Schnelles Internet in Rheinbach

Neue Datenautobahn entsteht im Spülverfahren

Eine Spülbohrung an der Fliederstraße nehmen (v. l.) Hubert Horst, Siegbert Kobus, Patrick Helmes und Stefan Raetz in Augenschein.

Eine Spülbohrung an der Fliederstraße nehmen (v. l.) Hubert Horst, Siegbert Kobus, Patrick Helmes und Stefan Raetz in Augenschein.

Rheinbach. In Rheinbach bauen Netcologne und RWE gemeinsam Glasfaserleitungen. Die Suche nach einer Lösung für die kleineren Ortschaften.

Sie blubbert ein wenig, die trübe Brühe an der Rheinbacher Fliederstraße – zumindest macht es den Anschein. Tiefer und immer tiefer versinkt das metallene Bohrgestänge im schlammige Erdreich. Mit Sauberkeit hat eine sogenannte Spülbohrung nichts zu tun. „Es kommt ein Ton-Lehm-Gemisch zutage, das von einem Traktortank aufgenommen wird“, berichtet Hubert Horst, Projektleiter der Westnetz. Mit dem Kölner Unternehmen Netcologne macht das RWE-Tochterunternehmen gemeinsame Sache, um jetzt eine neue Datenautobahn fürs schnelle Internet in Rheinbach zu bauen. Ist das Projekt vollendet, sollen die Zeiten der Vergangenheit angehören, in denen Videos ruckelten und sich Seiten schleppend aufbauten.

„Wir gehen bis zu sieben Meter tief“, berichtet Horst. Überall dort, wo der mächtige Spülbohrer zum Einsatz kommt, muss der Straßenzug nicht in Gänze aufgerissen werden, um die neuen Glasfaserleitungen zu verlegen. In der Fliederstraße gräbt sich das Spezialgerät kontinuierlich durch den Boden, um die Leerrohre der gemeinsamen Unternehmung unter die Erde zu bringen. Insgesamt werden in der Kernstadt rund elf Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 28 neue Technikgehäuse am Straßenrand aufgestellt. „Nur alle paar Hundert Meter ist ein Kopfloch zu sehen“, sagt Siegbert Kobus, Leiter Westliches Rheinland/Neuss von RWE. „Nur dort, wo diese Technik nicht zum Einsatz kommen kann, arbeiten wir noch im klassischen Tiefbauverfahren“, erklärt Kobus.

Ausgerechnet im Trauzimmer der Stadt Rheinbach gibt Bürgermeister Stefan Raetz die Verbindung der beiden Unternehmen bekannt. „Ich freue mich, dass wir nun die nächste Generation des Breitbandes erhalten“, sagt Raetz. „Mit eigenen, städtischen Mitteln hätten wir den kostenintensiven Glasfaserausbau als Stadt nicht stemmen können“, räumt er ein. Und dürfe es als Kommune auch gar nicht. Den Anlass der Liaison eines regionalen Telekommunikationsanbieters und eines globalen Energieriesen bringt Patrick Helmes, Leiter Kommunikation von Netcologne, auf den Punkt.

„Wir betreiben das Netz, RWE baut“, so Helmes. Die neuen Leitungen ließen verblüffende Geschwindigkeiten zu: „Im Zuge unseres Ausbaus können wir 6000 Haushalte mit Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde versorgen.“ Die ersten Kunden sollen im Januar 2017 an angeschlossen werden. Der Abschluss des Gesamtprojektes ist für Frühjahr 2017 vorgesehen. RWE investiert laut Kobus rund eine Million Euro in das Vorhaben, Netcologne 750 000 Euro.

Was Raetz besonders gerne im Trauzimmer vernimmt, ist die Ankündigung, dass der Zusammenschluss weitere Früchte tragen soll: Denn nicht nur in der Kernstadt sollen die Spülbohrer ansetzen, sondern auch in diversen Rheinbacher Ortschaften. „Wir prüfen momentan Peppenhoven und Ramershoven“, so Helmes.