Römerjahr im Rhein-Sieg-Kreis

Linksrheinische Gemeinden beteiligen sich an umfangreichem Jahresprogramm

RHEINBACH. Um die Spuren römischen Lebens zu entdecken, bedarf es keiner weiten Reise. Auch im Rheinland finden sich vielerorts Relikte des römischen Lebens von vor über 2000 Jahren. In diesem Jahr nimmt Julius Caesars Erbe einen ganz besonderen Stellenwert ein.

Das Rheinland feiert das Römerjahr, und viele Gemeinden und Vereine beteiligen sich am Jahresprogramm. 2014 ist ein besonderes Jahr mit Hinblick auf die Römer, denn vor genau 2000 Jahren wurde der römische Kaiser Augustus beerdigt.

"Augustus war Kriegsherr und Friedensstifter, unter ihm erreichte das Römische Reich die größte Ausdehnung und gleichzeitig förderte er die Kultur und die Kunst", sagte Gerd Wiendieck vom Freundeskreis Römerkanal auf der gestrigen Jahresprogrammvorstellung im Rheinbacher Glasmuseum. Der Naturpark Rheinland hat die Federführung des Projekts übernommen, der Verein Rhein-Voreifel-Touristik die Planungen in der Region zusammengefasst. "Vieles aus der Römerzeit ist noch lebendig hier", sagte Bärbel Steinkemper, Vorsitzende des Vereins Rhein-Voreifel-Touristik.

Dass der Römerkanal über die Swist und die Swistauen mit dem Quellwasser von Köln nach Nettersheim geführt wurde, ist nur eine der vielen Spuren, die die Römer noch heute sichtbar im Rheinland hinterlassen haben. Die Gemeinden Alfter, Bornheim, Meckenheim, Swisttal, Rheinbach und Wachtberg sowie der Freundeskreis Römerkanal, das Rheinbacher Glasmuseum und das Kreaforum Swistal beteiligen sich mit Aktionen über das ganze Jahr verteilt am Programm.

So gibt es Ausflüge und Stadtrundgänge zu römischen Relikten, Vorträge, Workshops und kulinarische Angebote. Ein Highlight stellt dabei sicher der Römertag am 31. August im Rheinbacher Freizeitpark dar. "Dort werden 20 Dörfer aufgebaut, die die verschiedensten Facetten des römischen Lebens darstellen", erklärte Wiendieck. In Wachtberg wird eine ganze Römerwoche mit täglichen Angeboten durchgeführt, in Bornheim wird die Villa Rustica besichtigt. Rund 50 Aktionen sind in den sechs Gemeinden geplant, hinzu kommen noch zahlreiche im gesamten Rheinland.

"Was hier auf die Beine gestellt wurde, ist bemerkenswert. Diese spannenden, sehenswerten und erlebenswerten Veranstaltungen sind ein Highlight für die Region", sagte Rheinbachs Erster Beigeordneter Raffael Knauber. "Das Römerjahr wird überzeugen", ergänzte Harald Sauer, Geschäftsführer des Naturparks Rheinland. Besonders hoben die Veranstalter neben den eigenen Veranstaltungen auch die Ausstellung "Josef Welzel: Römisches Luxusglas und mehr" hervor, die ab dem 30. August im Rheinbacher Glasmuseum zu sehen ist.

Auch die vom Morenhovener Archäologen Klaus Grewe geführten Wanderungen über alle Etappen des Römerkanal-Wanderwegs sowie zahlreiche Angebote und Workshops für Kinder und Jugendliche rund um das Leben der Römer sollen die Begeisterung und das Interesse an der regionalen Geschichte stärken.

"2014 wird als Römerjahr in der Region in Erinnerung bleiben", sagte Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz. Alle Beteiligten hätten sich mit viel Engagement dem Thema "Römer" gewidmet. "Jeder Besuch wird sich lohnen, wir werden das Römerjahr im Rheinland hochleben lassen", so Raetz.

Die Programmhefte mit den einzelnen Veranstaltungen liegen in den öffentlichen Gebäuden der teilnehmenden Gemeinden aus. Eine komplette Übersicht über das Jahresprogramm gibt es unter www.roemisches-rheinland.de.

Klaus Grewe über die sichtbaren Relikte Roms

Der Morenhovener Professor Klaus Grewe (69) gilt als Experte für technische Bauten der Antike, zum Römerkanal schrieb er mehrere Bücher. Über das "Römische Rheinland 2014" sprach er mit Sebastian Fink.

Warum ist der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis für Römerinteressierte so spannend?
Klaus Grewe: Der Rhein war eine natürliche Grenze, im Linksrheinischen bildete sich eine römische Kulturlandschaft. Hier gibt es aus 500 Jahren römischer Besiedlung geprägte Bauten wie Wasserleitungen und Ähnliches.

Was ist das Besondere am "Römischen Rheinland 2014"?
Grewe: Das Rheinland ist ein riesiges Freilichtmuseum römischer Geschichte und in diesem Jahr wird alles zusammengetragen.

Auf welches Programmangebot freuen Sie sich?
Grewe: Der Vortrag von Salvatore Ortisi zum römischen vicus in Nettersheim im April. Hier wurde per Zufall eine römische Kleinstadt gefunden. Im Anschluss gibt es eine Exkursion dorthin, das ist selbst für mich spannend.