Rheinbach Classics

Mit Hund Wuffi im Oldtimer-Korso durch die Stadt

21.07.2013 Rheinbach. Gefühlte 50 Grad Celsius im Schatten. Autos, so weit das Auge reicht. Solche, die gut ins Technikmuseum nach Sinsheim passen würden. Wie der Siemens Protos aus dem Jahre 1920. Er bietet hintereinander Platz für zwei, doch leider sind beide Sitze belegt.

Also muss ich weiter nach "meinem" Auto suchen, in dem ich beim Rheinbach Classics-Korso mitfahren darf. Da, ein strahlend-gelber Cadillac, Baujahr 1964. "Aus den USA, selbst importiert", sagt Besitzer Ingo Koehne stolz. Weitere acht Oldtimer hat er in der heimischen Garage in Marl. Doch der Beifahrersitz ist belegt! Schade.

Ich suche weiter. Um 11 Uhr soll der Korso starten. Ein Ford Thunderbird in Rot. Ich erfahre: "Den muss man pflegen, wie die Frauen." Soso, ein wenig abgegriffen der Spruch, aber okay, ich befinde mich eindeutig auf Männerterrain. Daher stecke ich auch den nächsten Spruch weg, nachdem ich Wolfgang Hartmann gefragt habe, ob er an seinem 66er Thunderbird selbst bastelt: "Ich schraube, ich bastele nicht. Das machen die Frauen."

[kein Linktext vorhanden]5000 Euro hat er in die Restaurierung gesteckt. Auch bei ihm kann ich nicht mitfahren. Doch dann rollt er an - ein roter Mercedes Benz 190 SL aus dem Produktionszeitraum 1955 bis '63. Der Beifahrersitz ist leer und hinten thront ein niedliches Monstrum von Hund. Ich habe Glück, ich darf mit.

Bevor Klaus Hundertmark den Wagen übernahm, stand er acht Jahre in einer Scheune in der Eifel. Das Auto musste generalüberholt werden. Jetzt geht es endlich los. Ein erhabenes Gefühl. Viele Menschen stehen winkend am Straßenrand. Wir sind eine Attraktion. Doch beim genauen Hinhören wird mir klar: Nicht wir und das Auto sind gemeint, sondern Wuffi, der Hund. Von "Oh, ist der süß", bis "Schau mal, der passt da ja super rein", hören wir allerlei.

Trotzdem ist der rote Flitzer, der auf 100 Kilometer um die zwölf Liter Sprit verbraucht, ein Hingucker. Auch wenn der Moderator, der die vorbeirollenden Autos vorstellt, nur ein eher gelangweiltes "und noch ein 190er SL" für uns übrig hat.

Die Korsofahrt ist eindrucksvoll. So stelle ich mir als Reiterin die Ehrenrunde durch einen Parcours vor. Trotzdem bin ich froh, als wir das Zentrum erreichen - es ist heiß im offenen Wagen. Wuffi ist es auch leid, er will raus, obwohl er sonst sehr gerne mitfährt, wie sein Herrchen versichert.

Er hat Spaß gemacht, der Korso. Ich freue mich auf die nächsten Classics.

Randnotizen zu den Rheinbach Classics

700 Kilometer: So weit waren die Teilnehmer aus der Partnerstadt Kamenický ?enov/Steinschönau in Tschechien angereist: in einem Ford Consul Cortina aus dem Jahr 1965 und einem Jaguar S-Type von 1966. Insgesamt waren 35 Gäste aus Steinschönau gekommen, die meisten in einem Oldtimer-Bus Karosa ?D 11 Baujahr 1976. Ein MG gab bei der Anfahrt wegen einer Panne auf.

"Hupen bitte!": In Oberdrees hatten die Anwohner der "alten" Stolpstraße eine Stempelstation der Rallye in ihr Straßenfest eingebunden. Torsten Bourry begrüßte die Fahrer und erläuterte den Nachbarn Details zu den Fahrzeugen. Den Wegezoll, einen Druck auf die Hupe, leisteten die Fahrer gerne.

Millimeterarbeit: In Oberdrees hatten die Rallye-Teilnehmer unter den Augen von Ortsvorsteher Kurt Brozio und dem Ortsausschussvorsitzenden Peter Eich eine Geschicklichkeitsprüfung zu absolvieren: ohne anzuhalten bis zu einer Pylone fahren und dabei den Vorderreifen 100 Zentimetern von einem Kantholz entfernt zum Stehen bringen.

Fahrer-Nachwuchs: Jüngster Beifahrer bei der Rallye war der achtjährige Loris Großmann, der neben Vater Jörn in einem Porsche 911 saß. Das Team wurde sogar Sieger in der Klasse 3. Jörn Großmann: "Wir hatten einen tollen Vater-Sohn-Tag!"

Nur 0,1 Fehlerpunkte: Gesamtsieger der Rallye wurde Jörg Stursberg aus Remscheid mit einem Fiat 1200 Spider Baujahr 1960. Gewinn: die Teilnahme an der ADAC-Eifel-Rundfahrt im August, Startgeld 1000 Euro, einschließlich eines dreitägigen Aufenthalts.

[kein Linktext vorhanden]Sicherheitsposten: Mit bis zu 140 Kräften waren Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienst bei den Classics im Einsatz, so Wehrführer Laurenz Kreuser. Es gelten die Sicherheitsrichtlinien für Motorsportveranstaltungen.

Späte Begegnung: Mit dem Foreigner-Konzert hat "Kultur im Hof"-Mitorganisatorin Angie Marschall eine Begegnung nachgeholt, die sie in den 70ern verpasste: Als Stewardess bekam sie damals am Münchener Flughafen einen Fan-Auflauf um die Band nur aus der Ferne mit. Nun konnte die in Manchester aufgewachsene Musikfreundin die Band live erleben.

Staubsauger-Classics: Karsten Frohn aus Remscheid hatte ein besonderes Oldie-Angebot mitgebracht: Staubsauger aus verschiedensten Haushaltshelfer-Epochen. Alle waren generalüberholt. Das älteste Modell stammte aus einer Serie, die 1983 bis 1995 gebaut worden war.

Wackeldackel-Parade: Viele Oldtimer hatten klassische Requisiten an Bord: Wackeldackel und handumhäkelte Klopapierrollen. Ein Oldie-Chauffeur hatte seinen leibhaftigen Hund auf dem Beifahrersitz dabei.

Klangsinfonie: Die im Korso vorbeirollenden Fahrzeuge setzten nicht nur markante Benzinduftmarken, sondern auch Töne. Das Grollen, Röhren, Schnaufen, Prusten und Tuckern der Motoren, dazu krächzende Vorkriegs-Hupen und Nebelhorn-Sound. Feuerwehr- und Hilfswerk-Oldies in Rot und Blau gaben Proben aus der Geschichte der Alarm-Sirenen. (Nadia Wattad)