Gespräch am Wochenende

Konfetti-Slam in Rheinbach ist nur so ähnlich wie Karneval

Der Bonner Autor und Poetry-Slamer Julius Esser in seinem Element: Literarisch in der Natur unterwegs.

Der Bonner Autor und Poetry-Slamer Julius Esser in seinem Element: Literarisch in der Natur unterwegs.

Rheinbach. Der Autor und Dichter Julius Esser über den Konfetti-Slam in Rheinbach, bei dem sich Poetry-Slammer sprachlich-komödiantisch dem Karneval anhähern.

Während es Karnevalssitzungen mit Büttenreden und viel Musik in der fünften Jahreszeit wie Sand am Meer gibt, liegen Poetry-Slams bundesweit ganzjährig hoch im Kurs. Als Kombination von beidem bringt der Literaturverein Rheinbach liest seinen Konfetti-Slam nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2017 heute Abend nun in zweiter Auflage auf die Bühne. Über das ungewöhnliche Format dieser Veranstaltung sprach Hendrikje Krancke mit dem Bonner Poetry-Slamer und Autor Julius Esser, der auch dieses Mal wieder mit von der Partie ist.

Herr Esser, Sie werden als Allzweckwaffe des Vereins „Rheinbach liest“ gehandelt. Wie kommt es, dass Sie dem Verein so nahestehen?

Julius Esser: Ach, der erste Kontakt kam eigentlich über Gerd Engel, den ich bei meinem allerersten Poetry-Slam überhaupt kennengelernt habe. Dann trafen wir uns immer wieder bei Veranstaltungen rund um Bonn und haben auch irgendwann gemeinsam Eigenes auf die Bühne gestellt. Beim Hexen-slam bin ich vor fünf Jahren selbst erstmalig aufgetreten und dann in die Rheinbacher Szene gewachsen. Mit Anke Fuchs und Lasse Samström, das ist da schon alles wie eine große Familie.

Und die Allzweckwaffe?

Esser: Ich mache viel Poetry-Slam, bin aber nicht auf dieses Genre festgelegt. Ich bin von Kindesbeinen an ein Bühnenmensch, arbeite mit Kindern im Freilichtmuseum, mache viel im Theaterbereich und habe eine eigene Kleinkunstbühne in Zülpich. Und ich moderiere auch – zum Beispiel vorletzte Woche den Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs oder den Jahresempfang von „Rheinbach liest“.

Poetry-Slammer scheinen ja in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden zu schießen.

Esser: Nein, das stimmt so nicht. Das Format gibt es in Wirklichkeit schon seit mehr als 25 Jahren. Die Leute können nur langsam mal etwas damit anfangen und interessieren sich in den letzten Jahren mehr dafür. Die Veranstaltungen finden nicht mehr in Kellern statt, sondern sind heute salonfähig und kommerzialisiert worden.

Kann man von dieser modernen Dichtkunst leben?

Esser: Es ist natürlich davon abhängig, wie viel die Menschen bereit sind, für Kultur und Kunst auszugeben. Das wird immer weniger. Wenn man damit finanziell hinkommen muss, Texte auf der Bühne zu performen, funktioniert das einfach nicht. Man muss sich schon die eine oder andere Nebentätigkeit suchen und Auftragsschreibarbeiten machen oder selbst Veranstaltungen entwickeln und durchführen.

So wie Sie selbst, Sie sind ja nicht nur als Slammer unterwegs. Was machen Sie sonst darüber hinaus?

Esser: Mein Studium hilft mir, mich breit aufstellen zu können. Wenn ich von Museen oder anderen Auftraggebern angesprochen werde, schreibe ich themenbezogene Texte. Da arbeite ich mich zum Beispiel für Ausstellungseröffnungen in völlig fremde Materien neu ein. Da kann und muss ich mein Genre zielgerichtet und individuell auf den Bereich auslegen. Das ist dann aber ein anderes Publikum als bei einem Slam. Die Zuschauer dort wollen etwas zum Thema hören, sie kommen nicht unbedingt nur zum Lachen. Das ist immer eine individuelle Performance.

Genauso individuell wie beim Konfetti-Slam?

Esser: Absolut. Da bereiten sich die Künstler auch speziell darauf vor. Hier gibt es viel, was es sonst nicht gibt. Alles ist möglich.

Wie würden Sie den Charakter der Veranstaltung beschreiben?

Esser: Das ist schwer zu erklären, es ist ein komplett neues Format. Es ist keine klassische Karnevalssitzung mit Tanzgruppen und Musikbands, kein Poetry-Slam, aber auch keine alternative Sitzung, wie irgendeine Stunksitzung. Beim Konfetti-Slam steht der Wortbeitrag im Vordergrund. Letztlich ist es eine Kleinkunst-Mixed-Show, bei der die Künstler aus verschiedensten Genres zusammenkommen. Sie setzen aber noch etwas drauf und dürfen alles ausprobieren.

Das heißt für die Künstler?

Esser: Da kommen Sänger, klassische Songwriter, Comedians und Kabarettisten, aber sie bringen nicht ihr Standardprogramm mit. Sie dürfen sich kostümieren und Requisiten mitbringen. Da tritt der Künstler anders auf, als man es von ihm gewohnt ist. Der Aha-Effekt und die Überraschung für das Publikum sind garantiert.

Sie waren ja schon beim ersten Mal dabei. Was wurde da geboten?

Esser: Das war alles ein bunter Mix. Ich hatte mehrere Texte geschrieben, auch ein karnevalskritischer war dabei. Zum Schluss kam dann eine alteingesessene Karnevalsband. Dann waren die Leute komplett überrascht, was hier abgeht. Ein toternster Beitrag und dann eine Band, die voll aufdreht.

Was schätzen Sie am Konfetti-Slam 2.0?

Esser: Zum einen hat die Location gewechselt. Wir treten ja dieses mal auf einer richtigen Bühne auf, das ist schon etwas anderes. Und für mich ist es super spannend, ich freue mich, bei so einem alternativen Format mitzumachen. Es ist eine gelungene Konstellation von hochkarätigen Künstlern aus verschiedensten Genres. Die Mischung ist toll und entspricht absolut nicht der Norm. Das mag ich. Man muss hier richtig arbeiten. Denn die Leute erwarten Karneval, aber man muss sich auch immer wieder umstellen zwischen lachen, nachdenken und feiern

Auf wen dürfen sich die Zuschauer dieses Mal freuen?

Esser: Den Moderator Frank Maier kennt man aus dem Fernsehen. Dann kommt Jakob Mayer, der macht ganz viel verschiedene Dinge, arbeitet mit der Loopstation, rappt dazu und singt. Und dann natürlich Lasse Samström, den Ur-Poetry-Slammer und andere Comedians, die genreübergreifend arbeiten. Katinka Buddenkotte und Helene Bockhorst, alles bekannte Gesichter. Damit ist die Veranstaltung auch deutlich überregionaler besetzt als beim letzten Mal.

Was bringen Sie selbst mit?

Esser: An dem einen Text sitze ich gerade dran. Es wird auf jeden Fall etwas Lustiges, aber kein Witzefeuerwerk, sondern schon etwas zum positiven Nachdenken.