Integration in der Region

Kritik an Unterbringung von Flüchtlingen am Schornbuschweg

Drei Syrer wurden im August dieses Jahres bei einem Streit unter Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft Schornbusch verletzt.

Drei Syrer wurden im August dieses Jahres bei einem Streit unter Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft Schornbusch verletzt.

Rheinbach. Kritik an der „Zwangszentralisierung“ von Asylbewerbern am Schornbuschweg wird laut. Die Unterbringung ohne Rücksicht auf Unterschiede bei Herkunft, Familienstand und Schutzstatus erhöhe das Konfliktpotenzial in Rheinbach.

Das Thema Unterbringung von Flüchtlingen ist in Rheinbach weiterhin brisant. So sorgten zuletzt Hakenkreuz-Schmierereien an den neuen Wohnungen an der Keramikerstraße, in die zunächst Flüchtlingsfamilien einziehen sollen, für Diskussionen (der GA berichtete). Aber nicht nur solch diffuser, offenkundig fremdenfeindlicher Protest meldet sich zu Wort. Vielmehr wird Kritik an der städtischen Unterbringungspolitik auch sachlich vorgetragen. Im Fokus steht dabei vor allem die im vergangenen Jahr neu gebaute Flüchtlingsunterbringung am Schornbusch.

Diese eingezäunte und vergleichsweise gut abgeschirmte Unterkunft würde von der Stadt immer mehr zum Sammelpunkt für geduldete und abgelehnte sowie für neu hinzukommende Asylbewerber umfunktioniert. Darunter hätten auch jene Bewohner mit einer Bleibeperspektive zu leiden, sagt Anne Mäsgen, die bei der Diakonie die Flüchtlingsarbeit in Meckenheim, Rheinbach und Swisttal koordiniert. Bei der Belegung der Wohnanlage würde nicht ausreichend Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bewohner, insbesondere der Kinder, genommen. Auch gebe es viel zu wenig Betreuung und Berührungsmöglichkeiten mit der Außenwelt. Von einer „Zwangszentralisierung“ ist daher die Rede. Dabei bekommt Mäsgen recht von weiteren Flüchtlingshelfern, die ihren Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen wollen.

Mäsgen beobachtet derzeit eine Entwicklung, die ihr Sorgen macht: Die von der Stadt angemieteten Objekte, in denen bislang Flüchtlinge untergebracht waren, würden aufgelöst und die Bewohner dann am Schornbuschweg untergebracht. Für die Diakoniekoordinatorin steht dieses Verfahren der von der Stadt kommunizierten dezentralen Unterbringung entgegen. Sie erinnert daran, dass das Containerlager auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise entstand. „Damals musste die Stadt so schnell wie möglich bezahlbare Unterbringungskapazitäten realisieren“, so Mäsgen. „Inzwischen sind jedoch viele Bewohner anerkannt und möchten sich gerne durch Arbeit und selbst angemieteten Wohnraum integrieren.“

Von daher sei eine Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen am Schonbuschkontraproduktiv. Zumal die Bewohner dort ohne Rücksicht auf Ethnien, Alter, Familienstand und Schutzstatus untergebracht würden. Auf Anfrage teilt die Stadt mit, dass von 240 Plätzen derzeit 170 belegt sind. Unter den Bewohnern sind 15 anerkannte Flüchtlinge.

Dass es daher zu Konflikten wie einer besonders spektakulären Auseinandersetzung Ende August kommt, überrascht die Kritiker nicht. Wie berichtet, waren Ende August drei Syrer in der Unterkunft in Streit geraten. Dabei hatte ein Mann einem 27-Jährigen kochendes Wasser übergeschüttet.

Wenn schon eine zentralisierte Unterbringung, dann müssten dabei auch Standards gelten. Anne Mäsgen verweist etwa auf die Einrichtung eines Sozial-, Frauen- und Kinderraums sowie auf den Bau eines Spielplatzes. Auch ließe sich die Situation entzerren, wenn Familien dort in gesonderten Bereichen oder in der städtischen Unterkunft in Wormersdorf untergebracht werden könnten.

Was sich Mäsgen zudem wünscht: „Es müssten mehr Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Bürgern geschaffen werden, um Ängste aufzulösen und lebendige Kontakte wachsen zu lassen.“ Auch müsste die hauptamtliche Betreuung der Bewohner ausgebaut werden. Sie rät, vor allem zwei statt wie bislang eine Sozialarbeiterin am Schornbusch zu beschäftigen, „weil davon auszugehen ist, dass viele Flüchtlinge traumatisiert sind“. Nur ein Sozialarbeiter vor Ort sei zwar „ein guter Anfang, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Stadt als Träger der Einrichtung hat hier eine Bringschuld!“, glaubt Mäsgen.