im Zentrum der Glasstadt kommen in eine große, unterirdische Tiefgarage, die nur von der Schützenstraße aus angefahren werden kann. Aufzüge bringen die Bewohner vom Parkraum unter Tage an die Oberfläche. Architekt Peter Berner aus Köln, Gründer und Geschäftsführer des Büros Astoc Architects and Planners, stellte seine Vorstellung für die zentrumsnahe Brachfläche des einstigen Vinzenz-Pallotti-Kollegs jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung vor.

Lediglich das derzeit noch vom St. Joseph-Gymnasium genutzte historische Gymnasialgebäude an der Koblenzer Straße, die wegen ihrer außergewöhnlichen Akustik geschätzte Pallottikirche und die unter Denkmalschutz stehende Marienkapelle sind noch kein Raub der Abrissbagger geworden – und sie werden es auch nicht, da sie Teil des Entwurfs sind und nicht dem Erdboden gleichgemacht werden. Berner betonte, dass der Großteil des Geländes, auf dem 285 Wohneinheiten für fast 600 Menschen entstehen sollen, autofrei gehalten werden soll.

Hintergrund: Mit 285 Wohneinheiten ist das innerstädtische Großprojekt nur unwesentlich kleiner als das ebenfalls zentrumsnahe, nördlich des Bahnhofs gelegene Neubaugebiet auf dem früheren Majolika-Gelände, auf dem 287 Wohneinheiten entstehen werden (der GA berichtete). Auf dem Pallotti-Areal wächst vom Gymnasialgebäude bis nahezu an die Marienkirche heran ein urbaner Riegel mit drei hintereinander liegenden Hofquartieren mit drei Geschossen plus Dachgeschoss. „Bebauung ohne klassischen Straßenraum“ und „Abfolge von Höfen“ nennt Berner diesen Teil des Neubaugebiets. Sein Unternehmen war als Sieger aus dem Städtebauwettbewerb hervorgegangen.

Zusätzliche Linksabbiegerspur

Reihenhäuser und Geschossbauwerke prägen das Bild auf dem übrigen, in Richtung Stadtpark gelegenen Areal – Platz für 64 Wohneinheiten, die von der Straße Stadtpark aus angebunden sind. „Ich glaube, dass dies ein lebenswertes Stück Rheinbach wird, für unterschiedliche Geldbeutel und Lebenssituationen“, sagte der Architekt. Ebenso werden eine Kita und ein Jugendmedizinisches Zentrum (JMZ) Teil des innerstädtischen Areals sein.

Streit gab es im Ausschuss über den Standort des JMZ an der Pallottistraße. „Wir finden das JMZ gut, aber nicht an dieser Stelle“, erklärte etwa Ute Krupp (SPD). Auf dem Gelände der früheren Gärtnerei des Vinzenz-Pallotti-Kollegs soll das JMZ entstehen. Das Meckenheimer Planungs- und Architekturbüro Weydeck möchte auf dem 2080-Quadratmeter-Grundstück ein dreigeschossiges Gebäude auf 1500 Quadratmeter Grundfläche errichten. Im Erdgeschoss wäre Platz für ein Café, eine Apotheke, einen Schulungsraum und eine Halle für Rehasport. Im zweiten Stock sollen ein Kinderarzt, ein Kinderzahnarzt und ein Kinderpsychologe unterkommen, darüber Logo-, Ergo- und Physiotherapeuten, ein Frühförderzentrum und drei Wohnungen. Eine Tiefgarage bietet Platz für 33 Autos und 14 Fahrräder.

„Begeistert vom Ergebnis“ zeigte sich Silke Josten-Schneider (CDU). Das JMZ sei eine „Bereicherung für Rheinbach“. Der von der Verwaltung vorgelegte Bebauungsplan diene „der Wiedernutzbarmachung einer zentralen Grundstücksfläche, qualitätvoll und dem Anspruch an die Gestaltung des Innenstadtbereichs angemessen“, so die Christdemokratin. Am Rande des Areals, in Nachbarschaft zur Schützenhalle, sieht Georg Wilmers (SPD) das JMZ besser untergebracht. Nicht nur Anwohner befürchteten einen „Parkdruck“, zudem werde die ohnehin angespannte Verkehrslage am Knotenpunkt Pallottistraße/Vor dem Voigtstor weiter zunehmen.

Dass die Planer eine zusätzliche Linksabbiegespur sowie eine weitere Ampel als Lösung dieser Problematik ansehen, quittierte Wilmers mit Kopfschütteln. Seinen Vorschlag, dem Investor unter anderem den Bau von 300 ebenerdigen Fahrradparkplätzen und eines Spielplatzes in einen städtebaulichen Vertrag zu schreiben, lehnte der Ausschuss ebenso mit großer Mehrheit ab wie die Verlegung des JMZ. Für den Bebauungsplan gab das Gremium mit den Stimmen von CDU, FDP, UWG und Grünen grünes Licht.