Sicherungsarbeiten

Interview mit Tomburg-Experte Andreas Herrmann

Experte in Sachen Tomburg: Andreas Herrmann, hier mit einem 3D-Modell der Burg, wie ihre Gestalt gewesen sein könnte.

Experte in Sachen Tomburg: Andreas Herrmann, hier mit einem 3D-Modell der Burg, wie ihre Gestalt gewesen sein könnte.

Rheinbach. Zu der geplanten Teilsanierung von Mauerresten der Tomburg im September gibt es noch einige offene Fragen. Die haben wir einem Experten gestellt.

Andreas Herrmann hat sich einen Namen als Experte der Tomburg und ihrer rund tausendjährigen Geschichte gemacht. Auch bei der Stadt Rheinbach, die Eigentümerin des Burgbergs ist, gilt die Meinung des Geografen etwas, der sich schon geraume Zeit für den Erhalt der mittelalterlichen Wehranlage einsetzt.

Herr Herrmann, verläuft alles nach Plan, könnte im September die Teilsanierung von Mauerresten, die sich auf einen Bereich am Bergfried konzentriert, starten. Warum ist dies jetzt nötig?

Andreas Herrmann: Zwei Gründe sind ausschlaggebend. Zum einen fangen jene Mauern, die nach bislang einzigen wissenschaftlichen Ausgrabung 1968 am Bergfried saniert worden waren, bereits wieder an zu bröckeln. Aber auch originales, unbehandelte Mauerwerk aus dem 15. Jahrhundert leidet unter dem Einfluss der Witterung: Wasser dringt in feinste Risse ein, Frost im Winter lockert den Verbund der Steine. Bricht ein Stück aus dem Schalenwerk der Konstruktion aus Basaltsteinen heraus, liegt die weichere Verfüllung an Mörtel und kleinteiligem Material offen. Spätestens dann siedeln sich weitere Pflanzen an, der Verfall schreitet fort. Authentische Bausubstanz geht verloren und damit auch Hinweise auf die Burganlage als Ganzes.

Und der zweite Grund?

Herrmann: Bei der Grabung 1968 waren Funde unmittelbar am Bergfried entdeckt worden, die damals nicht gesichert wurden. Etwa ein ringförmiger Ofen sowie Wirtschaftsgebäude. Teilweise kommen die Grundmauern dieser Gebäude nur ein Stück weit aus dem Boden und werden von Besuchern belaufen. So wird auch auf diesem Weg die Originalsubstanz abgetragen und geht unwiederbringlich verloren. Dem wollen wir Einhalt gebieten, indem wir jene Funde aufmauern, dadurch wieder sichtbar machen und sichern.

Was macht die Tomburg denn grundsätzlich so besonders?

Herrmann: Ihre Lage und zeitweise auch ihre historische Bedeutung. Um das Jahr 1000 diente die Tomburg als Familiensitz der Ezzonen. Pfalzgraf Ezzo nutzte ihre herausragende geostrategische Lage als Stützpunkt eigener Machtpolitik. Man hat ja von der Burg einen Fernblick in das Rheintal und die Eifel, der für die Burgenbauer damals genial gewesen sein muss. Nicht von ungefähr hatte die Tomburg seinerzeit auch eine Schutzfunktion für die historische Krönungs- und Heerstraße, die unterhalb der Burg von Sinzig kommend in Richtung Rheinbach, Düren und in das damaligen Machtzentrum des Reiches, Aachen, verlief.

Mit dem Aussterben der Ezzonen um 1060 ging allerdings die überregionale Bedeutung der Burg verloren. War die Tomburg eine große Burg?

Herrmann: Die räumliche Ausdehnung kennen wir nicht, da Ortsangaben und Abbildungen in den Quellen fehlen. Die heute sichtbaren Reste auf dem Tomberg sind nur ein kleiner Teil der Anlage. Es gab mit Sicherheit weitere am Hang liegende Bebauung, eine Siedlung auf den Felder im Süden und wahrscheinlich gehörte auch der rund 600 Meter entfernt liegende Tonnenberg dazu. Keramikfunde liefern hierfür erste Indizien. 120.000 Euro, von denen 50 Prozent die Deutsche Denkmalstiftung übernimmt, sind für die Sanierung eingeplant.

Wird das reichen?

Herrmann: Wir müssen uns mit den Maßnahmen an den zur Verfügung stehenden Mitteln orientieren. Diese sichern die bisher ergrabenen Befunde, ermöglichen aber keine weitergehende Ausgrabung. So wurde auf dem Burgberg nur eine etwa 20 mal 20 Meter große Fläche untersucht. Weite Teile sind weiterhin unerforscht, viele Fragen offen: Wo lag der Zugang zum Burgplateau? Wo die in den Quellen belegte Zugbrücke? Wie verläuft der trennende Graben am Bergfried? Daher würde ich mir in Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland einige archäologischen Suchschnitte wünschen.

Muss es auch darum gehen, die stark zugewucherte Burg wieder besser sichtbar zu machen?

Herrmann: Die Herstellung von Sichtachsen ist sicherlich ein Thema. Natürlich gäbe es dazu viel abzustimmen, denn die Tomburg liegt in einem Spannungsfeld, bei dem unterschiedliche Interessen in Einklang gebracht werden müssen: Der Naturschutz, die Naherholung, und eben der Denkmalschutz. Aber wir sind auf einem guten Weg. So hat zu dem Sanierungsprojekt auch die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises ihre Zustimmung gegeben. Schließlich müssen Bäume gefällt werden, die die Standsicherheit des Mauerwerks gefährden. Im Gegenzug haben wir zugesagt, seltene Pflanzen wie den Braunstieligen Streifenfarn, der an einigen Mauern wächst, die saniert werden müssen, umzusiedeln. Die Sanierung der Tomburg ist das eine, eine nachhaltige Absicherung der Ruine aber etwas anderes.

Welchen Sinn machen Erhaltungsmaßnahmen wenn – wie geschehen – selbst ernannte Burgenbauer in Eigenregie Trockenmauern aufschichten, Kanthölzer in der Bergfried einziehen, wie sie im Mittelalter zum Bau der Burg verwendet wurden, oder mit Metalldetektoren den Boden nach Artefakten durchsuchen?

Herrmann: Ja, die Tomburg ist ein regionaler Anziehungspunkt. Sie dient als Abenteuerspielplatz, Vandalismus ist ein großes Problem, auch Raubgräber sind immer mal wieder unterwegs. Hier werden wir uns in Zukunft mit der Stadt und den Behörden über ein besseres Sicherungskonzept verständigen müssen.