Aufs Rad mit dem Sky-Fahrer

Mit Radprofi Christian Knees durch Rheinbach

RHEINBACH. Radprofi Christian Knees (Sky), 2010 Deutscher Meister im Straßenradfahren, findet in der Voreifel ideale Trainingsbedingungen. Zusammen mit GA-Mitarbeiter Sebastian Knauth schwingt er sich aufs Rennrad - und gibt dem GA-Autor am Berg ein wenig Anschub.

Kleine Marktstände, wenige Autos, hier und da eilen die ersten Einkäufer in die Rheinbacher Innenstadt, um Besorgungen zu machen. An diesem Morgen erwacht bei herrlichem Herbstwetter das Leben in der Glasstadt. Optimale Bedingungen für eine Runde mit dem Rennrad. Am Himmeroder Wall soll es losgehen. Meine Begleitung für die knapp anderthalb Stunden ist kein geringerer als Christian Knees. Der Radprofi aus dem Team Sky ist mehrmals die Tour de France gefahren und war 2010 deutscher Meister auf der Straße. Als gebürtiger Bonner, mit Wohnsitz in Wormersdorf, ist der 37-jährige Familienvater eine besondere und prominente Begleitung für mich. Wie sich später noch herausstellen wird, auch eine außerordentlich hilfreiche.

Pünktlich rollt Knees zum Treffpunkt und wir besprechen die Route. „Hier starten wir auch häufig, wenn wir Fahrten mit dem RSC Rheinbach machen“, erklärt der Profi. Knees ist heimatverbunden und sucht immer wieder den Kontakt zu den Fahrern und dem Nachwuchsaus der Region. Im Winter besucht er gelegentlich das Hallentraining des RSC und ist am Radsport in der Region interessiert.

„Radfahren erlebt wieder einen Boom. Egal ob Rennrad oder Freizeitsport, es sind wieder viele Leute unterwegs“, so Knees. Nach kurzer Absprache sind wir uns über den Streckenverlauf einig und rollen durch die Innenstadt in Richtung Todenfeld. Bereits unmittelbar nach dem Start wird klar: In Rheinbach geht es aufgrund des Verkehrs zunächst im gemächlichen Tempo weiter. Darum lassen wir schnellstmöglich die vollen Straßen hinter uns und rollen über Feldwege. „Als Kind konnte man die ersten Rennerfahrungen in den Apfelplantagen sammeln und die ersten Runden auf Zeit um die Felder drehen“, erzählt Knees.

Bergauf nach Todenfeld

Über die Landstraße 492 geht es bergauf nach Todenfeld. Am Anfang – ich bin mir über die Gesamtlänge des Anstiegs noch im Unklaren – scheint mir die Steigung noch angenehm. Schließlich möchte ich meine bescheidenen Möglichkeiten nicht verbergen und fahre – zumindest für mich – ein angemessenes Tempo. Die Quittung kommt schneller als erwartet: Noch nicht einmal bei der Hälfte angelangt, spüre ich die Muskeln in meinen Beinen. Der Profi erkennt die Probleme sofort und bietet mir an, dass wir langsamer fahren können. So früh will ich mich nicht geschlagen geben und versuche, weiterhin einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Ich frage dennoch, wie weit es noch bis nach oben ist, sicher ist sicher. Knees erklärt mir, dass der schwierigste Teil noch kommt. Mit etwas weniger Tempo unterhalten wir uns über das Leben als Radprofi und Knees erklärt, warum er in der Voreifel ideale Trainingsbedingungen findet:„Ich kann von hier aus lange und intensive Fahrten in der Eifel unternehmen. Die Steigungen und Berge sind für mich die perfekte Trainingsumgebung“, so Knees. Während eines straffen Rennkalenders genießt der Wahl-Rheinbacher seine Pausen in der Heimat und verbringt viel Zeit mit der Familie.

Unmittelbar vor der Ortseinfahrt Todenfeld steigen wir vom Rad. Zuvor musste Knees noch einmal seine Helferqualitäten abrufen und mich etwas den Berg hochschieben. Noch einmal Dankeschön an dieser Stelle. Oben angekommen, genießen wir die schöne Aussicht und können bis nach Köln gucken. Für mich eine willkommene Verschnaufpause, bevor eine längere Abfahrt über Hilberath nach Altendorf spürbar leichter macht. Knees legt sich gekonnt über den Lenker und nimmt Fahrt auf.

Nicht ohne Sicherheitsmaßnahmen

Unter seinem Sattel bemerke ich ein rotes Licht, was ständig blinkt. „Ohne Licht und weitere Sicherheitsmaßnahmen bin ich nicht mehr unterwegs. Als Radfahrer wird man einfach zu schnell übersehen.“ Prompt überholt ein Auto und drückt ordentlich auf die Hupe. „Immer freundlich bleiben“, sagt Knees und hebt grüßend die Hand. Der Profi verrät außerdem, dass in anderen Ländern der Umgang zwischen Radfahrern und Autofahrern etwas freundlicher ist und nicht der Eindruck von Konkurrenz besteht. Nach einer längeren Phase des Rollens, erreichen wir die Ortseinfahrt von Altendorf und durchfahren einen Kreisverkehr. Während der Profi durch die Kurven kaum an Geschwindigkeit verliert, geht es bei mir etwas gemächlicher zu. Zumindest was die Fahrsicherheit angeht, möchte ich mich an diesem Tag nicht überschätzen und verzichte, im Gegensatz zum Anstieg, auf die Vorführung weiterer Qualitäten.

Parallel zur A 61 geht es zurück zum Startpunkt nach Rheinbach. Für Knees wird der Tag noch nicht beendet sein: Eine, vielleicht zwei Stunden will der Profi noch weiterfahren, bevor es für weitere Rennen nach Italien geht. Am Himmeroder Wall angekommen, verabschieden wir uns und ich stelle fest, dass die Stadt noch einmal voller geworden ist, und trete die Heimfahrt an – mit dem Auto.