Bildung in Rheinbach

Neuer Anlauf für die Förderschule

Rheinbach. CDU und FDP in Rheinbach wollen den Standort am Stadtpark wiederbeleben. Die Albert-Schweizer-Schule soll wieder reaktiviert werden.

Wenn Ratsmitglieder vor ihrem Votum zu Protokoll geben, „nur mit Bauchschmerzen“ abzustimmen, sind zumeist nicht medizinische Gründe dafür ursächlich sondern ausschließlich emotionale. So erging es Ende Juni 2015 den Mitgliedern des Rheinbacher Ausschusses für Schule, Bildung und Sport. Auf Drängen der Kölner Bezirksregierung musste das Gremium die ungeliebte Entscheidung treffen, die Albert-Schweitzer-Schule in Rheinbach, Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, zum Ende des Schuljahres 2015/2016 auslaufen zu lassen.

Grund: Die sogenannte Mindestgrößenverordnung der damaligen rot-grünen NRW-Landesregierung sah vor, dass an Förderschulen mindestens 144 Schüler unterrichtet werden müssen – an der Albert-Schweitzer-Schule waren es zuletzt 42 Mädchen und Jungen (der GA berichtete). Da die neue schwarz-gelbe NRW-Landesregierung jetzt die umstrittene Verordnung ausgesetzt hat, wollen die CDU- und die FDP-Fraktion im Rheinbacher Stadtrat, dass die Glasstadt wieder Standort einer Förderschule wird.

Tränen flossen am letzten Schultag vor den Sommerferien 2016 in der Förderschule am Rheinbacher Stadtpark reichlich. Die Eltern der zuletzt kleinen Schülerschaft schätzten die kleinen Klassen und Lerngruppen sowie die individuelle Förderung der Mädchen und Jungen. Die Stadt Rheinbach betrieb die Schule, die Stadt Meckenheim sowie die Gemeinden Swisttal und Wachtberg saßen als Träger mit im Boot. Vergeblich hatte sich Rheinbach vor dem Aus um Kooperationen mit anderen Schulen bemüht.

In der Stadt Bornheim gelang dies: Die Drachenfelsschule Königswinter-Niederdollendorf mit dem Förderschwerpunkt Lernen avancierte im Sommer 2015 zum sogenannten Teilstandort der Verbundschule in Bornheim-Uedorf mit den Förderschwerpunkten Sprache und Lernen. Somit konnten beide Schulen erhalten bleiben (der GA berichtete).

Die Rheinbacher Christ- und Freidemokraten haben jetzt einen gemeinsamen Antrag formuliert, wonach die Stadt „alle Möglichkeiten einer Neueinrichtung/Wiederbelebung einer Förderschule prüfen“ soll.

„Mit der Wiedereinrichtung einer Förderschule mit möglichst mehreren Förderschwerpunkten hätten Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf ein echtes Wahlrecht und könnten sich für die Schule mit der bestmöglichen Förderung für ihr Kind entscheiden“, erklärten Silke Josten-Schneider, Vorsitzende der CDU-Fraktion, und Tamara Vogt, Bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, in dem gemeinsamen Antrag. Außerdem würde somit das Schulangebot im ländlichen Raum und nicht zuletzt Rheinbach als Schulstadt gestärkt.

In dem Gebäude der früheren Förderschule am Stadtpark ist derzeit das Café Welcome untergebracht. Der Verein Abenteuer Pur bietet hier jugendlichen Flüchtlingen die Möglichkeit, sich zu treffen oder miteinander zu spielen und zu klönen. Außerdem finden in dem Gebäude, in dem einst das von den Pallottinern betriebene Internat Sankt Albert untergebracht war (siehe Kasten), Deutschkurse für Asylsuchende statt. Der wohl prominenteste Internatsschüler im Sankt Albert war BAP-Gründer Wolfgang Niedecken.