Andrang an Gesamtschule

In Rheinbach fehlen weiter Gesamtschulplätze

In den Räumen der ehemaligen Alfterer Hauptschule in Oedekoven soll die Zweigstelle der Rheinbacher Gesamtschule Platz finden. FOTO: KOHLS

In den Räumen der ehemaligen Alfterer Hauptschule in Oedekoven soll die Zweigstelle der Rheinbacher Gesamtschule Platz finden. FOTO: KOHLS

RHEINBACH. Der Rheinbacher Schulausschuss hofft, dass die neue Dependance in Alfter-Oedekoven zum nächsten Schuljahr eine Entlastung bringt. Denn: Die Gesamtschule ist nach wie vor sehr beliebt.

Auch im nächsten Schuljahr 2019/20 ist nicht sicher, dass es genügend Plätze für Rheinbacher Kinder in der örtlichen Gesamtschule geben wird. Das sagte der Erster Beigeordnete Raffael Knauber bei der Sitzung des Schulausschusses am Mittwoch. Bei seinem jüngsten Gespräch mit Staatssekretär Mathias Richter vom Düsseldorfer Bildungsministerium habe dieser ihm zwar zugesagt, dass die Landesregierung im 14. Schulrechtsänderungsgesetz umsetzen werde, „was wir wollen“. Man könne jedoch nur hoffen, dass dies auch rechtzeitig zum nächsten Schuljahr erfolge, so Knauber.

Rheinbach ist interessiert daran, dass die Sekundarstufe 1 der Klassen 5 bis 10, wie es sie in Swisttal gibt, der Gesamtschule gleichgestellt wird. Dann könnte man Swisttaler Eltern darauf verweisen. Derzeit ist dies jedoch nicht der Fall. Aufgrund des Rechts auf freie Schulwahl muss die Rheinbacher Gesamtschule deswegen auch Kinder aus anderen Kommunen aufnehmen. Werden mehr Kinder angemeldet, als Plätze vorhanden sind, entscheidet das Los – manchmal auch gegen einheimische Kinder. Wenn Eltern ihn fragen, rät Knauber: „Die beste Methode ist, sich anzumelden.“ Bei seinen Recherchen habe er erfahren, dass Schulen in Wesseling, Brühl, Bonn oder die Europaschule in Bornheim einheimische Kinder bevorzugten. Sein Hinweis auf die Gesetzeslage sei mit „das ist uns egal“ beschieden worden.

Der angestrebte Teilstandort der Rheinbacher Gesamtschule in Alfter sei von der Schülerzahl her machbar. Knauber wies auf die landauf, landab steigenden Schülerzahlen hin. Der „enorme Bevölkerungszuwachs“ durch junge Familien und Flüchtlinge schlage sich auch in den Kindertagesstätten nieder.

Ausschussvorsitzender Dietmar Danz hatte die Sitzung mit deutlichen Worten eröffnet. Er habe von der Verwaltung mehr erwartet und mahnte „dringend notwendige Weichenstellungen“ an. Dem Bildungsministerium warf er „Arroganz und Überheblichkeit“ vor. Tamara Vogt (FDP) berichtete, ihre Partei habe ihre Kontakte genutzt. Das Bildungsministerium wird bekanntlich von einer Liberalen geführt. Demnächst solle eine Klausur zum Schulgesetz stattfinden. Auch der Städte- und Gemeindebund habe Unterstützung zugesagt.

Bernd Beißel (CDU) hält eine Erhöhung der Klassenfrequenzen für pädagogisch schlecht. Rheinbach wolle Bevölkerungszuwachs, und die Planung müsse diese Entwicklung berücksichtigen. Ständiges Nachbessern genüge nicht. Man müsse sich über Parteiengrenzen hinweg fragen: „Ist dieser Weg der richtige?“ Der Bedarf zeichne sich seit Jahren ab, sagte Martina Koch (SPD), doch „das Land lässt uns alleine“. Sie fragte, welche Lösung das Ministerium empfiehlt. Knauber zeigte sich skeptisch, dass die sechs linksrheinischen Kommunen bei der Schulentwicklungsplanung unter einen Hut zu bringen wären.

Jörg Meyer von der UWG warf Knauber „Zynismus“ vor. Er würde sich freuen, wenn die Dependance in Alfter zustande komme, sah darin jedoch „so gut wie keine Entlastung für Rheinbach“. Kinder aus Odendorf, Miel, Essig und Morenhoven würden schon aufgrund guter Verkehrsverbindungen hier angemeldet. Hartnäckig beharrte er auf seinem Antrag, eine Sechszügigkeit für die Rheinbacher Gesamtschule festzuschreiben. Fachbereichsleiter Wolfgang Rösner äußerte sich zuversichtlich, dass man dies als Ausnahme genehmigt bekomme, genauso wie der Standort Alfter mit einer Mehrklasse vierzügig vorstellbar sei. Ein Schulentwicklungsplan sei in Arbeit. Meyer ließ sich nur auf erheblichen Druck der anderen Fraktionen dazu bewegen, seinen Antrag zurückzunehmen.

Insgesamt denken aber alle in Richtung Sechszügigkeit. Die Fraktionen wollen sich bis zur nächsten Sitzung am 5. Dezember Zeit für die Suche nach Lösungen nehmen.