Kooperation zwischen Forschern und Betrieben

Leinsamen fürs Brot kommt aus Swisttal statt aus China

Rheinbach/Meckenheim. Wissenschaftler der Uni Bonn erforschen am Campus Klein-Altendorf Biodiversität in der Landwirtschaft. Sie wollen auch Lein wieder heimisch machen, und daran sind ein Landwirt und eine Bäckerei aus Swisttal beteiligt.

Wenn Kunden der Bäckerei Voigt Leinsamenbrot essen, können sie demnächst sicher sein: Die Saaten sind quasi vor der eigenen Haustür gewachsen – und nicht, wie bisher, überwiegend aus China importiert.

Dies ist der Zusammenarbeit von Forschern der Universität Bonn am Campus Klein-Altendorf mit dem Swisttaler Agraringenieur Paul Freiherr von Boeselager und der Bäckerei Voigt zu verdanken. Im Rahmen eines Projekts zum Erhalt der Biodiversität wird nun unter anderem regionaler Lein angebaut.

Das Ganze ist Teil einer neuen Forschungsanlage zur Biodiversität. Auf einer Fläche von 700 Quadratmetern zwischen Meckenheim und Rheinbach wurden Agrarflächen so gestaltet, dass sie einer Vielzahl von Insekten Nahrung und natürlichen Lebensraum bieten. Dabei wurden unterschiedliche Versuchsmodelle angelegt.

Forscher beobachten die Entwicklung der Artenvielfalt

Im Mittelpunkt stehen Arzneipflanzenkulturen wie Lein, Bohnenkraut und Fenchel. Zudem wurde ein Schau- und Lehrgarten angelegt mit Totholzhaufen, Blühstreifen, einer Trockenmauer, Nisthilfen, brach liegenden Ruderalflächen und einem Feuchtbiotop.

Die Wissenschaftler untersuchen, welche Insekten die jeweiligen Flächen besuchen, wie groß ihre Leistung als Bestäuber ist und wie sich die Bestäuberleistung auf die Erträge auswirkt. Auch werden die Auswirkungen auf benachbarte Agrarflächen untersucht, und die Artenvielfalt in den Arzneipflanzenkulturen wird verglichen mit der Vielfalt, die bei anderen Agrarumweltmaßnahmen vorzufinden ist.

Der Schau- und Lehrgarten wurde öffentlichkeitswirksam am Radweg zwischen dem Campus Nord in Meckenheim und dem Campus Süd in Wormersdorf angelegt. Schilder und Infomaterialien sollen den Besuchern den Nutzen der Anlage erklären und dazu anregen, vielleicht auch im eigenen Betrieb oder Garten ähnliche Maßnahmen zu integrieren.

Das Projekt liefert aber nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern nützt auch in der Praxis. „Wir wollen unsere Forschung in ein Produkt einbauen“, sagt Hanna Blum vom Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe an der Universität Bonn.

Der erste Swisttaler Lein wächst bereits

Und da fanden die Forscher mit Agraringenieur Paul Freiherr von Boeselager und Bäckereigeschäftsführer Theo Voigt Interessenten. Nachdem die ersten Forschungsergebnisse vielversprechend waren, baut von Boeselager auf seinen Ackerflächen in Swisttal-Heimerzheim nun die erste Leinkultur an. Voigt wird die Leinsamen in Produkten der Bäckerei verarbeiten. Wenn alles optimal verläuft, wird von Boeselager etwa eine Tonne Leinsamen an die Bäckerei liefern können.

Er habe festgestellt, so Voigt, dass die Nachfrage nach Produkten mit Inhaltsstoffen aus regionalem Anbau deutlich größer ist als bei Inhaltsstoffen aus dem Ausland – wie es bislang beim Lein üblich ist. Zwar wurde die Kulturpflanze einst auch in Europa angebaut, vor allem zur Fasergewinnung. Als synthetische Fasern populärer wurden, geriet Lein aus dem Blickfeld. Leinsamen wird heutzutage fast ausschließlich aus China importiert.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, den Lein in der Region wieder heimisch zu machen, denn die Pflanze hat nicht nur einen Mehrwert als Nahrungsquelle für Insekten, sondern auch für den Menschen. So haben Leinsamen eine positive Wirkung auf die Verdauung, und auch Leinöl gilt als besonders gesund, da es eine sehr hohe Konzentration an Omega-3-Fettsäuren aufweist.

Pflanzen blühen kräftig blau

Auch optisch ist ein Leinfeld ein Hingucker: Die Pflanzen blühen in einem kräftigen Blau. So werden sich wohl schon Mitte Juni auch von Boeselagers Felder in ein blaues Blütenmeer verwandeln. In die Blütezeit des Lein fällt auch der Tag der offenen Tür am Campus Klein-Altendorf. Am Sonntag, 17. Juni, können sich Interessierte über das Projekt und andere Forschungen informieren. Es werden Traktorrundfahrten angeboten, und auch der Schau- und Lehrgarten soll den Besuchern näher gebracht werden.