Ausstellung "mittendrin"

Lieblingsbilder im Rheinbacher Amtsgericht

Mitglieder des Kunstforums'99 zeigen ihre Bilder zum Thema „mittendrin“.

Mitglieder des Kunstforums'99 zeigen ihre Bilder zum Thema „mittendrin“.

RHEINBACH. Das Kunstforum'99 feiert seinen 20. Geburtstag mit einer Ausstellung im Rheinbacher Amtsgericht. Aus vergangenen Präsentationen haben Angestellte ihre Lieblingsbilder gekürt.

Das Amtsgericht in der Schweigelstraße hat mindestens zwei Gesichter: Es repräsentiert die Strenge der Justiz, es ist aber auch ein heiterer Ort der Kunst, wie die regelmäßigen Bilderausstellungen dort zeigen. Die neuste von Künstlern aus dem Kunstforum'99 heißt „mittendrin“.

Das ist den Eröffnungsworten der Vorsitzenden des Forums, Eva Vahjen, zufolge „ein schwieriges Thema, denn es verführt dazu, den künstlerisch leichten Weg einzuschlagen, um am Ende festzustellen, dass er nicht funktioniert“. Denn die Mitte sei zumindest künstlerisch nicht immer die goldene. Wenn ein Bild seine Spannung vom exakten Mittelpunkt in alle Richtungen gleichmäßig abgebe, drohe diese ohne Nachhall zu verebben.

Christa Dygatz aus Meckenheim ist dieses Wagnis eingegangen. Die ehemalige Glashandwerkerin hat ursprünglich mit der Tiffany-Technik Glasteile mit Zinn verlötet, vertrug aber die Dämpfe nicht. „Dann hab ich mich gefragt: Was kann man mit Glas sonst noch machen?“, erzählte sie. „Große Gefühle“ heißt eine ihrer Collagen, bei der sie – ganz passend zum Ruf Rheinbachs – mit Glassplittern eine Art emotionale Spinne auf weißen Untergrund gebracht hat. In der Mitte ein spitzes Teil: „Das ist die Wut, die ich manchmal nicht unter Kontrolle habe“, erklärt die Künstlerin. Die langen Beine stehen für Neid (in gelb), Liebe (rot), Hoffnung (grün) und Ruhe (blau).

Bürgermeister: "Mittendrin im prallen Leben"

Nicht weit entfernt im Eingangsbereich hängen zwei „Skater“ von Eva Vahjen. Die etwa 1,20 mal 1,50 Meter großen Bilder zeigen junge Männer bei gewagten Übungen auf ihren Boards. Rote Blütenblätter umflattern sie. „Get involved!“ – „Mach mit!“, fordern sie, werden aber von türkisblauen Blumen oder Balken in den Hintergrund gedrängt, ihr Zugang zur Mitte erschwert. Margarete Esser zeigte Erinnerungen, etwa an ihren Hund, der am letzten Tag der Badesaison ins Schwimmbad springen durfte.

Im 20. Jahr des Kunstforums gab es eine Premiere: Die Angestellten des Gerichts haben ihre Lieblingsbilder aus der vorangegangenen Ausstellung gewählt: Ingrid Thoma erhielt für ihr Bild „Island IV“ und Orlando Morrone für „Istanbul“ eine Urkunde. Bürgermeister Stefan Raetz würdigte den Kunstgeschmack der Justizmitarbeiter. Für ihn ein Beleg: „Wir sind hier mittendrin im prallen Leben.“