Tomburg Ritter

In Rheinbach gibt es bald zwei neue Ritter

Rheinbach-Wormersdorf. Der Name des Vereins klingt nach harten Kerlen, doch eigentlich sind die Tomburg Ritter ein Verein für die ganze Familie. Am Samstag ernennt er zwei neue Ritter. Über die Faszination des Verkleidens und des Mittelalters sprach die Vorsitzende Andrea Barth mit dem GA.

Die Tomburg Ritter versammeln sich am Wochenende am Parkplatz an der namensgebenden Burg, um ihr historisches Zeltlager aufzubauen. Anders als der Name vermuten lässt, geht es dabei keinesfalls nur um die Männer in Blech. Auch holde Maiden, Burgfräulein, Zunftgesellen und Gaukler vermitteln den Besuchern dort einen Eindruck des Mittelalters. Zwei Knappen werden dabei am Samstag zu Rittern geschlagen. An der Organisation ist die Vorsitzende Andrea Barth federführend beteiligt. Über die Faszination des Verkleidens und eines längst vergangenen Zeitalters sprach mit ihr .

Frau Barth, wann hatten Sie das erste Mal ein mittelalterliches Kostüm an?

Andrea Barth: Vor 16 Jahren. Unser Sohn hatte eine Freundin und deren Familie war hier schon länger mittelalterlich unterwegs. Unser Sohn wollte direkt in den Verein, mein Mann und ich wollten uns das erst mal anschauen. Die Familie hat uns dann die Gewandung geliehen. Das fanden wir erst befremdlich, aber dann hat es uns so gut gefallen, dass wir uns selber etwas angeschafft haben.

Welches Kostüm tragen Sie?

Barth: Wir nennen das Gewandung (lacht). Wir im Verein versuchen, die Zeit des Hochmittelalters zwischen 1150 und 1350 darzustellen. In dieser Zeitspanne gibt es mehrere Stile, auch damals haben sich die Moden geändert, wenn auch nicht so schnell. Wir tragen Alltags- bis gehobene Kleidung. Das heißt keine Bauern, eher Handwerk bis vermögendere Personen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Barth: Das sind oft Leinenstoffe oder Wolle, manchmal Baumwollmischgewebe, die hat es damals schon gegeben. Ansonsten kommt es auf die Gewandung an. Meistens trägt man ein Unter- und ein Überkleid, einen Schleier oder eine Rise, einen Mantel, einen Gugel, mit Gürtel oder ohne, mit engen, mit weiten Ärmeln, da gibt es die verschiedensten Stile.

Nähen die Tomburg Ritter ihre Gewandungen selbst?

Barth: Zum Teil kann man sie im Internet oder auf speziellen Märkten kaufen, aber wir versuchen, sie selbst zu nähen. Manche machen das mit der Nähmaschine, andere legen Wert darauf, dass sie es mit der Hand nähen. Jeder, wie er kann und möchte.

Wie lange näht man ungefähr an einer Gewandung?

Barth: Das kommt ganz darauf an, wie aufwendig sie ist und wie viele Teile dazugehören. Aber ein paar Tage sind Sie schon beschäftigt.

Wie historisch akkurat geht es bei Ihnen zu?

Barth: So mittel (lacht). Wir bemühen uns darum, es möglichst nah an der Vorlage zu halten. Das, was man auf Märkten sieht, ist oft Fantasy. Das liegt auch daran, dass die Kleidung damals eher schlicht war. Und man kann ja keinem vorschreiben, was er anzuziehen hat. Wir orientieren uns an historischen Abbildungen. Das ist für unsere Zeit allerdings ein bisschen schwierig, weil die Menschen es damals nicht als Wert erachtet haben, das tägliche Leben zu malen oder in Kunst festzuhalten. Aus der Zeit, die wir darstellen, existieren eher kirchliche Motive. Es gibt aber ein paar Darstellungen, die das Alltagsleben zeigen, und daran orientiert sich unsere Gesellschaft. Wir sind nah dran, aber am Ende ist es immer nur ein Versuch.

Neben den Gewandungen machen die großen, mittelalterlichen Zelte den Charme der Märkte aus. Wo kommen diese her?

Barth: Die Zelte werden von spezialisierten Anbietern gekauft. Bei uns im Verein hat jeder sein eigenes Zelt, es gibt nicht wie in anderen Vereinen geteilte Zelte. Es ist jeder dafür verantwortlich, dass die Sachen auf den Markt kommen und auch wieder weg. Unser Zelt zum Beispiel ist von der Form her nur außen historisch korrekt. Die meisten hier haben sich für solche Zelte entschieden, weil sie einfacher aufzubauen sind und recht stabil sind. Die Materialien sind allerdings modern, die Teppiche stammen aus diesem Jahrhundert, darunter liegen Folien gegen die Feuchtigkeit. Es soll ja auch nur so aussehen wie. Wir trinken morgens unseren Kaffee und essen Brötchen, keinen Hirsebrei. Bei so einem Familienverein wie unserem geht das nicht anders.

Übernachten Sie auch im Zelt?

Barth: Ja, natürlich.

Wie ist das?

Barth: Schön (lacht). Es ist wie ein ganz normales Campingzelt, nur ein bisschen komfortabler.

Was macht für Sie die Faszination des Verkleidens und des Mittelalterspielens aus?

Barth: Zum einen ist es die Beschäftigung mit der Historie, sich mit der Geschichte der eigenen Region auseinanderzusetzen. Und das andere – und ich glaube, das ist das Entscheidendere – ist, dass man Gemeinschaft erlebt. Beim Aufbau packen alle mit an, man sitzt abends gemeinsam unterm Baldachin, man frühstückt morgens zusammen, man verbringt den ganzen Tag miteinander. Und es ist vollkommen egal, was man im zivilen Leben macht. Wir haben Krankenpfleger, Elektriker, Serienschreiber, Rechtsanwälte. Hier geht es darum: Was habe ich für Fähigkeiten, wie kann ich mich einbringen? Wie kann ich mit den Leuten etwas für den Verein machen? Das ist wirklich schön. Es ist ein Gemeinschaftserleben.

Welche Knappen werden dieses Jahr zum Ritter geschlagen?

Barth: Christian Trojandt und Christoph Netenjacob. Als Knappe muss man bei uns verschiedene Dinge lernen: mittelalterliche Tänze, Kämpfen, höfisches Benehmen, etwas über die Tomburg. Man bekommt einen Ritter zugewiesen, der einen dann anleitet. Um Ritter zu werden, muss man mindestens 21 Jahre sein alt und ein Jahr Knappe gewesen sein. Dann entscheidet der Ritterrat – also alle Ritter – um Pfingsten herum, ob sich jemand bewährt hat. Christian war sechs, sieben Jahre der Knappe meines Manns. Christoph ist erst seit zwei Jahren im Verein.

Wie kann man bei Ihnen mitmachen?

Barth: Wir raten den Leuten erst mal, zu den Veranstaltungen, wo wir aufbauen, hinzukommen. Und sich das einen ganzen Tag lang anzugucken. Am besten drei-, viermal. Denn am Anfang sieht das immer sehr schön aus, aber wenn die Leute merken, oh, das ist aber ganz viel Arbeit und kostet auch etwas, dann springen viele ab. Wenn man sich entscheidet mitzumachen, kann man einen Mitgliedsantrag unterschreiben und macht dann ein Jahr zur Probe mit. Danach wird abgestimmt. Dadurch, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen, muss das passen. Man muss dann mit einer Zweidrittelmehrheit vom Verein gewählt werden.

Sie haben die Kosten angesprochen. Was stecken Sie persönlich in Ihr Hobby?

Barth: Wir mussten eine Garage für Anhänger und Equipment anmieten, die kostet uns im Jahr 1000 Euro. Das Zelt inklusive Einrichtung hat rund 1300 Euro gekostet. Günstigere Zelte gibt es schon ab 250. Im Monat sind es insgesamt, ohne die Garage, vielleicht 50, 60 Euro.