Ein Selbstversuch mit Familie

Mit 50 Euro auf der Rheinbacher Kirmes

RHEINBACH. Mit Kirmes verbindet GA-Mitarbeiterin Julia Hornstein neben Karussells und bunten Buden auch ein ansehnliches Loch in der Haushaltskasse. Sie wagt den Selbstversuch und testet: Wie viel kann eine vierköpfige Familie mit 50 Euro anstellen?

Kirmes war für mich schon als Kind grandios. Unverständlich, dass so ein Besuch irgendwann – meist viel zu früh – enden musste. Heute habe ich selbst Familie und verbinde mit Karussells und bunten Buden auch ein ansehnliches Loch in der Haushaltskasse. Hier noch eine Fahrt, dort noch eine Nascherei, das summiert sich. Mit meiner Familie mache ich den Test auf der Rheinbacher Herbstkirmes. Wie viel Spaß bekommt man für 50 Euro, und wie schnell ist der vorbei?

Jeder hat erst einmal klare Pläne, noch bevor wir auf den Wällen ankommen. Sophia (12) will auf jeden Fall mit der „Beachparty“ fahren und an die Losbude, Anna (9) hat von einem Geisterhaus gehört und liebt Entenangeln. Ich kann mir einen Kirmesbesuch ohne Krake und Schokobanane nicht vorstellen, mein Mann macht sich nichts aus Karussells, hat aber Hunger.

Wir starten am Wasemer Turm und damit direkt bei der „Beachparty“. Beide Kinder wollen mit. Das kostet die ersten sieben Euro, dafür dauert die Fahrt ein paar Minuten. Das „HauntedCastle“ steht direkt daneben. Aber mehr als der Zombie am Eingang schreckt mich der Fahrpreis: vier Euro pro Person. Und Anna traut sich da nicht alleine rein. Überhaupt stelle ich bald fest: Begleitfahrer kosten einiges. Wir verschieben das Geisterhaus erst einmal und wenden uns den weniger gruseligen Enten zu. Für drei Euro darf man zehn Enten aus dem Wasser ziehen. Anna hat Glück. Auf neun ihrer Enten ist ein Gewinnpunkt, das reicht für ein Geschicklichkeitsspiel. Dann kommen wir zum Autoscooter. Der ist mit 2,50 Euro richtig günstig, denn zum Preis von einem Chip dürfen zwei Personen in den Wagen.

Blaue Flecken im Autoscooter

Müssen in diesem Fall auch, denn Anna ist zu jung, um allein zu fahren und Sophia hat keine Lust. Im Ergebnis habe ich blaue Flecken und mache mir Sorgen, wie die Jüngste je eine Fahrprüfung bestehen will. „Ich baue ziemlich viele Unfälle“, meint sie selbstkritisch, aber breit grinsend. Der Papa holt sich derweil eine Currywurst mit Pommes und Mayonnaise für sechs Euro, gut für die Familienkasse, dass nur er hungrig ist. Nach einem 1,50 Euro teuren Stopp am Toilettenwagen will die Große endlich wieder fahren, wir steuern die Krake an. Auch dort kostet eine Runde 3,50 Euro. Sophia will mit, ich ebenfalls, macht sieben Euro. Als wir nach der Fahrt runtersteigen, hat Anna auch Lust bekommen, ihre Schwester dagegen nicht mehr. Also fahre ich noch einmal mit. Ärgerlich: Hätte ich das vorher gewusst, hätten wir direkt vier Fahrtchips für zwölf Euro kaufen können. So werden wieder sieben Euro fällig. Nach dieser Runde ist mir schwindelig und ich streiche die Schokobanane aus dem Plan.

Dafür gehen wir zur Losbude. Die Preisgestaltung dort verwirrt mich ein bisschen. Lose ohne Nieten sind teurer als welche mit Nieten, vorgepackte Tütchen mit Nieten billiger als selbst gezogene Lose. Sophia wählt schließlich 30 Lose in der Tüte für fünf Euro – mit Nieten. Von denen hat sie am Ende 15. Aber auch 270 Gewinnpunkte. Es juckt, schnell noch ein paar Euro zu investieren, nur um dieses eine Los mit dem roten Herz zu finden. . . Aber das Geld ist schon deutlich weniger geworden. Mit einem wehmütigen Blick auf die Riesenteddys akzeptieren die Kinder einen grünen Plüschfisch als Gewinn. Noch weniger Glück haben wir beim Kamelrennen. Sechs Euro Einsatz für zwei Spiele, Sophias Kamel liegt lange in Führung, aber am Ende überholt sie ein anderer Mitspieler und sie geht leer aus.

Gebrannte Mandeln für die letzten Euros

Ernüchternd wird es auch am Süßigkeitenstand. „Es gibt Erdbeeren mit Zartbitterschokolade“, schwärmt die Große, die Kleine entdeckt Trauben umhüllt von Vollmilch. Aber die sind im Budget schon nicht mehr drin. Für die letzten fünf Euro einigen wir uns auf 150 Gramm gebrannte Mandeln zum Teilen, während wir noch ein bisschen den Kirmestrubel anschauen. Das Geld ist weg, nach nur knapp 90 Minuten. Wer jetzt doch noch ins Geisterhaus oder an die Pfeilwurfbude möchte, muss neue Quellen auftun. Omas, Tanten und Onkel können sich schon auf nette Kinderanrufe freuen.