Soldat aus Rheinbach

Kambodscha im Fadenkreuz

RHEINBACH. 23.000 Minen, knapp 100.000 Blindgänger - dass eine so unvorstellbar große Zahl an Kampfmitteln entschärft werden und keinen Schaden anrichten konnte, ist unter anderem Peter Willers' Verdienst.

Sechs Jahre verbrachte der ehemalige Bundeswehrsoldat im Rahmen einer Mission des Auswärtigen Amtes in dem vom Bürgerkrieg geplagten Land Kambodscha und leitete einen mit 300 Kambodschanern besetzten Minenräumverband.

Auch abseits der gefährlichen Arbeit nutzte Willers die Möglichkeit, Land und Leute des südostasiatischen Staates kennenzulernen. Seine Erlebnisse hat er nun niedergeschrieben und lädt seine Leser im Buch "Kambodscha im Fadenkreuz" auf eine abenteuerliche und packende Reise ein.

Im Rahmen seiner Mission hat Willers besonders der bäuerlichen Landbevölkerung einen Dienst erwiesen, die aufgrund der minenverseuchten Gebiete ihre Felder nur unter großer Gefahr bestellen konnte - sofern das überhaupt möglich war. "Die Reaktion auf eine entschärfte Mine war meistens gleich und immer wieder faszinierend. Sobald das Kampfmittel entfernt war, strömten die Menschen auf die Felder und bauten an", erklärt Willers.

Willers, der in seiner Mannschaft der einzige Ausländer war, beschreibt den hohen Respekt der Kambodschaner vor Autoritätspersonen als besondere Herausforderung. "Die Mentalität der Asiaten grenzt manchmal an Unterwürfigkeit. Das machte es manchmal schwer zu erfahren, wenn irgendwo ein Problem bestand", so Willers. Den Kulturunterschied zu anderen Ländern - Willers war beruflich lange in Afrika unterwegs - beschreibt der Autor als schwierige Aufgabe. "Bei den Afrikanern war das anders. Die teilten sehr direkt mit, wenn etwas nicht nach Plan lief", sagt Willers.

Kennengelernt hat Willers nicht nur die Landbevölkerung. Auch das Staatsoberhaupt, König Norodom Sihamoni, traf er. "Anders als man denken könnte, ist der König ein sehr bescheidener Mann. Allerdings ist das Repräsentationsbedürfnis in Kambodscha nicht annähernd mit europäischen Verhältnissen vergleichbar", so Willers. Schmunzelnd berichtet er von einer Hochzeit, bei der mehr als 1000 Menschen eingeladen waren: "Bei uns wäre so etwas undenkbar. In Kambodscha legt man darauf Wert".

Weitere Veröffentlichungen geplant

Obwohl Willers' Neuerscheinung nicht ausschließlich seine Arbeitserfahrungen wiedergibt, ist der Buchtitel an den Militärjargon angelehnt. "Der Begriff Fadenkreuz steht im Zusammenhang mit der Jagd und dem Militärischen. Mir war es wichtig, auch dieses Element gleich zu Beginn im Titel einfließen zu lassen", sagt Willers. In Kambodscha hat er seine Erfahrungen notiert, die Endfassung entstand in Deutschland. Und auch ein neues Werk ist schon in Planung. "Ursprünglich wollte ich ein Buch schreiben, das sich meinen gesamten Reiseerfahrungen in Asien widmet. Das wäre zu lang geworden, daher veröffentliche ich das Projekt in mehreren Etappen", erklärt Willers. "Kambodscha im Fadenkreuz" ist ein Teil des Projekts, weitere Veröffentlichungen - etwa zu Thailand, Nepal und Indonesien - werden folgen.

Beruflich ist für Peter Willers noch lange nicht Schluss. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-In-stitut wird er in Kambodscha eine Forschungsmission unterstützen, bei der Landminen mittels Luftüberwachung aufgespürt werden sollen. Willers sieht darin Potenzial: "Sollte das gelingen, wäre das eine große Bereicherung für Kambodscha!"

"Kambodscha im Fadenkreuz" ist im Verlag Edition Winterwork erschienen und kostet 19,90 Euro. Am Donnerstag, 22. Oktober, 18 Uhr, wird Peter Willers im Waldhotel Rheinbach, Ölmühlenweg 99, aus seinem Buch lesen und seine Schilderungen mit Bildern begleiten. Der Eintritt ist frei.