Mittelalter-Spektakel in Rheinbach

Knappen werden zu Tomburg-Rittern geschlagen

RHEINBACH-WORMERSDORF. Der Ritterschlag gehört zu den traditionellen Zeremonien, wenn die Tomburg-Ritter ihr jährliches Heerlager aufschlagen. Schaukämpfe in voller Rüstung, Kunsthandwerk und Musik unterhalten die Besucher.

Metall schlägt klirrend auf Metall, als die Männer im Ritterharnisch ihre Schwerter kreuzten. Sie schenken sich nichts. Ein ums andere Mal geht einer von ihnen unter dem kräftigen Hieb des anderen zu Boden. Aber es gibt weder einen Sieger noch einen Besiegten. Ebenso wenig beim Duell von Ritter Gerd gegen Schwertmaid Sina und den weiteren Zweikämpfen.

Dies, obwohl sie alle sich bereit erklärt hatten, ein „Gottesurteil“ auszufechten, stellvertretend für die beiden Edelmänner Jürgen vom Adlerhorst (Barth) und Elmar von der Drachenlilie (Sann). Diese litten zu ihrem Bedauern an „Knie“ und „Rücken“ als Folgen ihrer letzten Kämpfe und konnten nicht selbst antreten.

Der Ursprung der Streitigkeiten, die im Duell geklärt werden sollten: Ihre zänkischen Ehefrauen Anne von der Drachenlilie und Andrea vom Adlerhorst hatten sich lautstark darüber gestritten, welcher von ihnen das Vorrecht gebührte, die Kirche beim täglichen Gottesdienstbesuch als erste zu betreten.

Amüsantes Schauspiel inszeniert

Aus diesem Streit entwickelten die Tomburg-Ritter ein amüsantes Schauspiel, das die vielen Besucher des Heerlagers am Wochenende mit viel Applaus bedachten. Die Pointe verband das selbst entwickelte Schauspiel mit der Erhebung zweier Knappen zum Ritter. Christian (Trojandt) und Christoph (Netenjacob) hatten sich als weise Männer erwiesen mit dem Vorschlag, die beiden Damen sollten sich eben täglich abwechseln.

Für die Zeremonie des Ritterschlags blieb der Tross im Turniergeviert im Zentrum des Heerlagers, um der von Herold Daniel von Eben (Ebner) geleiteten Zeremonie beizuwohnen. In den Jahren zuvor waren die Ritter zur Tomburg gezogen.

Den Eid leisteten die beiden Knappen kniend vor den Rittern, die sie ausgebildet hatten. Knappe Christian war bereits als Page in die Dienste von Ritter Jürgen vom Adlerhorst (Barth) getreten. Er ist auch Skriptor der Tomburg-Ritter und hatte seinem Knappen die Schrift Textura beigebracht. Knappe Christoph war von Elmar von der Drachenlilie ausgebildet worden.

Knappen leisten den Eid auf Latein

Für „das Volk von Wormersdorf und anderswo“ wurde der lateinische Eid auf Neudeutsch übersetzt. Nach der letzten Ohrfeige, die sie ohne Gegenwehr von ihrem jeweiligen Ritter hinnehmen mussten, wurden sie „im Namen des Heiligen Georg und des Heiligen Michael“ zu Rittern geschlagen.

Bei der „Wandlung“ unter Mithilfe zweier Damen legten sie den Wappenrock der Tomburg-Ritter, Schwert, Gürtel, Schwertscheide und Schild an. Unter den lautstarken Rufen „Huld! Huld! Jubel!“ von Volk und Ritterschaften zeigten sie sich dann als Ritter Christian vom alten Dorf und Ritter Christoph von Greifenberg zu Roitgin. Und es folgte schon ein neuer Knappe: Hektor von der Stierebene (Axel Schregel) begann seine Ausbildung bei Ritter Elmar von der Drachenlilie.

Ihr Lager hatten die Tomburg-Ritter schon Mitte der Woche auf der Wiese unterhalb des Tombergs aufgeschlagen. Die Zeltstadt der 60 gewandeten Aktiven der insgesamt 90 Mitglieder starken Vereinigung und ihrer befreundeten Ritterschaften war am Wochenende Ziel zahlreicher Besucher.

Vor allem Familien mit Kindern kamen, auch um „Exerzitien“ wie Lanzenstechen oder Drachen-Schießen mit der Armbrust auszuprobieren und dann zu Burgfräulein oder Kinder-Ritter erhoben zu werden. Auch gab es Einblicke in alte Handwerkskünste, die Gruppe „Irrlichter“ spielte alte Musik.

Mitglieder des Vereins „Freundeskreis Tomburg“ zeigten bei kostenlosen Führungen auf der Burgruine die Fortschritte zu deren Erhalt, für die sich auch die Tomburg-Ritter seit Jahren engagieren.